Meerschwein auf Zeit

31. Januar 2011 11:22; Akt: 22.09.2011 15:10 Print

Die Notnager

von Annette Hirschberg - Sie werden dann eingesetzt, wenn Not am Nager ist: die Leih-Meerschweinchen. Die Nachfrage nach ihnen ist so gross, dass Züchter sie kaum decken können.

So ist den kleinen Nagern wohl: Meerschweinchen sind Gruppentiere und geraten unter Stress, wenn sie alleine bleiben müssen.
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Auch Meerschweinchen können eine wichtige Aufgabe erfüllen: Leih-Meerschweinchen zum Beispiel. Die kleinen Nager sollen älteren Artgenossen in den letzten Wochen und Monaten ihres Lebens als Gspänli dienen. Denn Meerschweinchen sind Gruppentiere und dürfen, das wurde durch das Tierschutzgesetz per September 2008 festgelegt, nicht mehr allein gehalten werden.

«Darum brauchen private Halter, die keine neuen Meerschweinchen mehr wollen und eines ihrer zwei Tiere verlieren, eine Übergangslösung», sagt Priska Küng aus Hinwil ZH, Präsidentin der IG Meerschweinchen. Die Meerschweinchen-Züchterin hat darum das Netzwerk www.leihmeerschweinchen.ch ins Leben gerufen.

Der Tierschutz unterstützt das Angebot mit Vorbehalt

Halter können nach dem Tod eines Tieres beim Züchter ein Leihmeerschwein kaufen. Dieses bleibt so lange beim Halter, bis das ältere Tier stirbt. Dann dürfen die Halter das geliehene Tier dem Züchter wieder zurückgeben. «Ein Teil des Kaufpreises wird ihnen zurückerstattet», so Küng. Wie viele Tiere seit der Gesetzesrevision ausgeliehen wurden, ist nicht bekannt. Gemäss Angaben von Züchtern dürften rund ein Dutzend Meerschweinchen pro Monat zu Leihtieren werden. «Das Angebot ist ein grosses Bedürfnis und manchmal ist es schwierig, die Nachfrage abzudecken», sagt Priska Küng, die zwei Anfragen pro Woche hat.

Dennoch unterstützt der Schweizer Tierschutz STS die Leihpraxis nicht vorbehaltlos. «Für das Leihtier ist der Wechsel von einer Gruppe in eine andere ein Stress, den es gleich zweimal erlebt. Besser wäre es, die Halter würden das allein gebliebene Tier in eine Gruppe geben», sagt Eva Waiblinger von der Fachstelle Heimtier.

Rund die Hälfte der Tiere wird nicht zurückgegeben

Die Züchter beurteilen dies anders. «Gerade für ältere Meerschweinchen, die immer nur in einer Paarbeziehung gelebt haben, ist der Wechsel in die Gruppenhaltung die grössere Zumutung als die Platzierung eines jüngeren Tieres zu einem einzelnen älteren», sagt Züchterin Karin Burri aus Eschenz TG. Ausserdem habe ein Teil der Besitzer ihr Meerschweinchen ins Herz geschlossen und wolle es nicht einfach so weggeben. Hinzu kommt, dass nur ein Teil der Leihmeerschweinchen tatsächlich zurück muss. «Dreissig bis fünfzig Prozent der Tiere bleiben, weil sich die Halter ins neue Meerschweinchen verlieben», sagt Doris Gall, die in Schönenbuch BL eine Zucht betreibt.

Priska Küng fügt an, dass das Aufnehmen alter Tiere auch eine Frage des Platzes sei. «Ich habe das Angebot Leihmeerschwein unter anderem ins Leben gerufen, weil die Züchter kein Altersheim für Meerschweinchen betreiben können.»

Leihmeerschwein sofort anfordern

Ausserdem würden Leihmeerschweinchen meist nur einmal vermittelt. «Junge Tiere, die nur kurze Zeit an einem Leihplatz waren, können auch zweimal ausgeliehen werden. Meist bleibt das Tier danach aber bei mir oder wird an einen Platz abgegeben, wo es bis zum Lebensende bleibt», sagt Priska Küng.

Für den Schweizer Tierschutz darf das Tier höchstens einmal als Leihtier dienen und auch das nur, wenn es sozialkompetent sei. «Nur solche Meerschweinchen können das Ausleihen verkraften, ausserdem passen zwei Tiere nicht immer problemlos zusammen», sagt Eva Waiblinger. Sie fordert darum, dass Züchter Leihmeerschweinchen mit grosser Sorgfalt auswählen und zurückhaltend einsetzen.

Karin Burri kann dem nicht beipflichten. «Zu einem älteren Tier sollte man besser nicht ein ganz junges geben, ansonsten funktioniert das Ausleihen eigentlich immer problemlos», sagt sie. Viel wichtiger ist ihr, dass die Besitzer schnell handeln, wenn eines ihrer Tiere stirbt. «Allein zu sein, ist der grösste Stress für ein Meerschweinchen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mi am 31.01.2011 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    für und wider..

    Ist eigentlich eine gute Idee. So bleibt das eine Meerschweinchen nicht alleine. Allerdings finde ich dieses "Leihmeerschweinchen" doof. Wenn man ein Tier will, dann leiht man sich dieses doch nicht einfach aus! Tja liebe Leute, bevor die Schweinchen unter den Weihnachtsbaum kommen, sollte man sich lieber Gedanken über dessen Haltung machen. Zudem: Wer seinen Tieren anständig Zeit wiedmet, der wird auch ein einzelnes Meerschweinchen halten können. (Bei meinem hats funktioniert.)

