Made in Nordkorea

03. April 2014 13:29; Akt: 03.04.2014 13:15 Print

Die Drohnen aus der Bastelecke

Die beiden Flugkörper, die auf südkoreanisches Gebiet gestürzt sind, dürften aus Nordkorea stammen. Darauf deutet die primitive Bauart hin, die an Modellbautechnik erinnert.

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Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist am Montag über Südkorea ein unbemanntes Fluggerät unbekannter Herkunft abgestürzt. Die Fotos, die Südkoreas Militär veröffentlicht hat, laden zum Schmunzeln ein. Sie zeigen zwei kleine, blaue Flugkörper, die an ferngesteuerte Modellflugzeuge erinnern. Doch so einfach gestrickt die Technik ist, vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts der beiden Koreas geben die Drohnen Anlass zur Sorge.

Die sichergestellten Drohnen sind verschiedenen Typs. Das am 24. März in der südkoreanischen Stadt Paju nahe der Grenze zum Norden gefundene Gerät weist einen zigarrenförmigen Rumpf auf, während die am Montag auf die südkoreanische Insel Baengnyong gestürzte 1,83 Meter lange Drohne über Deltaflügel verfügt. Von dort hatte Südkorea an diesem Tag mehr als 300 Artilleriegeschosse in Richtung nordkoreanische Gewässer abgefeuert. Beide Drohnen sind mit japanischen Kameras ausgerüstet. Sie können damit zwar Fotos aufnehmen, aber keine Videos. Ausserdem können sie die Daten nicht in Echtzeit weiter senden. Welche Qualität die Fotos haben, wurde nicht kommuniziert.

«Modellbautechnik»

Südkoreanische Militärs gehen davon aus, dass die Drohnen aus Nordkorea stammen. So weisen die Batterien eine nordkoreanische Beschriftung auf. Zudem hat Nordkorea das grösste Interesse daran, Südkorea auszuspionieren. Gemäss Yonhap News deutet die Flugbahn der Drohnen darauf hin, dass sie ihren Flug in Nordkorea starteten. Die Drohnen ähneln auch stark den Typen, die kürzlich an einer Parade in Pjöngjang präsentiert worden waren. Trotz dieser Hinweise hat Südkorea aber bisher darauf verzichtet, Nordkorea offiziell als den Absender der Flugkörper zu benennen.

Experten bezeichnen die Drohnen einstimmig als extrem simple Konstruktionen. «Sie sind wie Spielzeug», erklärte Kim Hyoung-joong, Professor für Cyber-Verteidigung an der Universität Korea in Seoul, gegenüber Reuters. Ein deutscher Experte sprach gemäss Spiegel.de von «Modellbautechnik». «Man kann hier nicht von einem ernstzunehmenden unbemannten Flugsystem reden. Das sind eher ferngesteuerte Flugzeuge», wird der nicht namentlich genannte Sachverständige zitiert.

Bilder aus Seoul

Doch so primitiv die Flugkörper sind, soviel Schaden könnten sie anrichten. Auf den Speicherchips der Kameras fanden die südkoreanischen Militärs Aufnahmen der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, von Paju und anderen Gebieten nahe der Grenze. Darunter sollen Bilder des Präsidentenpalasts und des historischen Gyeongbokgung-Palasts mitten in Seoul sein.

Dass die Drohnen unentdeckt so weit in den südkoreanischen Luftraum vordringen konnten, wirft ein schlechtes Licht auf die südkoreanische Flugabwehr und zeigt gleichzeitig den Vorteil der kleinen Flugkörper gegenüber komplexeren Systemen auf. Ihr Radarecho ist deutlich kleiner, was eine Erkennung erschwert. Um künftig besser gerüstet zu sein, sollen nun neue Radarsysteme angeschafft werden.

Denn die Bedrohung aus dem Norden ist real. Sollte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un auf die Idee kommen, die Drohnen mit Sprengstoff auszurüsten, bekämen die «Modellflugzeuge» plötzlich ein ganz neues Gefährdungspotenzial.

(jcg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Erik Schiegg am 03.04.2014 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wer spendet dem Kim eine Palette

    Axe "Make Love-not War"?

    einklappen einklappen
  • d.m. am 03.04.2014 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wurden die gesteuert?

    Wie konnten diese Dinger über die Grenze bis nach Seoul gelangen wenn Sie keine Echtzeitübertragung haben? Kann mir das mal jemand erklären? Seoul liegt ja ca 100 Km weit weg von der Grenze.

    einklappen einklappen
  • Thomas am 03.04.2014 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Drohnen

    Die sehen wenigstens moderner aus, als die Drohnen die bei uns eingesetzt werden =D

Die neusten Leser-Kommentare

  • Eis Kool am 04.04.2014 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was will Er ?

    Kann mir jemand sagen, was Nord-Korea überhaupt will??

  • Luki am 04.04.2014 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    China - Böller

    Mal ehrlich .. Was kostet so ein ding schon ? Und wieviel schaden kann man anrichten wenn man 100 von denen los schickt .. Als 1 Proffessionelle Drohne die das 1000fache kostet

  • E. Dreier am 04.04.2014 00:48 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach genial!

    Man kann sich entweder eine amerikanische Drohne leisten, die von jedem Hacker gesteuert werden kann, oder für dasselbe Geld 195'000 nordkoreanische Drohnen, die am Rader vorbei fliegen. Man nennt das "Durchhaltefähigkeit".

  • noname am 03.04.2014 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Effizienz

    Mit genügend Zeit und ein paar 1000 Fr kann ich auch so ein Ding basteln. Selbst wenn nur 50% ihr Ziel erreichen ist das immer noch effektiver als wenn nur eine Predator verloren geht. ps: Wieso immer nur News zu Nordkorea, etwas zu afrikanischen Diktaturen wäre viel interessanter, das betrifft uns viel eher (Flüchtlinge etc.)...

  • Juhee am 03.04.2014 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Auch eine Taktik

    Wenn Südkorea jedesmal mit 400 Artilleriegeschossen antwortet, kann norkorea ganz einfach den Gegner aushungern lassen.