Alles stirbt ab

02. Dezember 2008 23:39; Akt: 03.12.2008 00:01 Print

Die Killerameise kommt

Eine aggressive Ameisenart breitet sich derzeit rasch in Europa aus. Laut deutschen Forschern ist es nur eine Frage der Zeit, bis die invasive Gartenameise weitere Gärten und Parks in Westeuropa befällt und dort Schäden anrichtet.

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Die wissenschaftlich Lasius neglectus genannte Ameisenart war 1990 in Ungarn entdeckt worden. Sie hat sich aus verwandten Arten am Schwarzen Meer abgeleitet, wie Forscher um Sylvia Cremer von der Universität Regensburg im Fachmagazin «PLoS ONE» schreiben.

Mittlerweile seien Ameisenpopulationen an mehr als 100 Stellen in diversen europäischen Ländern aufgetaucht. Sie wurden zum Beispiel bei Paris und Warschau gesehen. In der Schweiz wurde die Ameise laut einer spezialisierten Webseite noch nicht entdeckt. Die Tiere bevorzugen Parks und Gärten und rotten andere Ameisenkolonien aus.

Alles stirbt ab

Die Forscher untersuchten, warum sich diese Ameisen erfolgreich an neue Lebensräume anpassen und sich daher so schnell verbreiten. «Sobald die invasive Gartenameise irgendwo neu hinkommt, kann sie sich gut durchsetzen und die einheimische Fauna dominieren», erklärt Cremer.

«Es sterben dann alle anderen Tiere in der Umgebung aus. Alle anderen Ameisen, aber auch anderes Kleingetier wie Spinnen werden total verdrängt.» Die Verbreitung quer über den Kontinent erfolgt nach Erkenntnissen der Forscher beispielsweise durch Baumschulen, die bei Gartenmessen ihre Produkte austauschen und so auch Ameisen weitertragen.

Inzucht als Schlüssel zum Erfolg

Der Erfolg der neuen Ameisenart beruht laut Cremer auf ihrer speziellen Sozialstruktur. «Sie sind nicht wie die einheimischen Ameisen auf einen Paarungsflug angewiesen, sondern können sich gleich in ihrem Nest paaren.»

Heimische Ameisen paarten sich mit Tieren aus anderen Partnerkolonien, die invasive Gartenameise betreibe dagegen sozusagen Inzucht. «So können sie ganz viele neue Königinnen produzieren, ohne auf andere angewiesen zu sein.»

Kooperation statt Kämpfe

Ein weiterer Unterschied ist laut Cremer, dass sich benachbarte Ameisennester nicht wie sonst gegenseitig bei der Nahrungssuche bekämpfen. Die eingeschleppten Ameisen kooperierten sogar. «Sie sind viel besser darin, Futter heranzuschleppen.»

Wenn eine einheimische Ameise einen Brocken finde, müsse sie erst im eigenen Nest Hilfe holen, erläutert die Ameisenexpertin. «Das können dann sehr lange Wege sein.» Die invasiven Gartenameisen würden sich dagegen einfach im nächstgelegenen Nest Transportkräfte besorgen. «Deswegen sind die unglaublich erfolgreich.»

Breite Ameisenstrassen

Die Forscher haben auch herausgefunden, dass die eingeschleppte Gartenameise in einer viel höheren Dichte auf engem Raum auftritt. «Wenn man sich einen Baum anschaut, laufen normalerweise vielleicht drei, vier, fünf Ameisen den Stamm rauf und runter», erklärt Cremer.

«Bei den invasiven Ameisen hat man dagegen ganze Strassen von Ameisen.» Durch diese 10 bis 20 Zentimeter breiten Ameisenstrassen könnten auch die Laien die neuen Arten von den hiesigen Ameisen unterscheiden.

(sda)