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  • Antonietta am 02.02.2011 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nur wer ein Tier aus dem Tierschutz

    zu sich holt, anstatt das Geschäft mit der "Ware Tier" durch Nachfrage weiter zu fördern, hilft Tierelend auf lange Sicht zu verringern. Wer ein Tier aus einem Tierheim holt, gibt ihm eine neue Chance auf Glück. Gerettete Tiere bringen große Freude in ein Zuhause, weil sie Ihnen niemals vergessen, was Sie für sie getan haben. Ein Tier aus dem Tierheim kann mehrere Vorteile haben. Vor allem gibt man so Tieren ein Zuhause, die sonst vielleicht lange in einem Heim leben müssten.

  • Der gesunde Menschenverstand am 31.01.2011 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Uns gehts zu gut!

    Also in Peru isst man die einfach! Präsidentin der IG Meerschweinchen!?!? Haben wir denn keine richtigen Probleme?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Antonietta am 02.02.2011 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nur wer ein Tier aus dem Tierschutz

    zu sich holt, anstatt das Geschäft mit der "Ware Tier" durch Nachfrage weiter zu fördern, hilft Tierelend auf lange Sicht zu verringern. Wer ein Tier aus einem Tierheim holt, gibt ihm eine neue Chance auf Glück. Gerettete Tiere bringen große Freude in ein Zuhause, weil sie Ihnen niemals vergessen, was Sie für sie getan haben. Ein Tier aus dem Tierheim kann mehrere Vorteile haben. Vor allem gibt man so Tieren ein Zuhause, die sonst vielleicht lange in einem Heim leben müssten.

  • Michel B. am 02.02.2011 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wer setzt denn Prioritäten?

    Wieso hat der Mensch eine höhere Priorität? Heisst es nicht, dass wir alles "Gottes Geschöpfe" sind? Es ist doch gut, wenn jemand sich für die Tiere einsetzt. Schliesslich sind wir es, die die Tiere "zum Spass" zu Hause halten, wo sie nicht hingehören. Eigentlich sollte sowieso die Haltung von Tieren in Käfigen grundsätzlich verboten werden!

  • Dani am 01.02.2011 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten setzen

    Und wer schaut für unsere Strassenkinder?

    • Nicole am 02.02.2011 08:32 Report Diesen Beitrag melden

      Zusammenhang?

      Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Oder bist du der Meinung, dass sich eine einzige Person um alle Probleme kümmern soll, damit du nichts machen musst? Ich finde "Leihmeerschweinchen" auch nicht eine gute Lösung (schon gar nicht, wenn man dafür züchtet), aber besser wie wenn die Tiere in Einzelhaft gehalten werden.

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  • Vera Brütsch am 01.02.2011 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    unnötig..

    hatte auch mal ein meerschweinchen, und nur eins, wurde trotzdem 10 jahre alt, konnte demzufolge nicht so sehr unglücklich sein allein..

    • Nadja am 01.02.2011 21:29 Report Diesen Beitrag melden

      unverständnis

      Nur weil es 10 Jahre alt geworden ist, heisst es nicht, dass es glücklich war! Es ist und bleibt Tierquälerei, wenn ein 'Rudeltier' einzeln gehalten wird, egal ob Meerschweinchen oder Pferd.

    • Claudia am 01.02.2011 22:08 Report Diesen Beitrag melden

      10 Jahre unglücklich

      Meerschweinchen sind Rudeltiere und keine Einzelgänger. Auch wenn ein Tier 10 Jahre alt wurde heisst es nicht, dass es in diesen 10 Jahren auch wirklich glücklich war. Am glücklichsten sind Meerschweinchen in einer Gruppe. Schauen Sie sich doch mal an wie ihre wildlebenden Verwandten leben.

    • Nicole am 02.02.2011 08:29 Report Diesen Beitrag melden

      Glück und Lebenserwartung

      Glaubst du, unglückliche Lebewesen leben weniger lang? Sie sind einfach länger unglücklich...

    • Corinne am 10.02.2011 00:27 Report Diesen Beitrag melden

      nichts kappiert!

      Einzelhaltung ist per Gesetz verboten!!!

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  • Laredo am 31.01.2011 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsame Idee

    Es ist schon unglaublich, auf was der Mensch für Ideen kommt, wenn es ums Geldverdienen geht. Ob mit dieser Idee wirklich den Säuli geholfen wird, vermag ich so nicht zu sagen. Unsere beiden Meersäuli wurden sehr alt. Zuerst starb das eine Weibchen, 2 Jahre später das andere mit fast 8 Jahren. Ob wir damals so ein Leihsäuli geholt hätten, können wir nicht sagen. Zudem hätte es 2 Jahre dann bei uns gelebt u sich bestimmt auch eingelebt. Eine Rückgabe wäre wohl eher Quälerei gewesen, bei solch sensiblen Tierchen.

    • Moni am 02.02.2011 06:47 Report Diesen Beitrag melden

      Eine sehr gute Idee, nicht seltsam

      Damit verdient man kein Geld. Im Gegenteil, man hat viel mehr Aufwand. Es geht hier schlichtweg nur um eines, um zwar um das Wohl der Tiere. Ich züchte zwar keine Meerschweinchen, aber ich weiss dass man mit einer Zucht unmöglich Geld verdienen kann. Der Aufwand und die Kosten sind höher als dass man da Geld einnimmt. aber um das geht es ja auch nicht sondern es geht um die Tiere. Und ja, es ist eine gute Lösung für einsame Meerschweinchen. Ich finde sie sehr gut.

    • Corinne am 10.02.2011 00:30 Report Diesen Beitrag melden

      warum seltsam?

      ... zudem sind Meeris Gruppentiere und durch ihr soziales Wesen können sie sich in der Regel gut wieder in eine Gruppe eingliedern

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