Retter in der Not

24. Oktober 2014 23:12; Akt: 24.10.2014 23:12 Print

Diese Roboter gehen da hin, wo sich keiner hintraut

von Santina Russo - Nach einem Unglück sollen künftig Roboter das Gefahrengebiet kriechend, schwimmend und laufend erkunden. Die Entwicklung läuft auf Hochtouren.

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Wenn es für den Menschen zu gefährlich wird oder ein Gebiet nur schwer zugänglich ist, könnten in Zukunft Roboter erste Erkundungen sowie Such- und Rettungsaktionen durchführen.

Damit das möglich ist, müssen die mechanischen Retter selbständig Hindernisse überwinden, Steigungen erklimmen oder sich auf unwegsamem Untergrund wie Kies oder Schlamm bewegen können. «Roboter, die durch Räder oder Kettenraupen angetrieben werden, kommen da schnell an ihre Grenzen», sagt Auke Ijspeert, Leiter des Labors für Biorobotik an der ETH Lausanne.

Vielfalt an Lösungen

Deshalb sind neue Bewegungskonzepte gefragt. Dazu inspirieren lassen sich Forschende der ETHs Zürich und Lausanne von der Natur: Sie untersuchen die Fortbewegungs-Apparate von verschiedenen Tieren und versuchen, diese nachzubauen.

«Ob kriechen, gehen oder schwimmen, die Tierwelt bietet uns eine Vielfalt an Lösungen», so Ijspeert. Noch sind die mechanischen Nachbildungen im Entwicklungsstadium. Bis in vier Jahren wollen die Roboterbauer aber so weit sein, mit einigen Modellen – etwa dem Roboterhund StarlETH – erste Feldtests durchzuführen.

Salamandra robotica II

Wie sein lebendiges Vorbild, der Salamander, kommt auch dieser Roboter der ETH Lausanne an Land und im Wasser zurecht. Auf festem Untergrund bewegt er sich kriechend – selbst über unebene Oberflächen und kleine Hindernisse. So richtig flink wird der mechanische Salamander aber erst im Wasser. Dort klappt er seine Beine an den Körper und gleitet mit schlangenhaften Bewegungen durchs Nass.

Mit rund zwei Kilometern pro Stunde ist er fast so schnell wie ein echter Salamander. Künftig könnten solche amphibischen Roboter bei der Erkundung von Katastrophengebieten nach Erdbeben oder Überschwemmungen eingesetzt werden.


Die Ähnlichkeiten zwischen Salamander und Salamandra sind frappierend. (Video: EPFL)

Sepios

Für diesen Unterwasserroboter liessen sich Studierende der ETH Zürich von den Bewegungen von Sepien, einer Tintenfischart, inspirieren.

Vier grosse Flossen bewegen sich wellenförmig, ihr Zusammenspiel sorgt gleichzeitig für Antrieb und Steuerung. Dadurch ist Sepios zwar langsamer als von Propellern angetriebene Roboter, aber seine Bewegungen sind präziser: Er schwimmt genau so gut rückwärts wie vorwärts, kann abrupt abbremsen und auch seitwärts schwimmen. Für den Einsatz in Wasserbecken von technischen Anlagen, etwa AKWs, wäre das ein grosser Vorteil.


Sepios überzeugt auch unterwasser. (Video: Youtube/Sepios)

Roboterhund und –katze

«Cheetah-Cub» heisst der neuste Vierfüsser des Labors für Biorobotik der ETH Lausanne. Zu Deutsch: Gepardenjunges. Ganz so schnell unterwegs wie sein natürliches Vorbild ist der Roboter zwar nicht: Er schafft etwas mehr als fünf Kilometer pro Stunde. Für seine Grösse ist das beachtlich: Der nur ein Kilo schwere Cheetah-Cub legt in einer Sekunde siebenmal seine Körperlänge zurück.


