Hightech-Kreaturen

25. Dezember 2013 21:02; Akt: 25.12.2013 21:02 Print

Die Biester aus Googles neuer Roboterschmiede

von J.-C. Gerber - Es ist nicht bekannt, wie viel Google für Boston Dynamics gezahlt hat. Das Geld scheint aber gut angelegt zu sein, denn die Schöpfungen der Roboterfirma beeindrucken.

Big Dog von Boston Dynamics bringt so schnell nichts aus dem Gleichgewicht. (Video: Youtube/BostonDynamics)
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Roboter drängen langsam, aber sicher in alle Lebensbereiche vor. Während sie in der Industrie bereits seit Jahrzehnten ihren Platz haben, nehmen auch die Streitkräfte verschiedener Länder vermehrt ihre Dienste in Anspruch. In der Form von Drohnen sind sie bereits im tödlichen Einsatz, als Packesel dagegen noch ein ungewohnter Anblick.

Experten sagen Robotern mit Beinen allerdings eine grosse Zukunft voraus und zwar nicht nur im Krieg, sondern auch bei der Katastrophenhilfe und besonders bei der Altenpflege. Um für diesen Markt gerüstet zu sein, hat Google in den vergangenen Monaten mehrere spezialisierte Unternehmen aufgekauft. Der spektakulärste Einkauf dürfte dabei die Firma Boston Dynamics gewesen sein. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit bereits mehrfach mit seinen Entwicklungen für Aufsehen gesorgt.

Ausgeprägter Gleichgewichtssinn

Am eindrücklichsten ist Big Dog, ein Transportroboter, den nichts so schnell aus der Fassung beziehungsweise aus dem Gleichgewicht bringt. Obiges Video zeigt seine Entwicklung über die Jahre 2004 bis 2010. Der martialisch daherkommende Automat wurde in Zusammenarbeit mit dem Jet Propulsion Laboratory der Nasa entwickelt. Finanziert wurde diese Kreation wie die meisten anderen von den US-Streitkräften.

Big Dog kann inzwischen auch schwere Gegenstände bewegen. Dabei benutzt er nicht nur den Greifarm, sondern auch die Kraft seines Torsos und seiner Beine – genau wie es ein Mensch macht. Bei Tests konnte er einen 15 Kilogramm schweren Backstein fünf Meter weit werfen.


(Video: Youtube/BostonDynamics)

Auf den mit Big Dog gewonnenen Erkenntnissen basiert das Legged Squad Support System, kurz LS3, zu Deutsch etwa das Mannschafts-Unterstützungssystem, mit Beinen. Zwar gewinnt der Roboter mit seinem staksigen Gang keine Stilpunkte, doch im Gelände kann ihn kaum etwas aufhalten. Er trägt bis zu 90 Kilo und hat eine Reichweite von 35 Kilometern. Dabei läuft er automatisch bei einem Trupp mit, braucht also keinen speziellen Lenker.


(Video: Youtube/BostonDynamics)

Schneller als Usain Bolt

Deutlich schneller – wenn auch mit viel Getöse – unterwegs ist Wildcat. Dieser Roboter ist auf Tempo optimiert. Momentan erreicht der Vierbeiner auf flachem Untergrund Geschwindigkeiten von bis zu 25 Kilometer pro Stunde.


(Video: Youtube/Henry Madersen)

Noch schneller ist Cheetah, ein katzenartiger Roboter, der sogar Usain Bolt hinter sich lassen würde. Im Labor erreichte er 45 km/h. Zum Vergleich: Der jamaikanische Rekordsprinter bringt es über 100 Meter auf eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 43,5 km/h.


(Video: Youtube/karlakara74)

Vier Räder statt Beine hat der Sandflea Jumping Robot. Auf ebenem Gelände fährt er wie ein ferngesteuertes Auto. Wenn er an ein Hindernis kommt, verwandelt er sich in den namensgebenden Sandfloh und springt bis 10 Meter hoch. Ausgeklügelte Sensoren sorgen dabei dafür, dass er jederzeit weiss, wo er ist.


(Video: Youtube/ArmedForcesUpdate)

Beeindruckende Zweibeiner

Auch zweibeinige Roboter hat das neue Google-Unternehmen im Programm. Da wäre zum Beispiel Petman, der gebaut wurde, um Schutzkleidung zu testen. Der anthropomorphe Roboter simuliert menschliche Bewegungen perfekt und soll helfen, Schwachstellen bei Schutzanzügen gegen chemische Stoffe aufzudecken.


(Video: Youtube/BostonDynamics)

Deutlich ausgeklügelter ist Atlas. Er kann sich auf zwei Beinen durch das Gelände bewegen. So bleiben seine Arme frei, um Gegenstände aufzuheben, zu tragen oder Arbeiten auszuführen. Sollte es der Untergrund verlangen, kann Atlas auch auf allen Vieren klettern. Im Kopf trägt er eine Stereokamera und weitere Sensoren. Wie das Video zeigt, hält er sein Gleichgewicht verblüffend gut. Bei so viel geballter Roboterkraft ist es beruhigend zu wissen, dass Atlas noch auf eine externe Energieversorgung angewiesen ist. Das schränkt seinen Bewegungsradius empfindlich ein.


