Schleichende Umweltkatastrophe

21. Oktober 2017 12:10; Akt: 21.10.2017 12:10 Print

Das steht auf dem Spiel, wenn die Insekten sterben

Die Zahl an Fluginsekten ist dramatisch zurückgegangen. Dieses Massensterben ist eine Gefahr für viele Ökosysteme und damit auch für den Menschen.

Wie sähe eine Welt ohne Insekten aus? (Video: Insect-Respect)
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Die Zahl lässt aufhorchen: In einem Vierteljahrhundert nahm die Gesamtmasse an geflügelten Insekten in Teilen Deutschlands im Schnitt um 76 Prozent ab. Das ist das Ergebnis einer grossangelegten Studie, die das Insektenaufkommen in 63 deutschen Naturschutzgebieten zwischen 1989 und 2016 untersuchte. Es ist die erste Untersuchung, die belegt, dass alle Fluginsekten massiv vom Aussterben betroffen sind. Und das nicht nur in Deutschland, wie Insektenlobbyist Hans-Dietrich Reckhaus, der an der Studie nicht beteiligt war, bestätigt: «Die Situation in Deutschland ist auch repräsentativ für die Schweiz.»

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Das Ausmass des Insktenschwundes überraschte die Studienautoren. Die Situation sei viel schwerwiegender als gedacht, erklärten die Forscher um Caspar Hallmann von der Radboud University in Nijmegen. Sie warnen vor den Folgen eines fortschreitenden Insektenschwunds.

«Kleine Riesen»

Tatsächlich steht viel auf dem Spiel, denn «Insekten sind unterschätzte kleine Riesen», betont Reckhaus. Sie sichern als Bestäuber von Pflanzen die Welternährung. Weiter seien sie für viele Fische und Vögel eine wichtige Nahrungsquelle, so der Autor des Buches «Jede Fliege zählt» weiter. Ohne sie als Glied in der Nahrungskette kämen viele Ökosysteme völlig aus dem Gleichgewicht. Der ebenfalls dramatische Rückgang bei den Vögeln wird denn auch in einem direkten Zusammenhang mit dem Insektenschwund gesehen (siehe Box).

Reckhaus weist noch auf eine weitere wichtige Funktion der Insekten hin. «Was viele nicht wissen: Insekten befreien uns von Müll, zum Beispiel von Exkrementen. Ohne sie müssten wir die Kuhfladen selber aufsammeln.» Mit dieser Zersetzungsleistung sorgten sie für fruchtbare Böden. Auch für die Textilproduktion und die Medizin sind Insekten unentbehrlich: Sie sind es auch, die Baumwoll- und Arzneipflanzen bestäuben.

Insektenschutz beginnt zu Hause

Die Ursachen des Insektensterbens waren nicht Gegenstand der aktuellen Studie. Sie wiesen lediglich darauf hin, dass viele Naturschutzgebiete von Agrarflächen umgeben seien und Pestizide dabei eine Rolle spielen könnten. Reckhaus weist ausserdem auf das Verschwinden der Lebensräume der Insekten als Ursache hin und bringt die Problematik auf die einfache Formel: weniger Lebensräume – weniger Insekten.

Während Umweltschützer als Reaktion auf die Studie eine tiefgreifende Neuausrichtung der Landwirtschaft fordern, betont Reckhaus, dass auch der Normalbürger seinen Beitrag zum Schutz der Insekten leisten kann. So könne man Insekten gezielt fördern, indem man ihnen im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon einen artenreichen Lebensraum mit abwechslungsreichem Nahrungsangebot biete. Besonders beliebt bei vielen Fluginsekten seien zum Beispiel Schafgarbe, Weisser Gänsefuss und Färberkamille. Eine Auswahl von Tipps findet sich auf Insect-respect.org als PDF-Download.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ferdi am 21.10.2017 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das müsst ihr nicht uns sagen

    Sondern den Politikern, Konzernen und Monsanto.

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  • Amina123 am 21.10.2017 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurige tatsache

    stimmt alles,jedoch wage ich zu bezweifeln,dass der mensch seinem handeln einhalt gebieten wird.das ist doch gut zu sehen mit dem überfischen der meere.oder dem abschlachten der haie,nur der flossen wegen,die delikat und medizinische wirkung haben sollen :-(( solange noch tonnenweise pestizide ausgebracht werden,wird leider keine änderung eintreffen.die bevölkerung nimmt auch immer mehr zu. man sollte so einiges verbieten....

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  • Hoff am 21.10.2017 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Animal agriculture

    Ein schwerwiegende Ursache für das Insektensterben liegt bei den Monokulturen der Landwirtschaft. Diese werden hauptsächlich genutzt um die Fleischproduktion aufrechtzuerhalten. Mittlerweise werden 1/3 (!) der globalen Landfläche zur Produktion tierischer Produkte (Fleisch, Eier und Milch) genutzt. Nachfrage steigend. Der Grossteil der Menschen ist zu kurzsichtig und wird sich selber auslöschen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfred A. am 23.10.2017 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte mehr Mücken - wirklich?