Der Cheetah-Cub ist flink unterwegs. (Video: EPFL)

Nicht ganz so schnell, dafür aber vielseitiger und robuster ist der von der ETH Zürich entwickelte «StarlETH». Er ist einen halben Meter hoch und wiegt 25 Kilo. Auf seinem Rücken kann er weitere 10 Kilo Material tragen – beispielsweise Kameras oder Lasersensoren.


So bewegt sich der StarlETH. (Video: Youtube/StarlETH at ICRRA 2013)

Besonders wichtig bei vierfüssigen Robotern sind die elastischen Antriebssysteme in ihren Beinen, welche die Aufgaben von Muskeln und Sehnen übernehmen. Sie machen die Bewegungen der Roboter geschmeidig und ermöglichen es so, dass sie selbständig Hindernisse überwinden – eine Voraussetzung, um sie in Gefahrengebieten einzusetzen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sergio am 25.10.2014 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    wenn man selber betroffen ist.einen Katastrophe/Unfall erlebt hat.wir wären froh gewesen für diese Hilfe.

  • Daniel am 25.10.2014 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Roboter & Rettungseinsätze

    Seit wie vielen Jahren, Jahrzehnte hören wir das schon? In Fukushima dachte ich echt ok, jetzt kommen die Japaner mit irgend so Roboter, schliesslich zeigen sie diese immer an den Tech Messen. Aber Fehlanzeige, es fehlten sogar die Gummistiefel für die (menschlichen) Rettungskräfte.

  • George Orwell am 25.10.2014 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nur der Anfang

    Und bald sind diese Robotter überall....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lee am 26.10.2014 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    roboter für gefährliche einsätze

    entwiklung laufen auf hochturen für so was wird alles in bewegung gesetzt da lässt sich anscheinend viel mehr geld verdienen als entwiklungen von medizinischen mitteln für beendigung und besiegen aller krebsleiden für den menschen. seit jaharzehnten wird geforscht gegen den krebs aber ergebnisse für den totalen sieg über den krebs wo sind die? nirgens! alles ein geldmacherei damit weiterhin milliarden in die krebsbekämpfung investiert und spenden gesammelt werden für hohe löhne der vorschenden mediziner/innen. der krebs des menschen darf garnie besiegt werden weil dann die grösste einnahmequelle verloren gehen würde.

  • Mike Schramm am 25.10.2014 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Replizierte Biologie

    Sepios und Salamander 2 sind die wirklich interessanten Ansätze. Es dürfte in der Tat effizienter sein auf der aktuellen Stufe der Entwicklung auf weniger komplexe Fortbewegungsmechanismen aus dem Bereich von Wirbellosen und Reptilien zu setzen.

  • Daniel am 25.10.2014 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Roboter & Rettungseinsätze

    Seit wie vielen Jahren, Jahrzehnte hören wir das schon? In Fukushima dachte ich echt ok, jetzt kommen die Japaner mit irgend so Roboter, schliesslich zeigen sie diese immer an den Tech Messen. Aber Fehlanzeige, es fehlten sogar die Gummistiefel für die (menschlichen) Rettungskräfte.

  • Nur So Nebenbei am 25.10.2014 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boston Dynamics

    Schon etwas von Boston Dynamics gehört? Sie sind mit den Vierfüsslern technisch viel weiter. Aber sicher gut, dass wir in der Schweiz auch forschen. Vielleicht holen wir die Amis irgendwann mal ein... oder überholen sogar?

    • S. Järmann am 25.10.2014 10:14 Report Diesen Beitrag melden

      Boston Dynamics

      Ja Boston Dynamics sind zweifelsohne die Leader. Ich verstehe nicht, dass sie im Artikel nicht mal als Referenz erwähnt werden!

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  • W.Smith am 25.10.2014 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Najaaa....

    Solange sie nur das machen ist ja gut.. Aber ich will auf keinen Fall so etwas wie in iRobot!

    • TechGuide am 25.10.2014 13:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Illusion

      den iRobot gibts schon, der reinigt den Boden (Roomba). Robotik wird in Zukunft genau sowenig wegzudenken sein wie Smartphones und mobiles Internet

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