Erschreckende Prognose

02. August 2018 16:05; Akt: 02.08.2018 16:05 Print

Zehntausende Suizide mehr wegen Klimawandel

Hohe Temperaturen setzen dem Menschen mehr zu als gedacht. Laut einer neuen Studie sorgen sie für einen Anstieg der Suizidrate.

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Hohe Temperaturen sind nicht jedermanns Sache. Manchen schlägt die Hitze richtiggehend aufs Gemüt. Bei Depressiven ... ... können hohe Temperaturen sogar zum Suizid führen. Das berichtet ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der University of California in Berkeley (UCB) und der Universität Stanford. Für die Studie hatten die Forscher zunächst die Temperatur- und Suiziddaten Tausender US-Bezirke und mexikanischer Gemeinden aus mehreren Jahrzehnten miteinander verglichen. (Symbolbild) Zudem analysierten sie den Inhalt von mehr als 600 Millionen Äusserungen auf Twitter aus den entsprechenden Regionen. Damit wollten sie herausfinden, inwieweit Hitze das mentale Wohlbefinden von Menschen beeinflusst. Ergebnis: Hitze erhöht tatsächlich die Suizidrate. So war in den USA jedes Grad mehr auf der Temperaturskala mit einem Anstieg der Selbsttötungsrate um 0,7, Prozent verbunden, in Mexiko stieg die Rate um 2,1 Prozent pro Grad Celsius. Auch in den untersuchten Tweets machten sich Hitzewellen bemerkbar: So traten in solchen Zeiträumen Begriffe wie «gefangen», «einsam» und «Selbstmord» häufiger auf als sonst. Die Forscher berichten von einem Anstieg von bis zu 1,35 Prozent. Offen ist, was dazu führt. Die Forscher vermuten aber, dass sich der Blutfluss im Gehirn ändert, wenn der Körper unter Hochdruck versucht, die Körpertemperatur bei Hitze auf einem gesunden Niveau zu halten. Sollte sich das Klima wie prognostiziert erwärmen, könnte dies laut den Berechnungen der Wissenschaftler bis 2050 zusätzliche 21'000 Selbsttötungen in beiden Ländern bedeuten. Die Erkenntnisse der Studie ergänzen jene von früheren Untersuchungen, wonach Menschen bei Hitze deutlich aggressiver und gewalttätiger sind. «Nun zeigt sich, dass einige Menschen die Gewalt auch gegen sich selbst richten», erklärt Solomon Hsiang von der University of California in Berkeley. (Im Bild: Szene aus dem Film «Leprechaun: Origins», 2014)

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Selbsttötung ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Tendenz steigend. Verantwortlich dafür ist auch der Klimawandel. Das berichten Forscher unter Beteiligung der University of California in Berkeley (UCB) und der Universität Stanford im Fachjournal «Nature Climate Change».

Zwar deuteten frühere Statistiken bereits darauf hin, dass Suizide besonders oft in den warmen Monaten auftreten. Dennoch war es unklar, ob die dokumentierten Fälle tatsächlich durch die Hitze ausgelöst wurden. Denn auch andere Faktoren variieren in solchen Perioden, beispielsweise die Arbeitslosenrate. Deshalb hat sich das Team um Marshall Burke darum bemüht, die Rolle der Temperatur von anderen Aspekten zu trennen.

Hitze hat Folgen

Die Wissenschaftler verglichen dafür die Temperatur- und Suiziddaten Tausender US-Bezirke und mexikanischer Gemeinden aus mehreren Jahrzehnten. Zudem analysierten sie den Inhalt von mehr als 600 Millionen Äusserungen auf Twitter aus den entsprechenden Regionen. Damit wollten sie herausfinden, inwieweit Hitze das mentale Wohlbefinden von Menschen beeinflusst.

Ergebnis: Die Hitze erhöht tatsächlich die Suizidrate. So war in den USA jedes Grad mehr auf der Temperaturskala mit einem Anstieg der Selbsttötungsrate um 0,7, Prozent verbunden, in Mexiko stieg die Rate um 2,1 Prozent pro Grad Celsius.

Blutfluss im Gehirn verändert

Auch in den untersuchten Tweets machten sich Hitzewellen bemerkbar: So traten in solchen Perioden Begriffe wie «gefangen», «einsam» und «Selbstmord» häufiger auf als sonst. Die Forscher berichten von einem Anstieg von bis zu 1,35 Prozent.

