Peter Freuchen

02. Februar 2019 19:12; Akt: 02.02.2019 19:12 Print

Der grösste Teufelskerl aller Zeiten

Peter Freuchen verlor einen Fuss in Grönland, entkam einem Nazi-Todesurteil, spielte in einem oscarprämierten Film und gewann ein Vermögen in einem TV-Quiz.

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Wäre das Leben von Peter Freuchen für einen Hollywoodfilm erdacht worden, hätte man das Resultat wohl als masslose Übertreibung abgetan. Doch der 1886 geborene Däne hatte tatsächlich einen Lebenslauf, der seinesgleichen sucht. Allerdings nicht, wenn es nach seinem Vater, einem Kaufmann, gegangen wäre. Dieser hätte seinen Sohn gerne als Arzt gesehen. Doch Freuchen schmiss sein Medizinstudium nach zwei Jahren und schloss sich erst 20-jährig einer Grönland-Expedition an.

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Zwei Jahre verbrachte er auf der «Danmark»-Expedition und legte dabei fast 7000 Kilometer auf dem Hundeschlitten zurück. Seine Leidenschaft für die Arktis war geweckt. Zurück in Dänemark begann er ab 1909 als Journalist für die dänische Tageszeitung «Politiken» zu schreiben. Doch schon 1910 zog es ihn zurück nach Grönland. Zusammen mit dem Inuit-Anthropologen Knud Rasmussen fuhr er mit einem Schiff der grönländischen Küste entlang so weit nach Norden, bis sie nicht mehr weiterkamen.

Sie gingen an Land und gründeten den nördlichsten Handelsposten der Welt, den sie Thule nannten. Dieser diente ihnen als Basislager für ihre Expeditionen. Von dort aus versorgten sie die Inuit mit Waren zu fairen Preisen. Die beiden Dänen freundeten sich mit den Inuit an, gingen mit ihnen auf die Jagd und wurden von ihnen auf ihren Expeditionen begleitet. 1911 heiratete Freuchen Mekapaluk vom kleinen Stamm der Inughuit, die sich später Navarana nannte. Zusammen hatten sie zwei Kinder, den Sohn Meqosaq und die Tochter Pipaluk.

Dolch aus Fäkalien

1912 brach er zu einer Expedition auf, die ihn fast das Leben gekostet hätte. In seiner Autobiografie «Wandernder Wiking» schilderte er, wie er von einem Schneesturm überrascht wurde, unter einen Hundeschlitten Schutz suchte und eingeschneit wurde. Laut seinem Bericht konnte er sich in seinem eisigen Gefängnis kaum bewegen. Um sich zu befreien, liess er seine Fäkalien gefrieren und machte daraus einen Dolch.

1919 kehrte er von Navarana begleitet nach Dänemark zurück und betätigte sich als Vortragsreisender. Er erkrankte an der damals grassierenden Spanischen Grippe und verbrachte mehrere Wochen im Spital. Zwei Jahre später verstarb Navarana auf dem Weg zu einer weiteren Grönland-Expedition in Upernavik an den Folgen der Krankheit. Der nächste Schicksalsschlag folgte 1923, als ihm bei -54 Grad sein Fuss erfror. 1926 musste ihm das Bein schliesslich amputiert werden.

Zweite Ehe und Hollywood

Zwei Jahre zuvor hatte er in Dänemark seine Jugendfreundin Magdalene Vang Lauridsen geheiratet, die Tochter des Direktors der Dänischen Nationalbank. Dieser machte Freuchen zum Chefredaktor des Magazins «Ude og Hjemme», das bis heute in Dänemark erscheint.

Zu dieser Zeit begann er auch als Berater und Drehbuchschreiber für Filmprojekte zu arbeiten. 1933 verfilmte Metro-Goldwyn-Mayer in Alaska und Grönland unter dem Titel «Eskimo» seine beiden Romane «Der Eskimo» und «Flucht ins weisse Land». Freuchen spielte darin den Kapitän. Der Film gewann 1934 den allerersten Oscar für den besten Schnitt.

Flucht vor den Nazis

Zu dieser Zeit begann der Sozialdemokrat Freuchen Flüchtlingen vor dem NS-Regime zu helfen, indem er sie auf der dänischen Insel Enehøje, die ihm seit 1926 gehörte, aufnahm. Als die Deutschen 1940 Dänemark besetzten, schloss er sich dem Widerstand an. Er geriet dadurch ins Visier der Nazis, die ihn verhafteten und zum Tode verurteilten. Doch Freuchen gelang die Flucht und er konnte sich ins neutrale Schweden absetzen.

1944 wurde seine zweite Ehe geschieden, worauf er 1945 die Modezeichnerin Dagmar Cohn heiratete und mit ihr nach New York auswanderte, wo sie eine Stelle bei der «Vogue» annahm. Freuchen wurde zum prominenten Mitglied des Entdeckerclubs von New York.

Hauptgewinn in TV-Show

1956, mit 70 Jahren, schrieb er schliesslich das letzte Kapitel seines bemerkenswerten Lebens. Er wurde in die TV-Quizshow «The $64,000 Question» eingeladen, in der er alle 17 Fragen zum Thema «Die sieben Weltmeere» korrekt beantwortete und die Summe von 64'000 Dollar gewann. Umgerechnet in heutiges Geld sind das etwa 600'000 Franken.

Peter Freuchen starb am 2. September 1957 in Anchorage, Alaska, nur drei Tage nachdem er sein letztes Buch «Book of the Seven Seas» vollendet hatte. Seine Asche wurde über dem Tafelberg Mount Dundas nahe Thule auf Grönland verstreut. Einer seiner Enkel, Peter Ittinuar, wurde 1979 als erster Abgeordneter der Inuit ins kanadische Unterhaus gewählt.


Auschnitt aus Peter Freuchens Auftritt bei «The $64,000 Question» 1956 (Video: Youtube/Gallenmovies)

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Perikles am 02.02.2019 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    Der Typ war ein echter Abenteurer und hatte sein Herz auf dem rechten Fleck. Ich finde den cool

  • Rüdiger am 02.02.2019 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Geschichte

    Unglaubliches Leben, unbedingt verfilmen, aber nur mit einem wirklich guten Regisseur.

    einklappen einklappen
  • david am 02.02.2019 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wahnsinn

    ich liebe solche Geschichte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Epik am 03.02.2019 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow!

    Da kommt mir ganz spontan das Buch "Der Hundertjährige,der aus dem Fenster stieg und verschwand" und der Film "Forest Gump"in den Sinn.

  • Beni Rehmann am 03.02.2019 03:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrenmann!

    Ganz klar ein Ehrenmann!

  • Lana Del Rey am 03.02.2019 01:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruhe in Frieden

    Cooler Mann, wünsche ihm innere Ruhe

  • Rudi am 03.02.2019 01:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Forrest Gump aus Dänemark

    Stell' dir vor, du Sitzt mit dem Mann auf einer Parkbank und er erzählt dir diese Geschichte. Ist wie Forrest Gump aus Dänemark! Einfach herrlich. Toll!

  • Ekeltoni am 03.02.2019 01:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmmm...hm

    mein leben ist noch abenteuerlicher als das von diesem menschen da, dessen namen ich sowieso schon vergessen habe. und bekomme ich jetzt auch einen bericht?