Immer der Nase nach

31. März 2011 23:00; Akt: 31.03.2011 20:55 Print

Der Kaiser der Düfte

von Martina Huber - Blumen locken nicht nur Bienen an: Ein Chemiker reist um die Welt, um auch den seltensten Pflanzen ihre Düfte zu entlocken.

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Roman Kaiser fängt den Duft einer Blume ein. Givaudan (Foto: Photo Library)

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Vier Tonnen Rosenblätter: Daraus kann man einen Liter Rosenöl gewinnen. Dem Chemiker Roman Kaiser hingegen reicht eine einzige Blüte, um einer Pflanze ihr Duftgeheimnis zu entlocken – und dazu muss er sie nicht einmal abschneiden. Vielmehr fängt er ihren Duft ein, indem er ihn während bis zu zwei Stunden durch eine so genannte Duftfalle hindurchpumpt. Dieses kleine Glasröhrchen ist mit einem speziellen Material gefüllt, das die winzigen Geruchsmoleküle gefangen hält, bis der Forscher sie im Labor wieder herauslöst und analysiert.

Dank dieser Methode kann Kaisers Arbeitgeber, der Parfümhersteller Givaudan, auch die Düfte seltener Pflanzen synthetisch herstellen. Seit 40 Jahren reist der Chemiker in artenreiche Paradiese dieser Erde. Beispielsweise im Jahr 1996 nach Französisch-Guayana. Dort trug ihn ein Heissluftballon sogar bis in die Baumkronen, auf einer speziellen Plattform. Diese wurde auf dem Blätterdach platziert – so konnte er dort mehrere Tage lang Düfte einsammeln.

Neuguinea trägt Kaiser jeweils um die 50 Glasröhrchen mit nach Hause – gefüllt mit den Düften von Orchideen, Lilien und anderen exotischen Urwaldblumen, deren Namen noch in keinem Lehrbuch stehen. «Für diese fünf Milligramm Moleküle schleppe ich etwa 15 Kilogramm Experimentierbesteck mit mir herum», so Kaiser.

Um einen Duft synthetisch herzustellen, muss man erst dessen 20 bis 200 Einzelduftstoffe entschlüsseln. Dabei kommt auch die menschliche Nase zum Einsatz: Sie ist empfindlicher als alle elektronischen Detektoren. Um das Geruchserlebnis in Worte fassen zu können, habe er sich seine «interne Duftbibliothek» anlegen müssen, so Kaiser.

Er selbst kann mehrere tausend Düfte aus dem Gedächtnis abrufen. Kein Wunder, dass er auch nach seiner Pensionierung im vergangenen Dezember eine 40-Prozent-Stelle als Berater bei Givaudan behält – denn auf seine Nase will die Firma nicht verzichten.