Mars500 beendet

04. November 2011 10:48; Akt: 04.11.2011 14:46 Print

Die ersten «Marsianer» sind zurück

Eineinhalb Jahre lang waren sie isoliert. Jetzt dürfen sechs Männer in Moskau endlich wieder Frischluft atmen. Doch nicht alle Experten finden das Experiment sinnvoll.

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Am 4. November 2011 ist das bisher längste Isolationsexperiment der Raumfahrt zu Ende gegangen. Die sechs freiwilligen «Astronauten» des Projekts Mars500 kehrten von ihrer virtuellen Reise zum Roten Planeten zurück – ohne dass sie unsere Erde jemals verlassen hätten.

Um 11.00 Uhr Schweizer Zeit wurde das Siegel an der Eisentür des nachgebauten Raumschiffs entfernt. In dem fensterlosen Container hatten die sechs Freiwilligen aus Russland, China, Frankreich und Italien seit dem 3. Juni 2010 einen Flug zum Mars simuliert. Seit sich die Luke hinter ihnen schloss, vergingen beinahe 12 500 Stunden.

Essen aus der Dose

Die Besatzung kommunizierte über das Internet mit den Organisatoren und den Angehörigen. Dabei wurden auch gelegentliche Störungen eingebaut, um die Auswirkungen der Reise in den Weltraum möglichst detailgetreu nachzubilden. So inszenierte die «Bodenstation» einen Brand, um die Crew auf Trab zu halten, oder kappte einmal während einer ganzen Woche sämtliche Leitungen in das Modul, damit die Besatzung den Notfall im All proben musste.

Die Männer assen aus Dosen, wie sie auch in der Internationalen Raumstation ISS üblich sind. Sie erhalten für ihre Teilnahme nach Angaben der Organisatoren jeder 100 000 Dollar (87 900 Franken).

Der «erste Mensch auf dem Mars»

Höhepunkt der virtuellen Reise war die fingierte Landung auf dem Mars, die in Realität in einer Halle stattfand. Forscher hatten ein Stück des Roten Planeten, der diesen Beinamen wegen des rötlichen Eisenoxidstaubs trägt, im Moskauer Institut für Biomedizinische Probleme nachgebaut. Der «erste Mensch auf dem Mars» war der Russe Alexander Smolejewsk, der zusammen mit seinem italienischen Kollegen Diego Urbina 50 Minuten auf dem virtuellen Mars verbrachte. Die beiden Männer sammelten in Raumanzügen «Bodenproben». Das Kontrollzentrum teilte mit, die Mission sei erfolgreich gewesen.
(Quelle: ESA)


«Experiment ohne Risiko»

Allerdings sehen das nicht alle Beobachter so. Der Schweizer Astronaut Claude Nicollier, der im Gegensatz zu den Mars500-Probanden tatsächlich ins All reiste, kritisierte das Experiment im «Le Matin» scharf: «Das Experiment spielte sich voll und ganz in den Aussenbezirken von Moskau ab, wo die Teilnehmer nicht dem geringsten Risiko ausgesetzt waren», monierte Nicollier. Sie hätten die ganze Zeit über gewusst, dass sie mit den Füssen fest auf dem Erdboden standen. In der Tat teilte auch der französische Teilnehmer Roamin Charles am 3. November in einer Botschaft aus dem Container mit, er habe in keinem Moment das Gefühl gehabt, sich im Weltraum zu befinden – «denn wir waren nicht in der Schwerelosigkeit». Überdies waren die virtuellen Raumfahrer auch keiner Strahlung ausgesetzt. Die Strahlung stellt bei langen Aufenthalten im All, wo keine schützende Atmosphäre vorhanden ist, ein grosses Problem dar.

Gleich nochmals abgeschottet

Zu dem mit Spannung erwarteten Ende des Experiments Mars500 wurden die engsten Familienangehörigen der Teilnehmer nach Moskau eingeladen, damit sie die Männer erstmals seit 17 Monaten wieder in die Arme schliessen können.

Wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr dürfen sich die «Marsianer» zunächst nur kurz der Öffentlichkeit präsentieren. Sie sollen am 8. November während einer Medienkonferenz in der russischen Hauptstadt ausführlicher von ihren Erfahrungen berichten.

Die Männer hatten während der 520 Tage in dem röhrenförmigen Modul kaum Kontakt zur Aussenwelt und wurden von Medizinern und Psychologen beobachtet. Die virtuelle Reise ins All soll Erkenntnisse für einen wirklichen Flug zum Mars in vielen Jahren liefern.

(dhr/sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peschä am 04.11.2011 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kein echter Druck

    Die Teilnehmer wussten zu jeder Zeit, dass Hilfe innert kürzester Zeit möglich ist. Was würde wohl im All geschehen, wenn einer schwer erkrankt, wenn sich herausstellt, dass ein Teil der Konserven verdorben und unbrauchbar ist, wenn das Wasser-Rezykliersystem ausfällt?

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  • Michael Hauser am 05.11.2011 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    wo ist Dusche und Waschmaschine?

    ...sieht ihr diese beiden sachen hier irgendwo? Ich sah nur überall eine Toilette..

  • Ilaria Zirm am 04.11.2011 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten

    Und was kostet der ganze Spass den so? Es herscht Hunger auf diser Erde und wir schiesen das Geld ins All anstat hier für gleichstand zu sorgen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin Mühlemann am 10.11.2011 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Sountrack

    Weiss jemand von welchem Film der Sountrack ist?

    • Jujeni Budalla am 10.11.2011 23:49 Report Diesen Beitrag melden

      Film-Soundtrack

      "Woad to ruin" aus dem Film: King Arthur :)

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  • Ben Gysel am 10.11.2011 02:31 Report Diesen Beitrag melden

    Geldverschwendung ...

    Mit den heutigen Erkenntnissen in der Astronomie und Physik, wäre es sinnvoller, die Milliarden, die in die Raumfahrt allgemein investirt werden, in den Schutz der Mutter Erde zu investieren ... Den Hunger bekämpfen - Das Trinkwasser schützen - Religionen verbieten - Überbevölkerung regulieren .... Das sind die wichtigeren Themen der Zukunft ...

  • Stefan am 10.11.2011 00:55 Report Diesen Beitrag melden

    Man müsste Brasilianer nehmen

    Ich lebe in Brasilien. Das Essen hier ist gar nicht mein Ding. Jeden Tag bekomme ich Reis und Bohnen essen. Fühle mich wie mein Hund hier der auch jeden Tag das gleiche bekommt. Den Brasilianer geht es umgekehrt. Bekommen sie einmal kein Reis mit Bohnen, drehen sie gleich durch...

  • Sinnvoll? am 07.11.2011 00:53 Report Diesen Beitrag melden

    Psychologische Erkenntnisse

    Mir scheint, dass man bessere Ergebnisse erhalten kann, wenn man das Verhalten von Häftlingen analysiert, welche in Amerika auf die Vollstreckung des Todesurteils warten. Die wissen nicht, dauert es noch ein halbes Jahr oder doch noch 10 Jahre. Sie haben kaum Freiraum - also ähnlich, wie bei einem solchen Flug - fehlt nur noch die Schwerelosigkeit. - Bei Gesundheitlichen Problemen hätte man beim Experiment genau so ärzliche Hilfe gehabt wie im Gefängis.

  • Reto am 05.11.2011 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlose Geld-/Zeitverschwendung

    So ein experiment ist sinnlos und reine Geldverschwendung. Ohne die Strahlung und die Schwerelosigkeit ist die Erkenntnis nun ganz genau NULL. Die psychischen Erkenntnisse sind ganz genau NULL. Alleine im All zu schweben ohne jemals die Möglichkeit zu haben eine Tür zu öffnen und einfach auszusteigen ist nichtmal ansatzweise vergleichbar mit dieser "Simulation". Wenn ich unter einer Guilllotine den Kopf durch strecke und selbst das Zugseil in der Hand halte, habe ich keine Sekunde Angst. Hat es jemand anderes in der Hand ist es Panik pur.