Neue Todesursache

01. Juli 2018 08:06; Akt: 01.07.2018 08:06 Print

Schädel von Pompeji-Pechvogel gefunden

Es sah so aus, als wäre dieser Pompejaner beim Vulkanausbruch von einem Stein erschlagen worden. Doch nun gilt eine andere Todesursache als wahrscheinlicher.

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Die Nähe zum Vesuv brachte beim Ausbruch des Vulkans im Jahr 79 vielen Pompejanern den Tod. Auch ihm wurde die historische Naturkatastrophe zum Verhängnis: das Skelett eines etwa 35 Jahre alten Mannes, der beim Ausbruch des Vesuvs den Tod fand. (29. Mai 2018) Vorsichtig legt die Anthropologin Valeria Amoretti das Skelett mit einem Pinsel frei. Was die fast 2000 Jahre alten Knochen über den einstigen Mann aus Fleisch und Blut verraten: Aufgrund einer Beininfektion war er offenbar gehbehindert. Wo eigentlich der Schädel des Opfers ruhen sollte, lag ein grosser Steinblock. Das führte erst zur Annahme, dass der Mann erschlagen worden war. Der spätere Fund des intakten Schädels macht diese These nun aber zunichte. Der Mann wahr wohl wie viele seiner Leidensgenossen aufgrund der heissen Gas- und Aschewolke erstickt. Doch auch wer rechtzeitig vor dem Vulkanausbruch floh und diesen überlebte, dürfte den Einfluss des Feuerbergs gespürt haben. (Im Bild: Pompeji und der Vesuv um 1900) Das geht aus einer Studie von dänischen Forschern hervor, in der sie die Wasserleitungen der Stadt chemisch untersuchten. Die Analyse der historischen Rohre zeigte, dass sie nicht nur mit Blei, sondern auch mit Antimon verseucht waren. Das Element gilt als so giftig wie Blei und Arsen und soll krebserregend sein. Schon kleine Dosen können zu akuten Schäden an Organen wie Leber und Nieren führen, in jedem Fall lösen sie starken Durchfall und Erbrechen aus. Bereits 200 bis 1200 Milligramm des Halbmetalls gelten als tödlich. Die in Pompeji nachgewiesenen «Konzentrationen waren definitiv hoch genug, um für die alten Römer zu Problemen zu führen», zitiert die Hochschule die Forscher. «Ihr Wasser war eindeutig gesundheitsschädlich.» Laut den Forschern seien damals offenbar nicht nur die Rohre mit dem giftigen Antimon versetzt gewesen, sondern auch das in Stadt und Umgebung geförderte Grundwasser. Schliesslich komme das Element häufig in der Nähe von Vulkanen vor. (Im Bild: der Vesuv von Pompeji aus gesehen, 1998) Ein Forscher trägt ein zu Stein gewordenes Pompeji-Opfer aus der Ausgrabungsstätte. Der kleine Stadtbewohner ist einer von vielen, ... ... die am 24. August 79 beim Ausbruch des Vesuvs lebendig begraben wurden. Knapp 1900 Jahre nach der Naturkatastrophe hat ein interdisziplinäres Forscherteam nun 86 dieser Steinmumien mithilfe eines Computertomografen untersucht. Die Aufnahmen können sich sehen lassen. Sie zeigen, dass vor allem die Skelette der Verstorbenen die Zeit überdauert haben – manche besser erhalten, ... ... manche weniger gut. Je nach Aufnahmetechnik sind teilweise auch die Weichteile der Opfer gut zu erkennen. Bei diesem etwa dreijährigen Kind blieb sogar die Kleidung, die es zur Zeit des Vesuv-Ausbruchs getragen hat, erhalten. Doch das ist noch nicht alles: Die Forscher um Stefanie Giudice vom Archäologischen Nationalmuseum in Neapel entdeckten auch versteinerte Haut sowie ... ... erstaunlich gut erhaltene Zähne. Ein Umstand, der laut den Experten auf die gesunde Ernährung in Pompeji zurückzuführen ist. Doch die Forscher beliessen es nicht bei den Menschen: Sie untersuchten auch versteinerte Tiere wie diesen Hund.

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Ende Mai sorgten Archäologen in Italien mit ihrem Fund für Schlagzeilen und Aufregung in den sozialen Medien. Sie hatten in Pompeji das Skelett eines etwa 35-jährigen Mannes freigelegt. Sein Brustkorb war zerschmettert und ihm fehlte der Kopf. An dessen Stelle lag ein etwa 300 Kilogramm schwerer Steinblock.

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Die Vermutung lag also nahe, dass der Mann beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. nicht durch den pyroklastischen Strom, also die heisse Gas- und Aschewolke, getötet wurde, sondern durch einstürzendes Mauerwerk. Doch nun haben die Archäologen ihre erste Analyse revidiert. Der Grund: Sie haben den Schädel des Mannes gefunden und zwar in ausgezeichnetem Zustand.

Keine Bruchspuren

Dazu schreiben die italienischen Forscher in einem Facebook-Post: «In der ersten Phase der Ausgrabungen sah es so aus, als seien der obere Teil des Brustkorbs und der Schädel abgerissen und von Steinblock, der das Opfer zerschmetterte, nach unten gezogen worden.» Diese These sei aufgrund der Lage des Steins und des Abdrucks des Körpers in der Asche aufgestellt worden. «Nach weiteren Untersuchungen wurde der Kopf gefunden, auf einer tieferen Ebene als der Rest des Körpers», heisst es weiter.

