Wilkins-Eisschild

18. Februar 2009 11:07; Akt: 18.02.2009 13:43 Print

Die Antarktis zerbröselt

Wovor die Forscher schon lange warnen, ist möglicherweise bereits eingetroffen: Das antarktische Wilkins-Eisschild soll zerbröckelt sein. Mit verheerenden Folgen auch für uns.

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Das Foto von den CSIC-Forschern stammt vom 17. Februar 2009 und zeigt das zerbrochene Wilkings-Schild. (Bild: EPA/Damia Gomis, CSIC Handout)

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Der im Nordwesten der Antarktis liegende Wilkins-Schild wird von den Forschern seit längerem und mit grosser Sorge beobachtet. Es werde nur noch von einer schmalen Eisbrücke zusammengehalten (20 Minuten Online berichtete). Zerbricht auch sie, droht der Kollaps des gesamten Schelfs mit Folgen auch für uns.

Nun wollen Forscher vom spanischen Forschungsinstitut CSIC (Spanish National Research Council) laut dem stern.de das Schreckensszenario tatsächlich vom Forschungsschiff "Hespérides" aus beobachtet haben.

Unterschiedliche Grössenangaben

Während früheren Angaben zufolge das Schild 13'000 Quadratkilometer misst, gehen die Spanier gar von einer Gesamtfläche von 16'000 Quadratkilometer aus. Und von dieser Fläche sollen nun gigantische 14'000 Quadratkilometer Eis abgebrochen sein, welches nun als einzelne Eisberge im Meer schwimme.

Allerdings konnten diese Angaben noch nicht bestätigt werden.

Verheerende Folgen für uns

Wenn sich die spanischen Forscher nicht täuschen, könnte die Hiobsbotschaft von stern.de fatale Folgen für die gesamte Erde haben.

Zwar steigt der Meeresspiegel durch das Auseinanderbrechen des Schelfeises nicht an, denn das Eis trieb ja schon zuvor auf dem Wasser. Allerdings kann das Schelf eine wichtige Aufgabe nicht mehr wahrnehmen: Das Stützen der Festlandgletscher und Zurückstauen des Inlandeises. Somit erhöht sich die Fliessgeschwindigkeit Richtung Meer der Gletscher. Die logische Folge: Rutscht mehr Inlandeis vom Festland ins Meer, wirkt sich dies sehr wohl auf den Meeresspiegel aus: Er wird ansteigen.

Klimaerwärmung ist schuld

Forscher vermuten, dass der Zerfall des Wilkins-Eisschelfs mit der Klimaerwärmung zusammenhängt. In der Antarktis-Region wurde in den vergangenen 50 Jahren ein Temperaturanstieg von 2,5 Grad Celsius gemessen.

Das Wilkins-Eisschelf war bis in die Neunzigerjahre stabil, dann fing es an, sich aufzulösen. Und dies immer schneller: Seit 2008 brechen riesige Teile ab und immer neue Risse tauchen auf. Im Februar 2008 zerfiel eine 405 Quadratkilometer grossen Fläche, Ende Mai letzten Jahres folgten weitere 160 Quadratkilometer.

Das Wilkins-Eisschelf in einer YouTube-Aufnahme vom Dezember letzen Jahres:

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Mehr als ein Eisschild betroffen

In den vergangenen 20 Jahren zerfielen ganze sieben Eisschelfe an der antarktischen Halbinsel. Beispielsweise grosse Teile des Larsen-Eisschelfs, welches in der Nähe des Wilkins-Schild liegt. Der Zerfall begann 1995 mit dem 75 Kilometer langen und 37 Kilometer breiten Schelf Larsen A. Im März 2002 beobachtete ein Nasa-Satellit die Auflösung von Larsen B, einer Menge von 720 Milliarden Tonnen Eis.

Welch verheerende Folgen ein einstürzender Eisberg haben kann, wie in diesem Fall in Grönland, zeigt dieses YouTube-Video:

Eisberg-Tsunami, ausgelöst durch einen einstürzenden Gletscher in der Antarktis

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(Alle Videos: YouTube)

(lue)