Schwergewichte

18. Februar 2020 06:56; Akt: 18.02.2020 07:47 Print

Korpulente Männer sind im Job überzeugender

Übergewicht gilt – trotz Body Positivity – gemeinhin als Manko. Doch für Männer kann es sich im Beruf auszahlen, mehr auf den Rippen zu haben.

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Schwere Männer sind im Job überzeugender. Das berichten US-Forscher im Fachjournal «Plos One». Die Wissenschaftler führten insgesamt sechs Tests durch. Die Teilnehmer mussten etwa angeben, ob Männer, die ihrer Meinung nach im Job überzeugend auftreten, eher schlank, normalgewichtig, korpulent oder gar fettleibig sind. Das Ergebnis all dieser Analysen: Männer mit Übergewicht gelten offensichtlich als überzeugender als jene mit Ideal- oder Untergewicht. Zu den Erkenntnissen passe, so die Forscher, dass Beschreibungen wie «Schwergewicht» oder «Pfundskerl» als positiv angesehen werden. (Im Bild: Schwingerkönig Christian Stucki) Für Frauen liess sich ein solcher Zusammenhang nicht feststellen. Die Forscher raten trotz des eindeutigen Resultats davon ab, zuzunehmen, nur um überzeugender zu wirken – nicht nur die gesundheitlichen Risiken seien immens. Das zeigen auch die folgenden Bilder. In der Schweiz sind rund zwei von drei Männern übergewichtig, ein Fünftel gar fettleibig. Das berichtete die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD im Herbst 2019. Bei den Frauen ist knapp die Hälfte übergewichtig, während fast ein Fünftel fettleibig ist. Von den Schweizer Kindern sind rund ein Fünftel übergewichtig, 6 Prozent leiden an Fettleibigkeit. Die Diagnose Fettleibigkeit gilt als Krankheit und betrifft Menschen, die einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 haben. Bei einem BMI zwischen 25 und 30 wird von Übergewicht gesprochen. Wie die Studie der OECD zeigt, verringert sich die Lebenserwartung der Schweizer mit zu viel Gewicht in den Jahren zwischen 2020 und 2050 im Schnitt um 1,9 Jahre. Hierzulande liegt die Lebenserwartung bei 83,6 Jahren. Menschen mit zu viel Gewicht belasten das hiesige Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Jahren 2020 bis 2050 im Schnitt um 2,4 Prozent pro Jahr. Im Schnitt fliessen rund 8 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben in der Schweiz in die Behandlung von Krankheiten, die im Zusammenhang mit Übergewicht stehen. Das kostet jeden Schweizer im Schnitt 317 Franken pro Jahr. Laut OECD ist Übergewicht für über 70 Prozent aller Behandlungskosten bei Diabetes, 16 Prozent bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 13 Prozent bei Krebs verantwortlich. Übergewicht sorgt laut OECD in der Schweiz dafür, dass auf Vollzeitstellen hochgerechnet rund 108'000 Jobs wegfallen: davon zwei Fünftel wegen Leistungseinschränkungen, ein Drittel wegen Arbeitslosigkeit, ein Fünftel wegen Absenzen und 1 Prozent wegen frühzeitiger Pensionierung.

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Statt sich über Mittag rasch beim Jogging oder im Fitnessstudio auszupowern, sollten es Männer gemütlicher angehen lassen. Zumindest wenn sie sich bei der Arbeit Gehör verschaffen wollen. Das legt eine Studie von Forschern der Cornell University im US-Bundesstaat New York nahe.

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Im Fachjournal «Plos One» berichtet das Team um Kevin M. Kniffin, dass Männer von ihren Arbeitskollegen dann als überzeugender wahrgenommen werden, wenn sie etwas mehr auf den Rippen haben.

«Anders als in Studien, die das Stigma betonen, das gemeinhin mit Übergewicht in Verbindung gebracht wird, haben wir festgestellt, dass das anthropologische Konzept der ‹grossen Männer› auch wörtlich verstanden werden kann», so Kniffin und seine Kollegen.

Pfundskerle und Schwergewichte

Die Wissenschaftler führten insgesamt sechs verschiedene Tests durch. Die Teilnehmer mussten etwa angeben, ob Männer, die ihrer Meinung nach im Job überzeugend auftreten, eher schlank, normalgewichtig, korpulent oder gar fettleibig sind. In einer weiteren Aufgabe mussten die Probanden Bilder von Männern und Frauen nach deren Überzeugungskraft bei der Arbeit bewerten.

Das Ergebnis all dieser Analysen: Männer mit Übergewicht werden offensichtlich als überzeugender angesehen als jene mit Ideal- oder Untergewicht. Zu den Erkenntnissen passe, so die Forscher, dass Beschreibungen wie Schwergewicht oder Pfundskerl als positiv angesehen werden. Für Frauen liess sich ein solcher Zusammenhang dagegen nicht feststellen.

Die Forscher raten trotz des eindeutigen Resultats davon ab, zuzunehmen, nur um überzeugender zu wirken – nicht nur die gesundheitlichen Risiken seien immens (siehe Bildstrecke oben).

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • emjay am 18.02.2020 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    USA mal wieder

    Vielleicht liegt es auch daran dass die Studie in America gemacht wurde und beinahe die Gesamtbevölkerung übergewichtig ist?

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  • Mom2Boys am 18.02.2020 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mag gemütliche Menschen

    Vielleicht liegt es daran, dass diese authentisch rüberkommen und keinem Ideal hinterher jagen?

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  • Ramon Paxus am 18.02.2020 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    Macht Sinn

    Ich sehe da eine Parallele zum Kleidungsstil. Ist ein offenes Geheimnis, das derjenige, der im Sitzungszimmer am "schlampigsten" angezogen ist, meist derjenige ist der an meisten Ahnung von der Materie hat. Der Versuch, sein Äusseres auf die Erwartungen der anderen zu trimmen kann zwar Vorteile bringen, strahlt aber eine gewisse fachliche Unsicherheit aus, als ob man eine Maske trüge. Das Gleiche gilt wohl hier, wer fachlich gut genug ist, um sich sicher zu fühlen, muss sein Aussehen nicht verstecken. Wer es demnach nicht nötig hat, sein Übergewicht zu verstecken, wirkt kompetent.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peakalpha am 18.02.2020 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Leider reines Wunschdenken

    Gut Genährte mögen zwar vielleicht als kompetent(er) erscheinen, gelten dafür aber als wenig leistungsorientiert. Darum werden sie bei Beförderungen oder Einstellungen meistens übergangen. Die Studie ist amüsant, liefert aber im Sinne der beruflichen Perspektiven für füllige Menschen keine relevante neuen Erkenntnisse.

  • Jack the Zipper am 18.02.2020 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    breathtaking

    Es war höchste Zeit für die positiven Erkenntnisse einer Fat-Boy-Studie, um das Selbstwertgefühl der US-Amerikaner wieder aufzubauen. Find ich gut. Nun aber bitte eine Studie zur CO2-Belastung durch Flatulenzen aus Übersee.

  • Annegrete am 18.02.2020 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    einfach nicht zu

    viel korpulieren sonst stinkt es überall im Gebäude nach Fisch.

  • Mimika am 18.02.2020 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wumm

    Kann man ja auch schlecht übersehen!

  • Justin Time am 18.02.2020 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    McDonald's 'forscht'

    Ah, McDonald's 'forscht' mal wieder.