Spielverhalten

21. Dezember 2010 13:23; Akt: 21.12.2010 13:24 Print

Die Liebe für Puppen liegt in den Genen

Jungs spielen mit Autos, Mädchen mit Puppen. Seit Jahren streiten Forscher darüber, ob solche Vorlieben angeboren oder anerzogen sind. Der Beweis wurde nun im Tierreich gefunden.

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Ists ein Affenmädchen, spielt es gerne mit Stöckchen. (Bild: Patrick Straub)

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Wild lebende Schimpansenmädchen bemuttern kleine Holzstöcke ähnlich wie Babys. Dies geschehe offenbar um sich auf ihre spätere Mutterrolle vorzubereiten, schrieben Sonya Kahlenberg vom Bates College im Bundesstaat Maine und Richard Wrangham von der Harvard University in der Zeitschrift «Current Biology»,

Schon bei gefangenen Schimpansenkindern hatten Wissenschafter geschlechtstypische Rollenmuster beobachtet: Vor die Wahl gestellt, spielten Jungs lieber mit Autos, während weibliche Jungtiere Puppen bevorzugten.

Nun berichtet Richard Wrangham von der Universität Harvard ähnliches Verhalten von einer wild lebenden Schimpansengruppe im Kibale Nationalpark in Uganda.

Die etwa 50 Affen der Kanyawara-Sippe nutzen Stöcke zu vier verschiedenen Zwecken: als Waffen, als Werkzeug etwa um in Löchern nach Honig oder Insekten zu stochern, zum Spielen oder einfach nur zum Umhertragen.

Gerade dieses Mitführen ohne offensichtlichen Grund stellt mit einem Anteil von fast 40 Prozent den häufigsten Grund für den Stockgebrauch.

Zum ersten Mal beobachtet

Im Lauf der 14-jährigen Beobachtung keimte bei den Forschern der Verdacht, dass weibliche Jungtiere häufiger Äste oder Baumrindenstücke umhertragen als gleichaltrige Männchen. Eine Zählung bestätigte die Vermutung.

Schimpansenmädchen nahmen ihre Stöcke demnach oft mit ins Lager und spielten mit ihnen auf eine Art, die an mütterliches Verhalten erinnerte. Ob dies auch bei anderen Schimpansengruppen vorkommt, wissen die Forscher nicht.

Auffällig ist, dass solche Mutterspiele noch nie beobachtet wurden, obwohl diese Affen seit Jahrzehnten unter intensiver wissenschaftlicher Beobachtung stehen. «Das lässt uns vermuten, dass Stocktragen eine soziale Tradition ist, die nur in unserer Gemeinschaft entstanden ist, aber nicht in anderen», sagt Wrangham.

Sollte das Verhalten nur bei der Kanyawara-Sippe vorkommen, «wäre dies der erste Fall einer Tradition, die ausschliesslich Jungtiere pflegen, ähnlich wie Kinderreime und manche Spiele bei Menschenkindern», sagt Wrangham. «Dann wären sich die Verhaltenstraditionen von Schimpansen und Menschen noch ähnlicher als bisher gedacht.»

(sda)