Plastikfressendes Enzym

18. April 2018 10:17; Akt: 18.04.2018 12:48 Print

Diese Zufallsentdeckung könnte die Welt retten

Der Plastikmüll in den Meeren ist ein Problem. Nun haben Forscher ein Enzym so verändert, dass es PET innerhalb weniger Tage zersetzen kann.

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Polyethylenterephthalat (PET) ist der meistbenutzte Kunststoff bei der Herstellung von Plastikflaschen – es braucht mehrere Hundert Jahre, bis dieser sich zersetzt hat. Was das für die Umwelt bedeutet, ist unter anderem den Weltmeeren anzusehen. Doch möglicherweise naht Rettung: Ein Forschungsteam aus den USA und Grossbritannien hat durch Zufall ein Enzym geschaffen, das PET «frisst». Die Forscher wollen nun das Enzym so weiterentwickeln, dass es eines Tages zur industriellen Vernichtung von Plastik verwendet werden kann. (Im Bild: Elektronenmikroskopische Aufnahme des Enzyms beim PET-Zersetzen) Wie wichtig es ist, eine Lösung gegen den Plastikmüll zu finden, zeigt unter anderem die US-Lifestyle-Bloggerin Amelia Whelan. Sie zeigt die vermeintlich paradiesischen Strände so, wie sie sind: Gleich mehrere Bilder und Videos zeigen die wahre Situation auf der indonesischen Insel Bali. Da verwundert es nicht, dass es gleich mehrere Bestrebungen gibt, das weltweite Plastikproblem in den Griff zu bekommen. Eine solche Bestrebung wäre der Quadrimaran Manta. Mit seiner Hilfe sollen pro Törn jeweils 600 Kubikmeter Plastikmüll aus dem Meer gefischt werden. So plant es der gebürtige Schweizer Yvan Bourgnon, der die Manta entworfen und entwickelt hat. Auslöser waren Beobachtungen während seiner Weltumrundung mit dem Sportkatamaran. Damals konnte er das Ausmass der Ozeanverschmutzung mit eigenen Augen sehen. (Symbolbild: Meeresboden vor Sizilien, 2017) Noch gibt es die Manta erst als Modell. 2020 soll dann mit dem Bau des Quadrimarans begonnen werden. Laut Bourgnon wird er 70 Meter lang, 49 Meter breit, 61 Meter hoch und 2500 Tonnen schwer sein. Wind und Strom aus erneuerbaren Quellen sollen ihn antreiben. An Bord des Schiffs ... (Im Bild: Grafik aus dem Jahr 2016) ... befindet sich ein Sortierwerk. Die mit Förderbändern aus dem Wasser geholten Abfälle werden an Bord verdichtet. Über 250 Tonnen Plastik kann das Schiff aufnehmen, bis seine Ladung in einem Hafen gelöscht werden muss. An Land sollen die Abfälle fachgerecht wiederverwertet werden. Ziel des Projekts «The Sea Cleaners» ist es, Plastik aus dem Meer zu holen, bevor es sich in Nanopartikel zersetzt und von lebenden Organismen aufgenommen wird. Diese sind sowohl an Land zu finden, wie diese in Brasilien an den Strand gespülte und in Plastik gewickelte Schildkröte zeigt, ... ... als auch im Wasser. Das Problem: Kunststoffteile zu fressen, ist für Meerestiere ungesund und zum Teil sogar tödlich – trotzdem machen sie es immerzu. Den Grund dafür haben Forscher der University of California Davis 2017 herausgefunden: Sie werden vom Duft der umhertreibenden Plastikteile, genauer vom Geruch von darauf wachsenden Organismen angelockt. In der Studie reagierten die Versuchstiere auf eine nach den Algen riechende Lösung ähnlich wie auf echtes Futter: Sie rückten zusammen und orientierten sich plötzlich nicht mehr an der Strömung, sondern an dem Duft. (Im Bild: Die Reaktion der Fische auf die Geruchslösung) Fügten die Forscher dem Wasser eine andere Lösung zu, die nur nach Plastik, nicht aber nach Algen roch, zeigten die Fische keine Reaktion. (Im Bild: Die Reaktion der Fische auf die Geruchslösung) Daraus folgern die Wissenschaftler, dass der für die Fische so verlockende Geruch nicht vom Plastik selbst, sondern von den darauf wachsenden Algen stammt. All das zeigt: Es ist höchste Zeit, etwas gegen die Unmengen Kunststoff in Meeren, Stränden, aber auch in Flüssen zu unternehmen. Deshalb hat es beispielsweise an vielen deutschen Nordseestränden sogenannte Strand-Müll-Boxen. Diese wurden speziell für den Müll aus dem Meer aufgestellt und werden rege genutzt. (Im Bild: Box am Strand der Insel Juist) Weil die rege Nutzung angesichts der gigantischen Menschen Plastikmüll in Meeren und an Stränden noch nicht ausreicht, werden Einheimische und Touristen nun auch auf Social Media zum Mithelfen aufgerufen. Doch nicht nur Normalbürger, ... ... sondern auch Popstars setzen sich für weniger Plastik im Meer ein: Pharrell Williams beispielsweise investierte in das Biotech-Start-up Bionic Yarn, das Kunststoffe aus dem Meer zu Garn verarbeitet. Dieses wurde unter anderem in der «Raw for the Oceans»-Kollektion von G-Star verwendet. Der niederländische Luft- und Raumfahrttechnik-Student Boyan Slat dagegen wurde erst aufgrund seines Einsatzes für saubere Ozeane bekannt. Er hat nämlich vor, die Meere mit riesigen schwimmenden Filtern vom Plastikmüll befreien, ohne dass dabei die Tiere im Wasser gestört werden. Einen anderen Weg haben die Personen hinter der «Fishing for Litter»-Initiative eingeschlagen. Sie verteilten kostenlose Industriemüllsäcke an Fischer, in welche diese all den Müll füllen können, der ihnen bei der Arbeit begegnet. An vielen europäischen Häfen wurden zudem Müllcontainer aufgestellt, in denen der eingesammelte Abfall kostenlos entsorgt werden kann. An manchen Orten bekommen die Arbeiter sogar Geld für ihren Plastikfang. Und auch ein ganz junger Schweizer setzt sich für die Rettung der Ozeane ein: Bereits im Alter von 13 Jahren hat Aidan Klammer zusammen mit seinen Eltern die App «Clean Ocean» entwickelt. Wer sie nutzt, soll dort künftig Fotos verschmutzter Strände hochladen und lokalisieren. Anderen Usern wird der Eintrag angezeigt. Den Grund, warum sich so viele Menschen für saubere Meere einsetzen, fasst Kapitän Paul Watson perfekt zusammen: «Wenn die Ozeane sterben, sterben wir.»