    Gut, man kann schon mehr Mücken und Insekten fordern. Vielleicht kommt dann auch die Malaria wieder ins Land. Die wurde ja auch durch die Reduktion der Insekten, zum Beispiel durch Flussbegradigungen, vertrieben.

  • Sole am 23.10.2017 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Machenschaften

    Wie kann man Gift gebrauchen, wenn man in und mit der Natur arbeitet? Genau so wenig wie gegen Gewalt zu sein und sie dennoch zu gebrauchen! Es ist diese unverfrorene Gewissenlosigkeit, die tag täglich ihren Lauf nimmt Geld, Macht, Lug und Trug.. Trotzdem geht man aufrecht selbst dann, wenn alles am Sterben ist.. Man weiss längst ums Insektensterben, dem Hunger, der Gewalt und der Not aber man nimmts in Kauf, macht einfach weiter.. Geht aufrecht, solange das Geld fliesst, selbst dann, wenn alles am Sterben ist.. Traurig

  • Reto am 23.10.2017 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so Menschheit

    Die Natur sucht krampfhaft nach einer Lösung gegen uns Menschen, weil wir alles für eine Zerstörung tun. Superkeime, resistente Viren, globale Erwärmung, aussterbende wichtige Arten usw.. Wenn die Insekten aussterben, wird etwas anderes den Platz einnehmen. Die Frage ist was es sein wird und ob es nicht besser wäre wenn es Insekten noch geben würde. Der Planet ist krank, die globale Erwärmung ist das Fieber und der Mensch die Krankheit.

  • Betrübter Junger in seinen 20ern am 23.10.2017 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Sie sterben alle aus ...

    Selbst der Hai, Millionen von Jahre (!) der "König der Meere", ist akut vom Aussterben bedroht. Diese Folgen sind für das grösste Ökosystem der Erde, die Meere, noch gar nicht absehbar, werden aber massivst sein. Einzig und alleine die Spezies Mensch, hat keinen einzigen Feind, im Gegensatz zu all den Pflanzen und Tieren, deren Feind wir sind. Also entschieden wir uns, unser eigener Feind zu werden. Wir sind auf dem besten Weg dazu, uns wiedermal massiv (vielleicht ganz?) zu dezimieren. Echt traurig, hätten wir mit unserem Geist und dem blauen Planeten die allerbesten Voraussetzungen gekriegt.

  • Mary J am 23.10.2017 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    faule Ausreden von einigen hier

    Monsanto und Co können nur verkaufen was gefragt ist. Wenn der Konsument umstellt, verkaufen die nicht, so einfach ist es!! Wir haben es in der Hand! Den anderen die Schuld zu geben ist schwach, wer wählt denn die Politiker? Wer wählt denn bürgerlich? Es sind die Menschen! Nehmt also Eure Verantwortung wahr und handelt entsprechend!

    • Don Vito Corleone am 23.10.2017 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      Doch, die Konzerne sind schuld!

      Da liegen sie aber völlig falsch!Die Konzerne reden ihnen ein dass sie ohne Insektizide und Pestizide damit rechnen müssen Ernteausfälle zu haben,dass ihre Produkte nicht verkauft werden wenn sie einen Makel haben und sie weniger verdienen. Ganz klar sind die Grosskonzerne schuld daran in dem sie den Leuten Existenzängste einimpfen. - Das gleiche macht die Pharmaindustrie bei den Fleischproduzenten und ganz dicht gefolgt wird dem Menschen eingetrichtert dass altern ein Krankheit ist und man sich etwas gutes tun muss und dafür hat dann die Pharmaindustrie allerlei Pillen, Salben und Spritzen

    • Andi am 23.10.2017 14:22 Report Diesen Beitrag melden

      @Don Vito Corleone

      Ich nehme an dass es sich bei den LeserInnen und SchreiberInnen hier um erwachsene vernunftbegabte Menschen handelt. Wenn nur schon die ihr Konsumverhalten umstellen und in ihrem Umfeld ihren Einfluss entsprechend geltend machen wird dies einiges bewirken. Und wenn die Bauern die viel Gift spritzen eines Tages viel weniger verkaufen werden sie von selber draufkommen dass sie belogen wurden. Der Rest kann man sich vorstellen.

    • Skull Skeleton am 23.10.2017 17:59 Report Diesen Beitrag melden

      Glyphosat

      @Mary J: Ich als Konsument kann nicht einfach umstellen. Jeden Morgen nehme ich zum Kaffee noch 4 Esslöffel Glyphosat-Granulat. Ohne das, kriege ich um neun Uhr bereits wieder einen Mordshunger....

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