Studie

22. April 2011 18:53; Akt: 22.04.2011 18:53 Print

Dem Geheimnis des Schlafs auf der Spur

von Yves Duc, SDA - Schlaf spielt beim Einprägen von Gelerntem eine wichtige Rolle. Das zeigen Forschungen an der Universität Genf, bei der Schlafwandler gefilmt wurden.

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Im Schlaf prägen sich Menschen tagsüber Erlerntes ein. Das zeigen Forschungen an der Universität Genf.

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Die Neurobiologinnen Irina Constantinescu und Sophie Schwartz von der Universität Genf untersuchten gemeinsam mit Kolleginnen aus Paris insgesamt 57 Probanden: 20 Patienten mit einer sogenannten REM- Schlaf-Verhaltens-Störung (RBD), 19 Schlafwandler und 18 Menschen ohne Schlafstörungen.

RBD und Schlafwandeln zeichnen sich beide dadurch aus, dass sich Betroffene während des Schlafs bewegen - allerdings nicht in denselben Schlafphasen. RBD wird jeweils durch einen Traum oder einen Albtraum ausgelöst. Beim Schlafwandeln führen Menschen meist in der Tiefschlafphase komplexe Bewegungen aus.

«Choreographie» geübt

Die Forscherinnen liessen die Studienteilnehmer am Tag in einer ganz bestimmten Reihenfolge auf verschiedene farbige Knöpfe drücken, wie sie im Fachmagazin «PLoS ONE» berichten. So brachten sie ihnen eine ganz charakteristische Bewegungsabfolge bei, deren Wiederholung später einfach zu erkennen war.

Die Probandinnen und Probanden verbrachten dann eine oder zwei Nächte im Schlaflabor und wurden dabei gefilmt. Elf Schiedsrichter, die nicht wussten, worum es in dem Experiment ging, schauten sich die Aufnahmen an und mussten entscheiden, ob die Bewegungen in der Nacht mit der geübten Abfolge übereinstimmten.

Und tatsächlich: Ein schlafwandelnder Patient wiederholte eindeutig in der Nacht die zuvor geübte «Choreographie». Am Tag darauf wusste er nichts davon; er hatte das Gefühl, geträumt zu haben, ohne zu wissen, was. Laut den Forscherinnen ist es der erste Nachweis einer solchen Wiederholung eines am Tag zuvor gelernten Verhaltens.

Wenige Bewegungen

Die Entdeckung bestätigt Studien mit Tieren, bei denen Forscher die Repetition bestimmter Aktivitätsmuster in der Nacht beobachtet hatten. Beim Menschen seien solche Wiederholungen bislang nur indirekt - über die Aktivität bestimmter Hirnareale - gemessen worden, sagte Sophie Schwartz gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Laut ihr ist die Wahrscheinlichkeit solcher Beobachtungen äusserst gering - selbst bei Menschen, die schlafwandeln oder die RDB haben. Beide führen nur während ganz kurzer Zeit jede Nacht überhaupt komplexe und bestimmte Bewegungen aus - Schlafwandler zum Beispiel nur für etwa eine Minute.

Die Wissenschaftlerinnen vermuten deshalb, dass die bei dem einen Schlafwandler beobachtete Wiederholung unter dem «starken Druck» von Vorgängen im Gehirn entstand, die am Erlernen der Bewegungen tagsüber beteiligt waren: Es ist bekannt, dass mentale Prozesse während der Träume häufig wiederholt werden.

Erkenntnisse auf alle übertragbar

Laut Schwartz könnten Forscher an Schlafwandlern oder Menschen mit RDB auf diese Art einfach untersuchen, was im Gedächtnis während des Schlafs passiert. Abgesehen von den motorischen Aspekten ist die Schlafregulation bei diesen Menschen nämlich meist intakt. Die gewonnen Erkenntnisse wären also auch auf andere Menschen übertragbar.

«Dank solcher Studien verstehen wir langsam, wozu unser Hirn den Schlaf braucht», sagte Schwartz. Schlaf sei nämlich keine verlorene Zeit. In weiteren Studien möchte die Forscherin unter anderem untersuchen, wie das Gehirn emotionale Informationen auswählt und im Schlaf konsolidiert.