Gehypte Frucht

03. Dezember 2019 14:54; Akt: 03.12.2019 14:54 Print

Der Apfel, der ein Jahr frisch bleiben soll

20 Jahre brauchte es, um ihn zu entwickeln – nun wurde Cosmic Crisp in den USA lanciert. Die neue Apfelsorte kommt mit einem Versprechen.

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Auf den ersten Blick sieht Cosmic Crisp aus wie ein ganz normaler Apfel. Doch hinter der roten Schale verbirgt sich Besonderes. So soll Cosmic Crisp gekühlt bis zu einem Jahr haltbar sein und so gut wie nicht anlaufen, wenn man ihn aufschneidet. Ihren galaktisch anmutenden Namen verdankt die Frucht ihrem Aussehen, die laut Hersteller mit ihrem weissen Sprenkel an einen Sternenhimmel bei Nacht erinnert. Die wissenschaftliche Bezeichnung ist weniger anmächelig. Sie lautet WA38. 20 Jahre haben Wissenschaftler der Washington State University damit verbracht, WA38 aus den Sorten Honeycrisp und Enterprise zu kreuzen. Für jeden verkauften Baum bekommt die Hochschule eine Lizenzgebühr. Ein lukratives Geschäft: Seit Beginn der kommerziellen Anpflanzung im Jahr 2018 wurden laut der BBC rund 12 Millionen ausgesetzt – alle im Bundesstaat Washington, dem grössten US-Apfelproduzenten. Teilweise war die Nachfrage nach dem Super-Apfel so gross, dass die Setzlinge verlost wurden. Ob Cosmic Crisp das halten, was die Erzeuger versprechen, oder ob es sich doch nur um einen gigantischen Marketingcoup handelt, wie Kritiker orakeln, muss sich erst noch zeigen. Der britische «Telegraph» attestierte der rund 10 Million Dollar teuren Kampagne, sie hätte «nicht sorgfältiger choreografiert» sein können: Botschafterin für den «Apfel für grosse Träume» ist unter anderem ein Mädchen in einem Anzug der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Für den US-Markt haben die Apfelzüchter Grosses geplant: Noch in diesem Jahr sollten knapp 470'000 Kisten zu je 18,5 Kilogramm ausgeliefert werden, im nächsten Jahr zwei Millionen und 2021 bereits 5,6 Millionen Kisten. In Europa wird die neue Apfelsorte erst im kommenden Jahr zu kaufen sein. Bereits im Jahr 2015 tat sich etwas auf dem US-Apfelmarkt. Die dortige Landwirtschaftsbehörde liess zwei gentechnisch veränderte Apfelsorten zu. Bearbeitet worden waren die Sorten Golden Delicious ... ... und Granny Smith. Das Ziel der Manipulation: Die aufgeschnittenen Äpfel sollten sich nicht mehr bräunlich verfärben. Oben: ein Exemplar der neuen Sorte, unten: ein Exemplar eines klassischen Granny Smith. Selbst geraspelte Äpfel sollen ihre frische Farbe behalten. Laut Hersteller wird die zugefügte DNA nur in geringen Mengen auf Pollen und Samen der Äpfel übertragen. Die Umwelt sei daher nicht gefährdet. Auch die gentechnisch veränderten Äpfel sind im US-Markt erhältlich.

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Gerade erst gekauft und bereits schrumpelig: Diese Erfahrung macht man mit Äpfeln immer wieder. Mit einer neuen Apfelsorte soll das nicht mehr passieren. Cosmic Crisp, so der Name, soll gekühlt bis zu einem Jahr haltbar sein und so gut wie nicht anlaufen, wenn man ihn aufschneidet (siehe Box).

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Zwar wurden bereits 2015 in den USA zwei Apfelsorten zugelassen, die bei Kontakt mit Luft nicht mehr braun werden, doch diese waren zuvor gentechnisch verändert worden. Beim nun erstmals geernteten Apfel soll die längere Haltbarkeit auf reiner Züchtung beruhen.

Ergebnis von 20 Jahren Forschung

Ihren Namen verdankt die Baumfrucht ihrer roten Schale, die laut Hersteller mit ihrem weissen Sprenkel an einen Sternenhimmel bei Nacht erinnert. Die wissenschaftliche Bezeichnung ist weniger anmächelig. Sie lautet schlicht WA38.

20 Jahre haben Wissenschaftler der Washington State University damit verbracht, WA38 aus den Sorten Honeycrisp und Enterprise zu kreuzen. Für jeden verkauften Baum bekommt die Hochschule eine Lizenzgebühr.

