Tübingen (D)

03. März 2011 22:58; Akt: 04.03.2011 10:41 Print

Die Kunst der Redewendungen

von Luzia Zollinger - Politiker benutzen oft bildhafte Sprache. Erfolgreicher sind sie damit aber nicht unbedingt.

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Politiker sind Meister der Phraseologismen. (Foto: Keystone)

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Karl-Theodor zu Guttenberg hat abgeschrieben und dafür teuer bezahlt. Doch viele Politiker schmücken sich in ihren Reden mit fremden Federn: jenen der Phraseologismen – festen Verbindungen von mehreren Wörtern, zum Beispiel in Redewendungen. So wie Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer am vergangenen 1. August: «Es geht mir darum, die Brücke aus dem Bundeshaus in die Bevölkerung zu schlagen.» Was solche Formulierungen bewirken und warum sie oft angewendet werden, untersucht der Schweizer Medienwissenschaftler Jürg Häusermann an der Uni Tübingen (D): «Müssen wir einen komplexen Sachverhalt einfach darstellen, ist die bildhafte Sprache oft eines der besten sprachlichen Mittel.» Doch Vorsicht: Phraseologismen sind nicht dasselbe wie Phrasen. Denn die bestehen aus umgangssprachlichen Worthülsen ohne viel Inhalt. Phraseologismen hingegen überzeugen durch die innere Logik ihrer Bilder. Christoph Blocher versuchte es in seiner letztjährigen Albisgüetli-Rede mit solchen im Doppelpack: «Hatte unser Finanzminister erst noch verkündet, das Ausland werde sich an unserem Bankgeheimnis die Zähne ausbeissen, hat sich der Bundesrat an einer einzigen Sitzung die Zähne selber gezogen.»

Phraseologismen geben der Sprache einen stilistischen Mehrwert, sagt Häusermann: Sie verstärken die sachliche Bedeutung. Nicht bestätigen kann er, dass Politiker, die sich so ausdrücken, erfolgreicher sind. Wer aber die Kunst der Redewendungen beherrscht, kann sogar Preise gewinnen. Wie Moritz Leuenberger, der für seine Rede «Das Böse, das Gute, die Politik» 2003 mit dem Cicero-Preis ausgezeichnet worden ist.