(Video: Youtube/BostonDynamics)

Japaner gewinnen Wettbewerb

Auch eine weitere Google-Akquisition im Bereich der Roboterforschung kann sich sehen lassen. Das Tokioter Start-up-Unternehmen Schaft, das sich der Suchmaschinenkonzern vor einigen Wochen einverleibt hatte, beeindruckte vergangene Woche an einem Roboterwettbewerb in Miami. Ihr Wettbewerbsteilnehmer mit der nüchternen Bezeichnung HRP-2 setzte sich gegen die Kreationen von 16 weiteren Roboterteams aus aller Welt durch.

Zum Wettbewerb hatte Darpa, die Rüstungsagentur des US-Verteidigungsministeriums, geladen, die auch einen Hauptteil der Forschung von Boston Dynamics bezahlt. Die Roboter sollten zeigen, ob sie bei Katastrophen als Unterstützung der Hilfskräfte taugten. HRP-2 meisterte die Aufgaben am besten: Er lenkte ein Fahrzeug, überwand einen Hindernisparcours und kletterte rückwärts eine Leiter hoch. Dabei agierte er halbautomatisch, wurde also zum Teil ferngesteuert. Schliesslich siegte er mit 27 von 32 möglichen Punkten. Platz 2 und 4 gingen übrigens an Teams, die mit einem Atlas angetreten waren.


(Video: Youtube/Schaft Inc.)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Noldi Schwarz am 26.12.2013 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank liebe Entwickler

    Endlich mal jemand, der den Müll runterträgt, den Hund bei schlechtem Wetter Gassi führt und mit meiner Frau bei IKEA einkaufen geht.

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  • Hans Berner am 26.12.2013 07:09 Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierend wie beängstigend

    Gefährlich wird's erst, wenn die Dinger anfangen selbstständig zu "denken" und "handeln"

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  • Der Andy am 26.12.2013 02:13 Report Diesen Beitrag melden

    Dem Ende wieder einen Schritt näher

    Diese Videos machen mir Angst! Eine Waffe montiert und die Dinger sind eine Gefahr für alle Menschen. Mir ist auch klar dass der Fortschritt nicht aufzuhalten ist, aber wir sollten uns dringend über die Nutzung der künftigen Hightech Ergebnisse Gedanken machen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • noname am 27.12.2013 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    o.O

    Irgendwie unheimlich....

  • Die Matrix am 27.12.2013 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Gruss...

    von der Matrix! ;o)

  • Think About am 27.12.2013 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Meine zwei Rappen

    Mir wird schon bewusst warum einige Leute Angst haben, dass diese Maschinen sich gegen uns wenden könnten. Wenn man sich überlegt, dass der Mensch sich über tausende von Jahren nicht anderst entwickelt hat. Vielleicht hatten die Tiere von damals, als wir noch kein richtiges Bewusstsein hatten auch Angst und dachten sich "hoffentlich werden die nicht intelligenter". Schlussendlich sind wir auch nichts weiter als Bio-Maschinen der Natur und es liegt uns in den Genen, dass wir uns stetig weiter entwickeln und uns verbessern. Man kann den Fortschritt nicht aufhalten, aber man kann mit ihm leben.

    • Kurt am 27.12.2013 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Das geht gar nicht

      Da wir die maschinen programmieren und sie keinen eigenen willen haben werden sie sich auch nie gegen uns wenden können

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  • H.S. am 27.12.2013 05:32 Report Diesen Beitrag melden

    Time will tell

    google (suchmaschine) ist mittlerweile nicht mehr die wichtigste einnahmequelle für das Unternehmen. Sie sind global aufgestellt. In allen möglichen Bereichen. Das ausmass von Googel ist jetzt wirklich schwer abzuschätzen. Sie sind zwar momentan weniger wert als apple aber ihr Portfolio ist um einiges diversifizierter und auf möglichst viele synergien ausgelegt. Auf Google muss man aufpassen, wenn es nicht schon zu spät ist.

    • Andreas Bohner am 27.12.2013 13:50 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Stimmt nicht. 36Mrd Werbeeinnamen gegenüber 1 Mrd sonstige Einnahmen. Google ist eigentlich schlecht mit neuen Produkten. Viele Flopps und abgebrochene Projekte. Nur dank ihrem Suchmaschinenmonopol (welches wir alle mit Werbung subventionieren) kann sich Google dies leisten.

    • Kurt am 27.12.2013 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Mehr wert als apple

      Google ist schon lange mehr wert als apple. Der aktienkurs von apple geht markant zurück und kennt nur ene richtigung. Ich hatte google bei 80.- dollar gekauft, jetzt fast 1100.-

    • Kurt am 27.12.2013 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @andreas

      Schau mal den geschäftsbericht an. Android, google analytics, google trends und die ga ze marketing tools. Auch google books wird immer wichtiger. Google macht es richtig, auf neuns flopps kommt ein mega hit

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  • Shawn am 27.12.2013 02:46 Report Diesen Beitrag melden

    Streetview, Spionage...

    Na warum braucht Google wohl Roboter? Um sie auf Streetview Touren durch den Wald, in die Berge oder sonst irgendwelchen geheimen Orten zu schicken (Spionage). So werden wir vielleicht eines Tages die ganze Erde in Streetview haben mit Quadrilliarden (24Nullen) von von Yottabytes (4 Einheiten grösser als Terrabyte) an Kartenmaterial.