Methangas

11. Oktober 2010 10:43; Akt: 11.10.2010 11:08 Print

Die Mär von den sauberen Flusskraftwerken

Kohlekraftwerke gelten als Dreckschleudern schlechthin. Doch auch Schweizer Wasserkraftwerke tragen zur Klimaerwärmung bei.

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Den Schwänen auf dem Wohlensee scheint der Gasausstoss egal zu sein.

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Das Problem liegt im Methan: Der Wohlensee bei Bern beispielsweise gibt pro Quadratmeter Seefläche täglich durchschnittlich 150 Milligramm Methangas (CH4) an die Umwelt ab, wie Forschende der eawag nachgewiesen haben. Dem Aare-Stausee entsteigen somit jährlich 150 Tonnen des Gases. Das ist etwa so viel, wie 2000 Kühe pro Jahr an die Atmosphäre abgeben.

Je wärmer es ist, desto mehr Methan wird freigesetzt. Eine Wassertemperatur von 17 Grad reicht bereits aus, um die Werte auf bis zu 300 Milligramm Methan pro Quadratmeter ansteigen zu lassen. Solche Mengen kannte man bislang nur von Stauseen in tropischen Gefilden.

Das Methan im Wohlensee bildet sich, weil die Aare organisches Material mitführt. Dieses sinkt im Stausee ab und wird dann von Bakterien vergärt. Im Sommer gleiche der Wohlensee jeweils einem Champagnerbecken: Unzählige Gasblasen steigen an die Oberfläche, wie es in der Mitteilung heisst.

Schlimmer als CO2

Methangas ist rund 25 Mal stärker am Treibhauseffekt beteiligt als Kohlendioxid (CO2). So klimaneutral wie bislang angenommen, sei die Wasserkraft also nicht, schreibt die eawag. Trotzdem wollen die Forschenden ihre Ergebnisse nicht dramatisieren: Rechnet man das Methan in CO2 um, so stösst ein Kohlekraftwerk bei gleicher Stromproduktion nämlich rund 40 Mal mehr CO2 aus.

Dennoch zeigten die Emissionen des Wohlensees, dass Flusskraftwerke auch in mittleren Breiten bedeutende Mengen an Methan freigeben. Dies sei in den Treibhausbilanzen bisher übersehen worden, heisst es weiter.

Mit Untersuchungen an weiteren Flusskraftwerken im Mittelland will man nun klären, ob es sich beim Wohlensee um einen Sonderfall handelt. Falls nicht, müssten die gesamtschweizerischen Methanbilanzen nach oben korrigiert werden.

(sda)