Ein lukratives Geschäft: Seit Beginn der kommerziellen Anpflanzung im Jahr 2017 wurden laut der BBC, die dem Apfel kürzlich ein ausführliches Porträt widmete, rund 12 Millionen ausgesetzt – alle im Bundesstaat Washington, dem grössten US-Apfelproduzenten. Teilweise war die Nachfrage nach dem Super-Apfel so gross, dass die Setzlinge verlost wurden.

Grosses Werbebudget, grosse Pläne

Ob Cosmic Crisp das halten kann, was die Erzeuger versprechen, oder ob es sich doch nur um einen gigantischen Marketingcoup handelt, wie Kritiker orakeln, muss sich erst noch zeigen.

Der britische «Telegraph» attestierte der rund 10 Million Dollar teuren Kampagne, sie hätte «nicht sorgfältiger choreografiert» sein können: Botschafterin für den «Apfel für grosse Träume» (siehe Bildstrecke) ist unter anderem ein Mädchen in einem Anzug der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Für den US-Markt haben die Apfelzüchter Grosses geplant: Noch in diesem Jahr sollten knapp 470'000 Kisten zu je 18,5 Kilogramm ausgeliefert werden, im nächsten Jahr zwei Millionen und 2021 bereits 5,6 Millionen Kisten. In Europa wird die neue Apfelsorte erst im kommenden Jahr zu kaufen sein.


Die Züchter sind von ihrem Werk sichtlich überzeugt. (Video: Cosmic Crisp)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • max müller am 03.12.2019 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    es geht mal wieder nur ums Geld

    hahahahaha, in den Supermarktregalen finden sich jeweils bis August auch noch die Äpfel vom Vorjahr...nichts Neues also, und die ewige Kühlung .....naja, wem`s so gefällt.

  • Penumbra Noctis am 03.12.2019 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Weitere Sorte.

    Eine weitere Zuechtung halt. Finde ich jetzt nix Spezielles. Gezuechtet und gekreuzt wurde Obst ja schon seit Jahrhunderten.

  • Penumbra Noctis am 03.12.2019 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    I 3 Boskoop

    An meinen Lieblingsapfel Boskoop, speziell den Roten von Boskoop, kam bisher noch keine andere Sorte geschmacklich ran. Aber ich werd den Cosmic trotzdem mal probieren, wenn ich die Gelegenheit hab.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Meier am 04.12.2019 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Gut für die Verdauung?

    Also mit Sauerstoff lässt sich dieser Apfel nicht leicht zersetzen. Zum Glück haben wir eine leistungsfähige Magensäure, sonst kommt am Ende noch frisches Apfelmus heraus.

  • Der Bollenflüsterer am 04.12.2019 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wann ist der Apfel kein Apfel?

    Und dann stellt sich raus, das sich irgendwelche Stoffe im Körper ablagern und er Krebs verursacht. Klar, Apfel ist Apfel, aber ich würde Pferdeäpfel zum Beispiel auch nicht als besonders genüsslich oder gesund bezeichnen. Im Gegensatzu einem Freund von mir, den Bolly, der kriegt von denen nie genug.

  • Hobbybauer am 04.12.2019 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    wozu das Ganze

    Welche Forschung ist das? Gehe in meinen Garten und ernte einen Bohn Apfel. Der mag es, bis zum Frost draussen zu bleiben und bleibt bis Juni super geniessbar. Na, mein ist halt einfach eine alte Apfelsorte. ... und was im Artikel nicht erwähnt wird, ist dieser neue Apfel geniessbar?

  • Mani am 04.12.2019 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Höh?

    Ich hab ja auch schon saisonmässig Mostpressen bedient. Da waren immer letztjährige super schöne Äpfel beigemischt worden jeh nachdem ob die Bauern genug angeliefert haben um über Nacht weiter zu pressen. Von daher kann ich gut die Aussage des Kommentator Zürcher etwas weiter unten nachvollziehen.

  • Suusie am 04.12.2019 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Woche reicht

    Ich finde es toll, dass sie einen Apfel entwickeln, der nicht mehr so schnell schrumpelt aber es müsste ja nicht gerade für ein Jahr sein. Eine Woche reicht.

    • ganchopancho am 04.12.2019 11:03 Report Diesen Beitrag melden

      Falten sind natürlich.

      Gut kann es beim Menschen nicht angewendet werden, schrumpeln ist nicht zu vermeiden, trotz diesen Farbkisten auf den Gesichtern vieler Menschen.

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