Radioaktiver Fallout

28. Juli 2019 11:41; Akt: 28.07.2019 11:41 Print

Diese Inseln strahlen stärker als Tschernobyl

Die zahlreichen Kernwaffentests der USA im Pazifik wirken bis heute nach: Die radioaktive Verseuchung ist noch immer extrem hoch.

Bildstrecke im Grossformat »
Auf den ersten Blick sieht es hier paradiesisch aus. Doch der Schein trügt, denn die Inseln gehören zum Bikini-Atoll. Die Inseln des Atolls, das rund 3000 Kilometer nordöstlich von Neuguinea liegt ... ... wirken zwar absolut traumhaft, mit langen Sandstränden und blauen Lagunen ... ... allerdings zündeten die Amerikaner hier zwischen 1946 und 1958 knapp 70 nukleare Sprengsätze. (Im Bild: Detonation der Gilda-Bombe im Rahmen der Operation Crossroads, 1. Juli 1946) Unter anderem wurde hier mit Castle Bravo – ganz legal – die stärkste amerikanische thermonukleare Waffe getestet. Die immense Wucht zeigte sich sofort: Castle Bravo pulverisierte eine in der Nähe geschaffene künstliche Insel und riss einen Krater von 1,5 Kilometer Durchmesser und 75 Meter Tiefe in das Atoll. Und die Umwelt leidet laut Forschern bis heute. Laut einer in den «Proceedings of the National Academy of Science» publizierten Studie ist der Castle-Bravo-Krater der am stärksten radioaktiv verseuchte Ort der Südsee. Vor allem die Plutonium- und Americium-Werte liegen dort noch immer um das Zehnfache höher als im Rest des ehemaligen Kernwaffen-Testgebiets. Tatsächlich hinterliess die Castle-Bravo-Detonation stark radioaktiven Fallout. Dies ist auch heute noch nachweisbar und übertrifft ... ... zum Teil sogar die Werte von Tschernobyl und ... ... und des im Jahr 2011 nach einem Erdbeben und einem Tsunami havarierten Atomkraftwerks Fukushima. Konkret heisst das: Die nachweisbare Konzentration radioaktiver Isotope liegt noch immer weit über den Grenzwerten, die die USA ihrerseits mit den Marshall-Inseln vereinbart hatten. (Im Bild: ungefähre Lage der sieben von den USA durchgeführten Kernwaffentests im Bravo-Krater) Aus Sicht der Forscher bedeutet das: Menschen sollten sich auf den Marshall-Inseln nicht zu lange aufhalten – und die bisherigen Schätzungen, wonach die Eilande spätestens 2040 wieder bewohnbar sein sollten, müssen nach hinten korrigiert werden. (Im Bild: Evakuierung der Bikini-Bewohner, 1946)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als wären die Folgen der Atombomben-Abwürfe über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki 1945 nicht schlimm genug gewesen, zündeten die USA bis zum Jahr 1992 noch rund 1000 weitere Nuklearwaffen: 210 in der Atmosphäre, 815 unterirdisch und 5 unter Wasser – alle zu Testzwecken.

Umfrage
Wird jemals noch eine Nuklearwaffe gezündet werden?

Rund 70 dieser Atomtests fanden zwischen 1946 und 1958 auf dem zu den Marshall-Inseln gehörenden Bikini- und dem benachbarten Enewetak-Atoll statt.

Stärkste thermonukleare Waffe der USA

Unter anderem wurde hier am 1. März 1954 mit Castle Bravo die stärkste amerikanische thermonukleare Waffe getestet (siehe Video unten). Die freigesetzte Energie entsprach 15 Megatonnen TNT – mehr als das Tausendfache der Atombombe von Hiroshima.

Die immense Wucht zeigte sich sofort: Castle Bravo pulverisierte eine in der Nähe geschaffene künstliche Insel und riss einen Krater von 1,5 Kilometer Durchmesser und 75 Meter Tiefe in das Atoll. Und die Umwelt leidet laut Forschern bis heute.

Grenzwerte deutlich überschritten

Wie das Team um Emlyn Hughes von der Columbia University in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichtet, hinterliess Castle Bravo auch stark radioaktiven Fallout. Dieser ist bis heute nachweisbar und übertrifft zum Teil sogar die Werte von Tschernobyl und Fukushima.

Castle Bravo hatte infolge falscher Berechnungen fast dreimal soviel Sprengkraft wie erwartet. (Video: Youtube/nsarchive)

Anders ausgedrückt: Die heute noch nachweisbare Konzentration radioaktiver Isotope liegt noch immer weit über den Grenzwerten, die die USA seinerzeit mit den Marshall-Inseln vereinbart hatten – dies sowohl im Gewässer als auch in Früchten an Land (siehe Box).

