Lauter Globus

22. Dezember 2008 10:45; Akt: 22.12.2008 11:39 Print

Die Erde summt und brummt

Die Erde schwebt nicht still durchs all. Ganz im Gegenteil: Sie brummt und summt in zahlreichen Tonlagen. Die zum Glück für den Menschen nicht hörbar sind.

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Könnte der Mensch Töne hören, die etwa ein Dutzend Oktaven tiefer sind als der tiefste tatsächlich hörbare Ton, käme er nicht mehr zur Ruhe. Denn in diesem Frequenzbereich summt und brummt laut spiegel.de die Erde.

Seit etwa zehn Jahren wissen Forscher: Der Erdball kommt nie zur Ruhe, er vibriert permanent. Selbst wenn es weder Vulkanausbruch noch Erdbeben gibt, schwingt die Erde mit bestimmten Eigenfrequenzen, vergleichbar mit einer riesigen Glocke. Fachleute nennen das «Hum», was zu Deutsch Summen oder Brummen heisst. Und seit ebenfalls zehn Jahren rätselt man, was diese Vibrationen eigentlich auslöst.

Denn beim Hum handelt es sich im Gegensatz zum Glockenklang nicht um ein einfaches Schwingen. So bestehe der Hum aus einer Überlagerung von etwa 60 Frequenzen zwischen drei und sieben Millihertz. Dies erläuterte der Geophysiker Rudolf Widmer-Schnidrig, der mit seinem Doktoranden Dieter Kurrle in einem verlassenen Bergwerkstollen im Schwarzwald mit Messgeräten dem Summen lauscht.

Hören Sie die Erde summen

Das Erdbrummen ähnelt also nicht dem Klang eines einzelnen Instruments, sondern eher dem eines ganzen Orchesters mit diversen Instrumenten. Die Forscher haben die Schwingungen auch hörbar gemacht. In der Tonaufnahme ist das Erdbrummen zu hören - und am Ende ein lauter Knall (bitte nicht erschrecken!), bei dem es sich um ein Seebeben im Indischen Ozean handelt.

Und auch die Struktur der Vibrationen scheint komplizierter zu sein, als Forscher es bislang angenommen hatten. Erwartet hatten sie, dass das Konzert der Erde aus sogenannten sphäroidalen Schwingungen der Erde bestehen. «Sie ähneln der Bewegung eines Schiffs bei hohem Seegang», sagt Widmer-Schnidrig. «Es bewegt sich auf und ab, gleichzeitig aber auch etwas vor und zurück - es legt dabei insgesamt eine ellipsenförmige Bahn zurück.»

Tatsächlich spielen diese Schwingungen beim Hum eine Rolle: Die Erde hebt und senkt sich alle paar Minuten um wenige Zehntausendstel Millimeter, und auch die horizontalen Bewegungen konnten die Forscher mittlerweile charakterisieren.

Die Geophysiker erhoffen sich bei ihrer Suche nach dem Erdklang ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozeanen und der Erde selbst - und damit unter anderem Informationen über das komplizierte weltweite Klimageschehen.