Vögel bedroht

29. Mai 2013 08:28; Akt: 29.05.2013 10:29 Print

Der Genfersee ist voller Plastikteilchen

Winzige Kunststoff-Partikel schwimmen im Genfersee und bedrohen Seevögel und Fische: Die Plastikteilchen könnten ihre Atemwege blockieren. Die Menge des Abfalls bezeichnen Experten als alarmierend.

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Bedrohte Idylle am Genfersee? Der See ist von winzigen Plastikteilchen verschmutzt. (Bild: Keystone/Martial Trezzini)

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Plastik verschmutzt nicht nur die Weltmeere: Forscher der ETH Lausanne (EPFL) haben im Genfersee überraschend hohe Konzentrationen von Mikroplastikteilchen festgestellt. Die Kunststoffe fanden sich an Stränden, im Wasser und im Vogelkot.

Die grossen Mengen an Plastikabfall im Genfersee seien «alarmierend», schreiben die Forscher um Florian Faure von der EPFL im Fachjournal «Archives des Sciences». «Wir waren überrascht von den hohen Konzentrationen von Mikroplastikteilchen», sagte Faure in einer Mitteilung der Hochschule vom Dienstag.

Wenn Seevögel und Fische die winzigen Plastikteilchen aus Versehen schlucken, können sie den Verdauungstrakt oder die Atemwege blockieren. Kunststoff kann auch giftige Substanzen wie die krebserregenden Substanzen Bisphenol A (BPA) und Phthalate enthalten.

Das Team vom Zentralen Umweltlabor hat als erstes das Ausmass der Plastikverschmutzung in einem Süsswassersee untersucht, wenn auch nur in einer nicht-systematischen Vorstudie. Dazu durchkämmten Faure und Kollegen das Genfersee-Ufer nach Plastikabfällen und untersuchten Vogelkot. Sie sezierten auch Fische und einen Vogel.

Mit Schleppnetz auf Plastikfang

Feststoffe in der obersten Wasserschicht fingen die Ökologen mit einem engmaschigen, schwimmenden Schleppnetz ein, das hinter einem Boot über den Genfersee gezogen wurde. Dazu arbeiteten sie mit der Genfer Naturschutzorganisation Oceaneye zusammen.

«Wir fanden in allen Uferproben Plastik», sagte Faure in der Mitteilung. Am häufigsten waren Styropor-Kügelchen. Es fanden sich aber auch viele harte Kunststoffe, Plastikmembrane und Teile von Angelschnüren. In den Tieren fanden sie kein Plastik.

Ähnlich wie im Mittelmeer

Das Schleppnetz förderte aus dem See ähnliche Mengen von winzigen, bereits zerkleinerten Plastikteilen zu Tage wie bei früheren Erhebungen im Mittelmeer.

In den Ozeanen haben sich in Strömungswirbeln mindestens zwei treibende Plastikinseln gebildet, die bereits die mehrfache Grösse von Frankreich erreicht haben. Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Fünftel des Mülls direkt ins Meer geworfen wurde und vier Fünftel vom Land stammen, etwa aus Strassenabfällen oder Müllhalden.

Studie in ganzer Schweiz fortgesetzt

Die Untersuchung war nur eine erste Übersichtsstudie, aus der Schlüsse mit Vorsicht gezogen werden sollten, schreiben die Autoren. Die Arbeit wird nun im Auftrag des Bundesamts für Umwelt weitergeführt. Dabei solle die Mikroplastikbelastung in Seen, Flüssen und Lebensräumen des ganzen Landes sowie die damit verbundenen Mikroschadstoffe wie PCB erfasst werden, erklärte Laborleiter Luiz Felippe de Alencastro.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon am 29.05.2013 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Intelligenz ist nicht jedermanns Sache

    Ist es so schwierig, seinen Abfall in einen Abfalleimer zu werfen? Unfassbar wie dämlich und faul gewisse Menschen sind.

  • Peter Dreher am 29.05.2013 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    ist das peinlich!

    Toll hingekriegt Menschheit!

  • B. Schmid am 29.05.2013 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Hohes Pfand

    auf alle Verpackungen! Anders lässt sich das Problem nicht lösen. Wenn es immer noch unverbesserliche Dreckspatzen gibt, die ihren Abfall weiterhin achtlos liegen lassen, dann lohnt es sich für einige das Geld, dass in Form von Flaschen, Dosen, etc. auf der Strasse rumliegt, aufzulesen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter K. am 29.05.2013 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Den Genfersee könnte man reinigen.

    Auch wenn es seine Zeit braucht und etwas kostet. Aber was machen wir mit unseren plastikverseuchten Ozeanen. Es wird geschätzt, dass stündlich ca. 700 Tonnen Abfall, davon zu 50% Plastik, in die Weltmeere gekippt werden. Nicht subtil und schleichend, sondern knallharte, offensichtliche Müllentsorgungen in die Meere. Z. B. in den Ferien auf Bali so live gesehen. Dort gibts kein Abfallkonzept, nichts. Müll wird einfach mit den grossen Baggern ins Meer geschoben, Tag ein Tag aus.

  • W. Jost am 29.05.2013 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Packen wir s an

    Es gibt noch viel zu tun bis aus See und Meer gewinnbringend Plastik produziert werden kann...

  • Hans Hänschen am 29.05.2013 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wenns nur im Genfersee wäre!

    Alle Gewässer auf der ganzen Welt sind mit Plastik verseucht! ORF hat da letzthin eine Doku gezeigt; Planet Plastik" hiess der glaub. War echt ein Schocker. Dann soll es im Pazifik eine schwimmende Plastikabfall-Insel in der Grösse von Spanien geben... (fast unglaublich, aber es gibt Fotos im Netz... ev. Fotomontage? Wäre in diesem Fall beruhigend.

  • Peter Dreher am 29.05.2013 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    ist das peinlich!

    Toll hingekriegt Menschheit!

  • Hicap, Egg am 29.05.2013 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Littering muss bekämpft werden!

    Leider wird oder ist das schon ein grosser Bumerang der auf uns zukommt. Die über Jahrzehnte grosse Umweltverschmutzung und immer grösser wachsende Bevölkerung verschmutzen unser Wasser immer mehr. Sogar Zigarettenkippen verschmutzen das Wasser. Eine Kippe vergiftet 30Liter Wasser. Die Raucher denken, sie würden noch wertvollen Dünger in der Umwelt verteilen...Das richtige Verhalten muss von uns Erwachsenen vorgelebt werden, nur so werden sich unsere Kinder umweltschonend verhalten und ihren Abfall ordnungsgemäss "entsorgen". Und eben...Die Natur braucht den Menschen nicht, wir aber die Natur!