Missionsende

31. Mai 2012 13:43; Akt: 31.05.2012 21:20 Print

Der «Drache» ist gelandet

Die «Dragon»-Raumkapsel des US-Unternehmens SpaceX hat die letzte Herausforderung ihrer historischen ISS-Mission mit Bravour gemeistert: Um 17.42 Uhr ist sie im Pazifik gelandet.

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Der erste private Raumflug zur Internationalen Raumstation fand mit der Landung der «Dragon»-Kapsel im Pazifik am 31. Mai 2012 um 17:42 Uhr MESZ seinen Abschluss. Die Kapsel landete an drei Fallschirmen rund 900 Kilometer vor der Küste von Baja California, Mexiko. An der geborgenen Kapsel waren die Spuren der Hitze beim Wiedereintritt in die Atmosphäre zu sehen, ansonsten schien sie unbeschädigt zur Erde zurückgekehrt zu sein. Begonnen hat die private ISS-Mission am 22. Mai 2012 in Cape Canaveral. Die «Dragon»-Kapsel startete auf einer Falcon-9-Rakete, die ebenfalls von US-Raumfahrtkonzern SpaceX entwickelt worden war, ins All. Es war der zweite Anlauf, nachdem ein erster Versuch am 19. Mai in letzter Sekunde wegen eines defekten Ventils in einem der neun Raketentriebwerke abgebrochen werden musste. Nach einer Reihe ausgiebiger Tests, bei denen auch die Fähigkeit der Kapsel, einen Anflug zur ISS notfallmässig abzubrechen, geprüft wurde, näherte sich «Dragon» am 25. Mai der ISS bis auf 10 Meter an. Dort wurde sie vom Roboterarm der Station eingefangen. Der Roboterarm zog die Kapsel zur Station, wo sie problemlos am Harmony-Modul andocken konnte. Der Jubel bei SpaceX im kalifornischen Hawthorne war gross. Erstmals hatte ein privates Raumschiff an der ISS festgemacht. Die vom Internetmilliardär und SpaceX-Präsidenten Elon Musk investierten Millionen hatten sich gelohnt. Auch bei der NASA in Houston freute man sich. Endlich hatte die US-Raumfahrtbehörde ihr Transportproblem gelöst. Seit dem Ende des Shuttle-Programms war es den USA nicht mehr möglich, die ISS anzusteuern. Sie waren auf Russland, Europa oder Japan angewiesen, um Güter zur Raumstation zu schicken. Am 26. Mai kam der nächste Meilenstein. Erstmals betraten mit dem Astronauten Don Petitt und dem Kosmonauten Oleg Kononenko Menschen ein privates Raumschiff im All. Aus Sicherheitsgründen trugen die Raumfahrer bei der Erstbegehung noch Atemmasken. Später meinte Petitt, in der Kapsel habe es wie in einem neuen Auto gerochen. Das Innere der «Dragon»-Kapsel von der ISS aus gesehen. Auch der Niederländer André Kuipers half beim Beladen der «Dragon»-Kapsel. Am Tag der Rückkehr packte der Canadarm2 die angedockte Raumkapsel und bewegte sie rund 10 Meter von der ISS weg, um sie zwei Stunden später gefahrlos freizugeben. Damit war der Rückflug von Dragon lanciert. Bye bye ISS: Um 11:49 Uhr MESZ am 31. Mai 2012 entliess der Roboterarm der Internationalen Raumstation ISS die «Dragon»-Raumkapsel auf ihre Heimreise zur Erde. Der mit rund 600 Kilo ausgedienter Technik und anderen Abfällen beladene private Transporter entfernte sich mit einer Serie von Triebwerkzündungen von der ISS und schwenkte auf eine Umlaufbahn ein, die ihn näher zur Erde brachte. Die Landung erfolgte rund sechs Stunden später im Pazifik.

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Der Rückflug von «Dragon» startete am Donnerstag exakt um 11:49 Uhr MESZ: Zu diesem Zeitpunkt liess der Roboterarm der Internationalen Raumstation ISS die Kapsel los und schickte sie auf ihre Heimreise zur Erde. Mit mehreren Zündungen der Triebwerke entfernte sich das private Raumschiff von der Raumstation und schwenkte auf eine Flugbahn Richtung Erde ein. Um 16.51 Uhr MESZ fand dann der knapp zehnminütige «Deorbit-Burn» statt. Dabei wurden die Triebwerke gezündet, um den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre einzuleiten. Um 17:09 Uhr wurde der untere Teil des «Dragon»-Raumschiffs, an dem unter anderem die Solarpanele befestigt waren, erfolgreich abgetrennt. Dieser Teil kehrte nicht zur Erde zurück. Um 17.25 Uhr erreichte die Kapsel die äusseren Bereiche der Atmosphäre.

