Tod und Gewalt

17. Dezember 2014 21:59; Akt: 12.02.2019 12:40 Print

Die hässliche Seite der Zeichentrickfilme

Cartoons gelten als bunt, harmlos und herzig. Doch der Schein trügt: Forscher entdeckten darin lauter Grausamkeiten – und sorgen sich um die jungen Zuschauer.

Bildstrecke im Grossformat »
In Cartoons für Kindern herrscht nicht immer eitel Sonnenschein, wie diese Szene aus «Findet Nemo» (2003) zeigt. Die darin vorkommenden Gewaltszenen und Todesfälle sind laut kanadischen Forschern heftiger als in Erwachsenenfilmen wie etwa «Pulp Fiction» (1994) ... ... oder «Black Swan» (2010). So lautet das wissenschaftliche Urteil, nachdem die Forscher die Daten der untersuchten Zeichentrickfilme mit den meist gesehenen Erwachsenenfilmen aus demselben Jahr verglichen hatten. Dabei zeigte sich, dass die Gewalt nicht im Laufe der letzten Jahrzehnte zugenommen hat. Bereits in «Schneewittchen» (1937) geht es wild zu und her. Auch in «Bambi» (1942) ist der Tod ein Thema: Die Mutter des Rehkitz' stirbt in einer der traurigsten Szenen, die je über eine Leinwand flimmerten. Bambi ist nicht der einzige, der früh ein Elternteil verliert. Das gleiche Schicksal ereilt auch «Cinderella» (1950) und ... ... «Peter Pan» (1953). Laut den Forschern sterben die Eltern von animierten Protagonisten fünfmal so häufig wie Familienangehörige in den Erwachsenenfilmen. Weitere Erkenntnis der Studie: Das Risiko, in einem Zeichentrickfilm ermordet zu werden, ist dreimal so hoch wie in einem Erwachsenenfilm. Bestes Beispiel: «König der Löwen» (1994), darin wird der Löwe Mufasa einfach niedergetrampelt. Dabei sterben die Opfer keine sanften Tode. In «Pocahontas» (1995) wird der Krieger Kokoum niedergeschossen. Auch tierische Angriffe führen nicht selten zum Tod, wie das Beispiel «Tarzan» (1999) zeigt. Darin werden seine Eltern nach knapp vier Minuten von einer Raubkatze tot gebissen. Tatsächlich stirbt in zwei Drittel der Animationsfilme wie «Shrek» (2001) eine zentrale Figur, bei den Erwachsenenfilmen ist es nur die Hälfte. Über den ganzen Zeitraum gerechnet ist das Risiko zu sterben für eine Trickfigur 2,5-mal so hoch wie für die Vergleichscharaktere, so die Forscher, die auch «Kung Fu Panda» (2008) unter die Lupe nahmen. Deshalb raten die Experten allen Erwachsenen, Filme wie «Die Eiskönigin - Völlig unverfroren» (2013) nur gemeinsam mit Kindern zu schauen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Zeichentrickfilme begleiten Kinder von ihren ersten Lebensjahren an. Die bunten Bilder, die kinderfreundlich gezeichneten Figuren und die einfach gestrickte Handlung gelten als weitgehend harmlos. Eine Fehleinschätzung, wie kanadische Forscher in der Weihnachtsausgabe des «British Medical Journal» schreiben. Tatsächlich seien Gewalt und Tod in Cartoons keine Seltenheit.

Für die Studie untersuchte das Team um Ian Colman von der University of Ottawa, wie viele Figuren in Cartoons sterben. Insgesamt haben sie 45 Kassenschlager aus den Jahren 1937 bis 2013 analysiert, darunter «Schneewittchen», «Bambi», «Cinderella», «Der König der Löwen», «Kung Fu Panda» und «Die Eiskönigin – Völlig unverfroren». Zudem massen Colman und seine Kollegen die Zeit, die es dauert, bis eine zentrale Trickfigur stirbt. Weiter erfassten sie, ob es sich um einen gewaltsamen Tod handelt und in welcher Beziehung das Opfer zum Protagonisten steht.

Kinder werden nicht geschont

Zusätzlich verglichen die Forscher die Daten mit jeweils zwei der meistgesehenen Erwachsenenfilme aus demselben Jahr. Darunter fanden sich auch Gangsterfilme wie «Pulp Fiction» (1994) und «The Departed – Unter Feinden» (2006).


