Weltbevölkerungstag

11. Juli 2012 10:43; Akt: 12.07.2012 18:17 Print

Die letzte Hoffnung: Gebildete Frauen

von Sebastian Engel, DAPD - Die Welt hat bisher kein Rezept gefunden, der Bevölkerungsexplosion Einhalt zu gebieten. Abhilfe schaffen könnten laut Experten bessere Bildungschancen und Jobs für Frauen.

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Wie schnell die Weltbevölkerung tatsächlich wächst, zeigt unsere Infografik (Klick auf das Bild öffnet die Infografik).

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7 057 700 000: Dies ist nicht die Summe eines Hilfspakets für schuldengeplagte Länder, sondern die Zahl der Menschen, die am Mittwoch auf der Erde leben – dem Weltbevölkerungstag der Vereinten Nationen. Ein Ende der sprunghaften Bevölkerungsentwicklung ist Experten zufolge schwer abzusehen. Bis 2100 wird wohl die Zehn-Milliarden-Marke geknackt. Eine gewaltige Herausforderung angesichts von Problemen wie Rohstoffsicherung und Klimawandel.

Schwerpunkt des künftigen Bevölkerungswachstums sind die Entwicklungsländer, wie Ute Stallmeister, Sprecherin der Entwicklungshilfeorganisation Stiftung Weltbevölkerung, erklärt. In Afrika etwa wird sich die Zahl der Menschen nach UNO-Schätzungen in diesem Jahrhundert auf 3,5 Milliarden mehr als verdreifachen. Stallmeister zufolge liegt dies zu einem grossen Teil an der Zahl der ungewollten Geburten. Im Durchschnitt sei auf dem Kontinent etwa jedes fünfte Baby ungewollt. Dazu kommt, dass die Länder südlich der Sahara die höchste Rate an Schwangerschaften unter Teenagern hat.

Zur Eindämmung des Bevölkerungswachstums setzt Stallmeisters Organisation auf die Familienplanung. Kernpunkte dieses Ansatzes lauten: Bildung, adäquate Verhütungsmittel, Aufklärung, Verbesserung des Gesundheitssystems. Bereiche, mit denen sich auch der am Mittwoch in London stattfindende «Familienplanungsgipfel» beschäftigt. Ziel der unter anderem von der britischen Regierung ausgerichteten Konferenz ist es, bis 2020 120 Millionen Frauen in Entwicklungsländern Zugang zu Aufklärung und Verhütung zu verschaffen.

Sekundarbildung für Frauen als Schlüssel zur Entwicklung

Die Familienplanung ist nur einer der zahlreichen Hebel zur Abmilderung des Bevölkerungswachstums und damit der Steigerung der Entwicklungsmöglichkeiten in ärmeren Ländern. Reiner Klingholz hält ihn für notwendig, aber nicht hinreichend. Für den Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung ist Bildung die entscheidendere Komponente – sie ist «das beste Verhütungsmittel». In seinen Augen besonders wichtig ist die Sekundarbildung für Frauen – also die, die über die Grundschulbildung hinausgeht.

Dadurch würden Mädchen etwa nicht gleich in jungen Jahren verheiratet und gingen mit anderen Perspektiven sowie Zielen ins Leben. «Sie fangen später an, Kinder zu kriegen, sie haben weniger Kinder und der Abstand zwischen den einzelnen Kindern wird grösser.» Zugleich verfügten Mütter mit abgeschlossener Sekundarbildung über mehr Entscheidungsfreiheit in Familie und Gesellschaft sowie über höhere Chancen auf Erwerbstätigkeit.

Mehr Jobs schaffen

Klingholz zufolge muss Bildungspolitik auch zwingend einhergehen mit der Schaffung von Arbeitsplätzen. «Die Menschen brauchen eine Lebensperspektive, Möglichkeiten zur Lebensgestaltung und Erwirtschaftung eines eigenen Einkommens.» In der Entwicklungspolitik gibt es Klingholz zufolge bislang vor allem einen Ansatz, für neue Jobs zu sorgen: Afrika soll nach asiatischem Vorbild als verlängerte Werkbank der Welt etabliert werden. Doch diesem Ansatz stünden infrastrukturelle und technische Probleme im Weg.