Der Schädel selbst zeigt keine Spuren eines Knochenbruchs. Das deutet darauf hin, dass der Unglücksrabe damals wohl nicht von herumfliegenden Steinen oder einstürzendem Mauerwerk erschlagen worden ist. «Sein Tod war vermutlich nicht, wie ursprünglich angenommen, auf den Einschlag des Steinblocks zurückzuführen, sondern auf Ersticken aufgrund des pyroklastischen Stroms», so das Fazit der Archäologen.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Siciliano am 01.07.2018 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso hat er den Kopf verloren?

    Mir ist überhaupt nicht klar, wie der Kopf überhaupt verloren gehen konnte. Hat das jemand aus dem Text lesen können? Ich nicht...

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  • Sc am 01.07.2018 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Informativ

    Sehr interessanter Artikel und das ohne Ironie!

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  • Realo am 01.07.2018 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wer sich wirklich für Pompeij

    interessiert, stattet dieser Stätte idealerweise selbst einen Besuch ab und plant dafür auch genügend Zeit ein. Die hier vorgesetzten Häppchen haben sich damit dann erledigt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 01.07.2018 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Zähne?

    Asche (von Auberginen am Besten) oder Süssholz zum Zähneputzen, weniger Zucker, keine Pestizide & Insektizide, keine industriell hergestellte Nahrung, weniger Säure, weniger Alkaloide, wie sie heutzutage in vielen Medikamenten zu finden sind, und die zu Haar - und Zahnausfall führen.

    • Bartli am 01.07.2018 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      Innerlich durch heisse Asche verbrüht

      Dafür haben sie verseuchtes, bleihaltiges Wasser getrunken. Wahren wohl noch sehr jung, all diese Steinmumien mit schönen Zähnen. Früher hatten sie andere Gifte eben. So alt wurden die Menschen ja nicht, daher enstpricht auch deren schöne Fasade der heutigen Vorstellungen. Man starb irgendwie noch noch nicht so verbraucht, ausser die Armen und die Sklavenn natürlich.

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  • Rubbel am 01.07.2018 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Pechvogel?

    Naja, wenn man die Wahl zwischen langsamen, qualvollem Sterben durch Einatmen von ätzender, giftiger Luft oder einem schnellen Ende durch einen herabstürzenden Stein hat, was würde man bevorzugen?

    • Courroxxi798 am 01.07.2018 13:27 Report Diesen Beitrag melden

      Das Ersticken infolge massiven

      Sauerstoffmangels in der giftigen Luft geht sehr schnell. Allerdings - Pechvögel waren sie alle, nicht nur dieser hier. Unter ihnen z.B. Plinius der Ältere, der nochmals nach Stabiae zurückgesegelt war, um Leuten zu helfen.

    • Noob am 01.07.2018 23:45 Report Diesen Beitrag melden

      Tod wegen Sauerstoffmangen ist angenehm

      Zuerst lachst dich kaputt und dann schläfst man einfach ein.Vulkanische Asche hingegen ist nicht wie Holzasche das ist eher wie winzig kleine Rasiermesserscharfe Glassplätchen, die dir wenn du sie einatmest die Lungenbläschen zerfetzen, worauf dir das Blut in die Lunge läuft und du daran ertrinkst. Zudem werden Pyroklastische Ströme/Glutlavinen von denen Pompej erfasst wurde bis 1000 °C heiss. Was heisst deine Haut, Haare und Atemwege werden binnen millisekunden einfach weggebrannt dir zerplatzen die Augen innert Sekunden durch dem Dampfdruck und dein Gehirn ist innert Minuten gar gekocht .

    • Abetzede am 02.07.2018 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      @Noob

      wow, das könnte glatt ein Text von einen Death Metal Song sein.

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  • Skeptiker am 01.07.2018 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, und heute?

    Pompeji hatte ca. 10.000 Einwohner - heute wären ca. 600.000 Menschen in der Roten Zone (höchste Gefährdungsstufe) betroffen - der Vesuv ist nach wie vor aktiv und könnte irgendwann wieder so verheerend ausbrechen, wie damals. Selbst wenn der Vulkan messtechnisch überwacht wird - wird eine Evakuierung reibungslos klappen oder würden dann Archaeologen in 2000 Jahren das Selbe vorfinden, wie wir heute in Pompeji?

    • Skeptischer Skeptiker am 01.07.2018 13:39 Report Diesen Beitrag melden

      Globalisierung und Vernetzung

      Keine Archeologen in 2000 Jahren würden das untersuchen. Globalisierte Welt und so... Bereits am ersten Tag ab dem die Gegend wieder begehbar ist würden Teams aus der ganzen Welt eintrudeln.. ;)

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  • M.G. am 01.07.2018 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Beten und Hoffen

    im alten Pompeji versammelte sich die Familie vor dem Hausaltar und rief die Schutzgötter des Hauses, die Penaten an auf das sie die Katastrophe abwenden würden. Heutzutage tragen sie Figuren vom neapolitanischen Schutzheiligen San Gennaro vor sich her. Das hat damals auf Dauer nicht funktioniert und wird auch heute nicht funktionieren. Bricht der Vulkan aus dann ist für Neapel und Umgebung sowieso alles vorbei. Wenn man auf einem Pulverfass lebt wird das irgendwann explodieren.

  • Stein am 01.07.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Logische Wissenschafter?

    So so. Wenn jemandem der Kopf abgeschlagen wird ist häufig der Kopf noch total intakt. Der Mensch ist trotzdem tot.

    • susanna am 02.07.2018 09:51 Report Diesen Beitrag melden

      ohje..

      lies doch zuerst mal den Artikel, bevor du losplärrst. Sie dachten, ihm sei der Schädel von einem Stein eingeschlagen worden, also hätte der Schädel zerdrückt sein müssen.

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