Auch «Pulp Fiction» (1994) ist nicht ohne – aber nicht so sehr wie «König der Löwen» aus dem gleichen Jahr. (Video: Youtube/Movieclips)

Die Auswertung zeigt: Die vermeintlich harmlosen Kinderfilme sind wesentlich schlimmer als Filme für Erwachsene. So stirbt in zwei Dritteln der Animationsfilme eine zentrale Figur, bei den Erwachsenenfilmen ist es nur die Hälfte. Insgesamt ist das Risiko zu sterben für eine Trickfigur 2,5-mal so hoch wie für Figuren aus Erwachsenenfilmen. Das Risiko ermordet zu werden ist dreimal so hoch.

Auch die Eltern der animierten Protagonisten haben es nicht leicht: Von ihnen sterben sogar fünfmal so viele wie in den Erwachsenenfilmen.


Diese «Bambi»-Szene (1942) geht ans Herz. (Video: Youtube/mightymouse8d's channel)

Brutale Todesfälle

Weitere Erkenntnis: Die Opfer sterben meist keines natürlichen Todes. So wird bei «Bambi», «Peter Pan» und «Pocahontas» geschossen. Auch ein Ableben durch den Dolch und tierische Attacken sind gang und gäbe. In «Tarzan» beispielsweise werden die Eltern nach knapp vier Minuten von einer Raubkatze totgebissen.

Anders als im ersten Moment angenommen, habe die Gewalt im Laufe der Jahrzehnte jedoch nicht zugenommen. Schon in der ersten «Schneewittchen»-Version von 1937 wird die böse Stiefmutter vom Blitz getroffen, stürzt von einer Klippe und wird schliesslich von einem Felsen zermalmt.

Was solche Szenen bei Kindern auslösten, könne man nicht pauschal sagen, so die Forscher. Deshalb raten sie allen Eltern, ihren Nachwuchs auch explizit an Kinder gerichtete Zeichentrickfilme nicht alleine schauen zu lassen – für den Fall, dass die Kleinen in den Arm genommen werden müssen.

(fee)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MufasaFan am 17.12.2014 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Positive Erinnerung

    Ich habe soo geweint bei König der Löwen aber wenn ich zurück denke, ist mir der Film in guter Erinnerung geblieben weil er mich berührt hat. Kinder verstehen viel mehr als man ihnen zutraut und sie können solche Szenen positiv verarbeiten.

  • n.d am 17.12.2014 22:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aha...

    naja.... klar sind die tode in den zeichentrickfilmen nicht suuuper toll. doch genau diese szenen brauchts vielleicht um den kindern die wahre moral der geschichte zu übermitteln!

  • Karl am 17.12.2014 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Unten am Fluss"

    Der Zeichentrickfilm "Unten am Fluss" war damals die Krönung für mich. Von wegen süsse Hasen. Empfehle ich jedem mal zu schauen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • J.s am 18.12.2014 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    Als Kind versteht man manche Dinge anderst als im erwachsenenalter...habe auch erst mit 20ig herausgefunden, dass Peter Pan ein Engel ist und die Kinder in den Himmel begleitet....

    • Benno am 19.12.2014 00:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      Und wie kommst Du darauf, dass die Kinder in Nimmerleinstag tot sind?

    einklappen einklappen
  • thobile am 18.12.2014 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Disney-fan

    Das was die Kinder da fühlen, nennt man Empathie oder Einfühlungsvermögen. Manche Menschen behaupten, diese Eigenschaft wäre wichtig im gesellschaftlichen zusammenleben...

  • Manuela am 18.12.2014 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    übertrieben

    Total übertrieben. mir hat das jedenfalls nicht geschadet und ich habe diese Filme 100x ohne Mami und Papi schauen können. man kann doch kein Trickfilm mit einem Film wie Pulp Fiction vergleichen...

  • Aber Hallo am 18.12.2014 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja wohl der Sinn der Sache

    Nein, echt jetzt? Und dafür werden noch Forscher bezahlt, um Dinge zu erforschen welche sowieso jeder Bürger mit gesundem Menschenverstand bereits schon weis? Unglaublich... Ist ja wohl der Sinn der Sache den Kindern irgendwie pädagogisch schonend solche Schicksalsschläge (wie z.B. Bambi) bzw. andere Grausamkeiten welche täglich in der Welt stattfinden einigermassen auf eine schonende Weise/niedliche Art in Form von Zeichentrickfilmen beizubringen... praktisch jeder Zeichentrickfilm handelt von einem Schicksalsschlag oder dergleichen... das hab ich ja wohl als Kleinkind schon bemerkt...

  • Peter Vogel am 18.12.2014 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    übertreibt es doch

    Fast alles Filme die ich als Kind auch gesehen hab. Trotzdem bin ich weder ein mordender Psychopath noch ein emotionales Wrack geworden. Lasst diese Überfürsorge doch bitte endlich mal bleiben und wendet euch den wichtigen Themen zu (Ressourcenverknappung, Klimaerwärmung, soziale Unruhen....es gäbe viel zu tun)