Um 17.35 Uhr öffneten sich zwei Bremsfallschirme, um das Raumschiff zu stabilisieren und zu verlangsamen. Eine Minute später wurden in einer Höhe von 3000 Metern die drei Hauptfallschirme ausgelöst. Diese Schirme haben einen Durchmesser von jeweils über 30 Meter. Sie bremsten «Dragon» auf eine Geschwindigkeit unter 20 km/h ab. Um 17.42 Uhr landete sie schliesslich einige hundert Kilometer vor der Küste von Baja California, Mexiko, im Pazifik. Dort warteten mehrere Schiffe des Raumfahrtkonzerns SpaceX, um die wieder verwendbare Kapsel zu bergen.

Rund 620 Kilo Müll an Bord

In den Tagen vor dem Rückflug war die Crew der ISS damit beschäftigt gewesen, Versorgungsgüter aus der «Dragon»-Kapsel zu entladen und die Kapsel anschliessend mit Müll zu befüllen. Am Montag und Dienstag trugen die Astronauten rund 500 Kilogramm Waren – zumeist Lebensmittel und Kleider für die sechs ISS-Bewohner – aus der Kapsel. «Das ist etwa so viel Zeug, wie ich in meinen Pick-up packen kann», meinte NASA-Astronaut Don Pettit. Direkt anschliessend machten sie sich daran, «Dragon» wieder zu beladen - diesmal mit 620 Kilogramm ausrangierter Technik und Abfällen, die auf der Erde entsorgt werden sollten.

Am Samstag hatten Pettit und der russische ISS-Kommandant Oleg Kononenko den Raumtransporter erstmals inspiziert. Vorsichtshalber trugen sie Atemmasken, als sie nach dem Lösen der Türverriegelung die 4,4 Meter hohe und 3,7 Meter weite Kapsel betraten. «Es riecht wie ein brandneues Auto von innen», meinte Pettit nach Angaben der Webseite Space.com.

Wichtig für die NASA-Zukunft

«Dragon» ist der erste private Transporter, der die ISS besucht. Astronauten hatten ihn am Freitag nach dem Anflug mit dem Canadarm2 der Station eingefangen. Seither war er am ISS-Modul «Harmony» angedockt.

Wird der Testflug ein voller Erfolg, soll SpaceX mit der Kapsel im Auftrag der NASA zwölf Gütertransporte zur ISS unternehmen. Die US-Raumfahrtbehörde verfügt seit dem Einmotten ihrer Space Shuttle im Sommer vergangenen Jahres über keinen eigenen Transporter mehr. Die russischen «Progress»-Kapseln sind recht klein und können keine grossen Mengen transportieren. Zudem ist «Dragon» das einzige System, das Fracht aus dem All zurückbringen kann. In Zukunft können so zum Beispiel auch Experimente zur Auswertung auf die Erde zurück transportiert werden.


«Dragon» verlässt die ISS. (Video: YouTube/iss2012)

(jcg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc Bjorg am 31.05.2012 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    Soll doch eher verglühen...

    Wo ist der unterschied? Müll in Kapsel verglüht in beim wieder-eintritt oder wird geborgen und in der Müllverbrennungsanlage verbrannt... oder versinkt der ganze Schrott im Pazifik? Egal. Dragon ist ne Art moderne Apollo Kapsel...

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  • Alfred Steiner am 01.06.2012 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Rechnung geht nicht auf .....

    Wie schwer sind wohl der untere Teil der Kapsel, mit den Solarpanneln, die im All zurückgelassen wurde ? Als Müll sozusagen ....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfred Steiner am 01.06.2012 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Rechnung geht nicht auf .....

    Wie schwer sind wohl der untere Teil der Kapsel, mit den Solarpanneln, die im All zurückgelassen wurde ? Als Müll sozusagen ....

  • Marc Bjorg am 31.05.2012 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    Soll doch eher verglühen...

    Wo ist der unterschied? Müll in Kapsel verglüht in beim wieder-eintritt oder wird geborgen und in der Müllverbrennungsanlage verbrannt... oder versinkt der ganze Schrott im Pazifik? Egal. Dragon ist ne Art moderne Apollo Kapsel...

    • D. Seed am 31.05.2012 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      überlegen...

      Die Kapsel ist wiederverwendbar, dadurch können Rohstoffe gespart werden da man nicht immer neue Kapseln bauen muss

    • Kurt Wirth am 31.05.2012 20:22 Report Diesen Beitrag melden

      Ueberlegen 2

      Typische Reaktion der "Mc-Donalds-Gesellschaft". Da sind Rohstoffe, die wiederverwertet und nicht auf den Müll oder sonstwie entsorgt werden.

    • Peter Müller am 31.05.2012 21:35 Report Diesen Beitrag melden

      Überlegen 3

      Es hat nicht nur Schrott dabei sondern auch noch Briefe von den Astronauten an die Familien und und und

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