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Durch Zufall haben Forscher aus den USA und Grossbritannien ein Plastik zerstörendes Enzym geschaffen, welches das Problem der Vermüllung beheben könnte.

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Die Wissenschaftler der britischen Universität Portsmouth und des Labors für erneuerbare Energien des US-Energieministeriums hatten ein in Japan entdecktes Bakterium untersucht, das den Kunststoff Polyethylenterephthalat (PET), aus dem viele Plastikflaschen hergestellt sind, «frisst».

Grosses Problem, grosse Hoffnung

Das US-britische Forscherteam wollte untersuchen, wie eines der Enzyme des Bakteriums, das PETase, funktioniert. «Aber sie sind etwas weiter gegangen und haben aus Versehen ein Enzym hergestellt, das noch effizienter ist, um PET-Plastik zu zersetzen», heisst es in der Studie, die in der Fachzeitschrift «Proceedings of the American Academy of Sciences» veröffentlicht wurde.

Mehr als acht Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in den Weltmeeren. Es herrscht zunehmend Besorgnis über die Folgen für die Umwelt und die menschliche Gesundheit, denn trotz Recycling-Bemühungen bleibt die grosse Mehrheit des Plastikmülls über Hunderte von Jahre erhalten.

Die Wissenschaft und auch private Tüftler sind daher auf der Suche nach Methoden, um den Kunststoff zu vernichten. Nach ihrer Zufallsentdeckung wollen die Forscher versuchen, das Enzym zu perfektionieren, damit es eines Tages zur industriellen Vernichtung von Plastik verwendet werden kann.

(fee/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • iousili am 18.04.2018 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Ansätze

    Absolut dankbar für solche Ideen, nur wird die Abfallpest dadurch gefördert. Beispiel Zürich: 3 mal am Tag werden gewisse Ecken gereinigt damit es sauber bleibt. Verantwortung wird abgenommen.

  • roland moser am 18.04.2018 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Déjà vu...

    ...und es funktionierte in der Natur NICHT!

    einklappen einklappen
  • Dave74 am 18.04.2018 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Und weiter?

    Und was entsteht aus dem aufgefressenen Plastik? Luft und Liebe?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan Nachdenklich am 19.04.2018 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Laborbakterium oder Natur

    Bakterium was normale Menschen nicht nachvollziehen können und daraus trinken... Wie wäre es mit natürlichem hanfsamenöl statt Erdöl und der Kunststoff zersetzt sich auch nach einer kurzen Zeit.... oder doch lieber ein bakterium mehr aus einem laborfehler in der trinkflasche....

  • piti am 19.04.2018 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    symptombekämpfung

    wieso versuchen wir immer die probleme zu lösen indem wir eine neue technologie suchen? wieso nicht einfach mal die ursache bekämpfen

  • Anna Espinosa am 19.04.2018 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Fast unmöglich

    Auf Plastik verzichten? Das ist heutzutage einfach fast unmöglich. Bzw. mit erheblichem Aufwand verbunden, so dass es das Leben bestimmen würde. Hier muss die Politik eingreifen mit Verboten. Anders geht es vermutlich nicht.

  • Welt braucht kein Mensch am 19.04.2018 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Welt

    Die Welt wird es wohl nicht retten, aber die arroganten Verschmutzer die meinen sie seien die Welt.

  • Thunder83 am 19.04.2018 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufklärung

    Finde ich super! ...Nur hoffe ich, dass es keinen Freipass ist, weiter Müll auf diese weise zu entsorgen. - Aufklärungsarbeit ist auch gefordert.