Nicht den gleichen Fehler noch einmal machen

Aus Sicht der Forscher bedeutet das: Menschen sollten sich auf den Marshall-Inseln nicht zu lange aufhalten – und die bisherigen Schätzungen, wonach die Eilande spätestens 2040 wieder bewohnbar sein sollten, müssen nach hinten korrigiert werden.

Schon einmal hatte man die einstigen Bewohner, die vor den ersten Atomtests umgesiedelt worden waren, in ihre Heimat zurückkehren lassen. Doch damals zeigte sich: Obwohl die letzten Tests bereits einige Jahre zurücklagen, war die Strahlenbelastung noch immer viel zu hoch, als dass sich Menschen ihr aussetzen sollten. Entsprechend mussten die gerade erst wieder hergezogenen in den 1970er-Jahren erneut wegziehen.

Nicht nur im Bikini-Atoll, auch im benachbarten Eniwetok-Atoll wurden Kernwaffen gezündet – wie hier während der Operation Hardtack-1. (Video: LLNL)

(fee)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robin am 28.07.2019 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und die Welt schweigt

    Und Welt schweigt Keine Sanktionen keine Verurteilung Das sie die Welt verstrahlt haben Und die Welt schweigt

    einklappen einklappen
  • urs am 28.07.2019 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fantastisch

    wo bleiben die entschädigungszahlungen für die verschmutzung!!!

    einklappen einklappen
  • Naturfreund am 28.07.2019 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstzerstörung

    Es ist schon komisch, dass der Mensch auf einem so schönen Planeten wohnt und sich dabei selber zerstört.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruedi O am 29.07.2019 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Zar-Bomba

    Wie's heute wohl auf Nowaja Semlja aussehen mag, wo 1961 die Zar-Bombe aus einer Tu-95 abgeworfen wurde, aus 10 km Höhe, mit 57 Megatonnen TNT-Äquivalent die größte je gezündete Wasserstoffbombe, in 4 km Höhe. Die Druckwelle umrundete die Erde zweieinhalb mal. Total wurden dort 130 Atombombenversuche gemacht. Heute leben auf den riesigen Inseln des Archipels etwa 2500 Menschen und (zu) viele hungrige Eisbären, wie man im Februar dieses Jahres in den Medien lesen konnte. Man vergleiche mit Castle Bravo.

  • Walt1 am 29.07.2019 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Unbekanntem Experimentieren

    Wahrscheinlich nicht das einzige Mal, dass wir mit (fast)unbekannten Substanzen experimentierten und erst später die Nebeneffekte richtig verstanden haben. Evtl. gibt es noch andere Plätze, die wir mit anderen Substanzen verseucht haben, diese aber nie an die Öffentlichkeit gerieten. Für diesen Wahnsinn nutzen wir unsere Intelligenz, nur um später herauszufinden, dass es doch nicht so Intelligent war. So intelligent sind wir demnach nicht, wie wir immer zu wissen meinen. Das führt uns noch ins Verderben und damit fing es damals an. Wir müssen noch sehr viel lernen.

  • Christoph Fröhlich am 28.07.2019 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Soll alle im Gefängnis

    Warum nur USA? China, Frankreich, Indien und Russland? Wer hat das Finanziert? Wer hatte es die Interesse weiter zu Testen? Ich hoffe nur, dass Greta Aktivisten und die Grünen auf diesen Insel mit Plakaten vor Ort Demostrieren. Für diesen Fahrt dort hin, finanziert die Deutsche und Holländer mit dem Freiwilligen Mitorganisierten Deutsche und Holländische Menschenhandel Schiffen. Dazu einen Ehremetalien von Franzosen und Spaniens. Egal ob die 1000 Freiwilligen Helfer vor Ort im Afrika die Kranken und die Armen Ihren Leben Opfern um Sie zuhelfen. Das sind waren Helden nicht die Reiche Capitana.

  • Franziska Heeb am 28.07.2019 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die Jungen tun mir jetzt schon leid!

    Albert Metzger hat sowas von Recht, auch ich habe nichts falsches gemacht! Ich lebe ein einfaches Leben und habe nie etwas falsches entsorgt oder sonst gesündigt. Zum Teufel mit all den Besserwissern. Ich mache was mir passt! Lebe mein leben, mit all seinen Facetten....:-)

  • Martial2 am 28.07.2019 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum sollte USA entschädigen?

    Das wäre an Mr. President zu reagieren, das kann er aber nicht, weil er diese Geschichte nicht kennt. Der weiss nicht ein Mal, dass Belgien ein Land ist... Er sagte damals: Belgien ist eine schöne Stadt...Das heisst schon viel über ihn!