Zwar ist noch nicht klar, was dahinter steckt, aber Burke und seine Kollegen vermuten, dass hohe Temperaturen das psychische Wohlbefinden durch Nebenwirkungen in der menschlichen Thermoregulation beeinflussen. Konkret gehen sie davon aus, dass sich der Blutfluss im Gehirn ändert, wenn der Körper unter Hochdruck versucht, die Körpertemperatur auf einem gesunden Niveau zu halten.

Keine schönen Aussichten

Doch was bedeutet das für die Zukunft? Auch dieser Frage gingen die Forscher nach: Mithilfe der globalen Klimaprognosen errechneten sie, dass die Klimaerwärmung bis 2050 die Suizidrate in den USA um 1,4 Prozent und in Mexiko um 2,3 Prozent erhöhen könnte. Konkret würde dies bis 2050 zusätzlich 21'000 Selbsttötungen in beiden Ländern bedeuten.

Die Erkenntnisse der Studie ergänzen jene von früheren Untersuchungen, wonach Menschen bei Hitze deutlich aggressiver und gewalttätiger sind. «Nun zeigt sich, dass einige Menschen die Gewalt auch gegen sich selbst richten», erklärt Burkes Kollege Solomon Hsiang von der UCB.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruce Wayne am 02.08.2018 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer das Klima???

    Klimawandel? Ich gehe eher davon aus, dass die erhöhte Suizidrate etwas mit den immer höheren Anforderungen im Beruf, der Schule, vom Umfeld oder an sich selbst ein Grund dafür sein wird.

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  • Dihydrogenmonoxid am 02.08.2018 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Papier nicht wert...

    Die einen Studien deuten auf eine Häufung von Selbsttötungen in den warmen Monaten. Laut anderen Studien häufen sich Suizide in den dunklen Wintermonaten...was solls denn nun sein?

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  • BRUMMPÄNGLI am 02.08.2018 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    seltsam

    Früher hiess es am meisten Suizide gibts in den dunklen Monaten, insbesondere um Weihanchten rum

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Xerigny am 03.08.2018 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein Mist diese Studien

    Im Winter schreiben Sie dann .. es fehlt uns an Licht und Wärme.. deshalb sind die Menschen depressiv .. und denken an Suizid weil sie einsam sind .. jetzt wo die Sonne scheint und das Leben draussen statt findet... also das ist Quatsch diese Studien!!

  • bilzerian am 03.08.2018 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verstehe ich

    Kann ich definitiv verstehen. Hätte ich zuhause keinen pool, wäre der sommer für mich unertragbar. Sobald ich 5minuten in der stadt unterwegs bin schwitze ich am gesamten körper, das leben bei solchen temp is für gewisse menschen eine qual. Eine stunde joggen und man denkt man klappt jeden moment zusammen. Auch die konzentration bei geistig anspruchsvollen berufen sinkt, der klimawandel fuer uns eidgenossen ist alles andere als gut. Btw, ich bin sportlich und 27 jahre alt. Ständig kopfweh, 4 liter minimum jeden tag usw.. Sehr mühsam und geht an die substanz.

  • Daisydream am 03.08.2018 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Studien für die Katz

    Jaja, und die Hitze mache auch noch aggressiv, hiess es. Dabei ist man bei dieser Hitze einfach nur matsch und hat keine Energie übrig um sich aufzuregen. Wo sind die echten Probleme dieser Erde?

  • chrigu am 02.08.2018 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle zehn Jahre...

    Wirklich niemand der bestreiten würde, dass der Mensch diesen Planeten aus natürlicher Sicht nicht zum negativen verändern würde, aber... Alle zehn Jahre ein Rekordsommer (und alle zehn Jahre auch wieder ein unerträglicher Rekordwinter). Die menschengemachte Erderwärmung wurde immer noch nicht eindeutig bewiesen. Also lasst uns noch mehr Windräder und E-Autos gegen die Windmühlen des Klimawandels bauen. Hauptproblem für immer mehr Zersiedelung und mehr Bedarf an Resourcen und auch deren Ausstoß an Treibhausgasen soll die Überbevölkerung sein? Aber nicht doch. Hereinspaziert, hereinspaziert, wir haben noch genug Platz um allen zu helfen. Ironie aus.

  • Utlol am 02.08.2018 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überlegen

    Sehet Kinderlein: "Zudem analysierten sie den Inhalt von mehr als 600 Millionen Äusserungen auf Twitter aus den entsprechenden Regionen." Eure Postings werden stets für irgendwas überwacht! Dies ist nur eine Variante von vielen...