Aus seiner Sicht sollte sich der Kontinent daher – insbesondere in den ländlichen Regionen – auf den Lebensmittel- und Energiesektor konzentrieren. Vor allem bei den regenerativen Energien schlummerten in Afrika die grössten Wachstums- und Entwicklungspotenziale, glaubt Klingholz.

Allerdings hapert es an der Umsetzung der Entwicklungskonzepte, nicht nur aus finanziellen, sondern unter anderem auch aus religiösen Gründen. Wie Klingholz berichtet, wurden die Themenbereiche Bevölkerung und Familienplanung beim jüngsten Nachhaltigkeitsgipfel in Rio de Janeiro in letzter Minute aus dem Abschlussdokument gestrichen – auf Initiative der katholischen Kirche, fundamentalistischer Kreise in Nordamerika und muslimischer Länder.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • seppl am 11.07.2012 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Zwingende Geburtenkontrolle für alle

    Jeder Staat muss sich verpflichten eine Geburtenkontrolle einzuführen, welche die Zahl der Kinder pro Erwachsenen auf 1 festlegt (also 2 Kinder pro Ehepaar). Vor allem bei Entwicklungsländern welche extreme Geburtenraten aufweisen, ist dies zu erzwingen und zwar über die Steuerung der bezahlten Entwicklungshilfe. (Wer nicht mitmacht, kriegt nichts.) Dadurch wird die Bevölkerung stagnieren und der Ressourcenvorrat pro Kopf langfristig gesichert werden.

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  • jim panse am 11.07.2012 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    polygamie?

    evtl hats auch was mit polygamie zu tun.... siehe islam

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  • Lars am 11.07.2012 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Alle in die Schweiz

    Wo ist das Problem? Die Schweiz nimmt ja alle auf, hauptsache die Wirtschaft läuft.

Die neusten Leser-Kommentare

  • lady73 am 12.07.2012 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das ist nicht ganz richtig so

    Es ist nicht nur die Bildung sonder auch der oft fehlende Respekt mit einander.Denn hierzulande verdient eine Frau mit der gleichen Ausbildung weniger als ein Mann mit der gleichen Ausbildung. Das hat nicht nur mit der Religion zu tun.Im Islam gibt es seit vielen Jahrhunderten die gleichberechtigung zwischen Mann und Frau wo europa das noch gar nicht praktizierte wurde(ich mein damit die Religion nicht die Menschen)

  • P. Nis am 12.07.2012 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wie?

    Wie willst du den Frauen Bildung geben, wenn sie in vielen Kulturen gar keine Bildung geniessen dürfen? Und ironischerweise sind es gerade diese Kulturen, die sich am fleissigsten Vermehren... dieses Problem wird nicht gelöst werden. Gute Nacht!

  • Carina am 12.07.2012 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verteilung ist das Problem

    Es ist ganz klar erwiesen, dass zum heutigen Zeitpunkt GENÜGEND Ressourcen für alle Menschen vorhanden sind. Es ist schlicht nicht gerecht verteilt. Wir leben im Überfluss und die anderen haben zu wenig. Schon mal überlegt wieviel Lebensmittel bei uns im Abfall landen?!

  • Da Du am 12.07.2012 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ressourcenknappheit

    Das Problem ist nicht, dass wir zu wenig Ressourcen und Rohstoffe haben. Das Problem ist die Allokation dieser Mittel

  • Objektiv am 12.07.2012 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kulturell / sozial / religiös bedingt

    Alle die hier so super Ideen haben sind schon etwas anmassend, meint ihr dass verschiedenste internationale Organisationen dumm sind? Solange die Religion Verhütung verbietet, der Staat keine Altersvorsorge anbietet und die Kindersterblichkeit hoch ist werden in Afrika viele Kinder gezeugt. Der Ansatz auf Bildung bezieht sich primär auf Verhütung und Familienplanung, aber solange die anderen Faktoren weiterbestehen und die Kirche das unterminiert ändert sich nichts.