Überlebenskünstler

03. Oktober 2019 20:25; Akt: 03.10.2019 20:25 Print

Diesen Extremwurm gibts in drei Geschlechtern

Der Mono Lake in Kalifornien ist so unwirtlich, dass man darin nur zwei Tierarten vermutete. Jetzt wurden weitere entdeckt – mit zum Teil erstaunlichen Fähigkeiten.

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Der schöne Schein trügt: Der Mono Lake ist weniger lebenswert, als man angesichts solcher Aufnahmen denken könnte. Der Mensch trägt daran eine Mitschuld. So wird aus Zubringern des Mono Lake seit dem Jahr 1941 Trinkwasser abgezweigt, um die Stadt Los Angeles zu versorgen. Dadurch sank der Wasserspiegel des Sees kontinuierlich ab, wodurch unter anderem der Salzgehalt stieg. (Im Bild: Mono Lake vom Westen aus) Zugleich wurden im See und am Ufer zahlreiche unter Wasser entstandene Kalktuff-Gebilde in bizarren Formen sichtbar, was zur Bekanntheit des Sees beitrug. Doch das sind nicht die einzigen Eigenarten des Sees. Er ist zudem auch stark alkalisch und voller Arsen, wodurch in ihm nur wenig Leben zu finden ist. An die extremen Bedingungen hatten sich neben Algen und Bakterien ... ... nur der Salzkrebs der Art Artemia monica ... ... und die Salzfliege der Art Ephydra hians angepasst. So dachte man zumindest bisher. Doch nun haben Forscher um Paul Sternberg vom California Institute of Technology (Caltech) in und um den See acht mikroskopisch kleine Fadenwurmspezies entdeckt. Eine von ihnen ist besonders faszinierend, so die Wissenschaftler. (Im Bild: Sternbergs Kollege Amir Sapir) Das namenlose Tier (Bild) verträgt Arsenwerte, die 500-mal höher sind als die für den Menschen tödliche Dosis. Zudem verfügt es über drei Geschlechter: Es gibt Weibchen, Männchen und Hermaphroditen. Letztere besitzen männliche und weibliche Keimzellen und können sich somit selbst befruchten. Weitere Besonderheit: Sie tragen ihren Nachwuchs wie Kängurus am Körper

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Stark alkalisch, extrem salzhaltig und voll mit giftigem Arsen – so ist das Wasser im kalifornischen Mono Lake. An Leben ist hier kaum zu denken. Entsprechend waren bisher nur zwei Tierarten bekannt, die sich an die harsche Umgebung angepasst hatten: Salzkrebse und eine Fliegenart, die mit einer Spezialtechnik ins Wasser abtaucht (siehe Video unten).

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Doch offenbar haben sich noch mehr Lebewesen den Mono Lake zur Heimat gemacht, wie Forscher vom California Institute of Technology (Caltech) im Fachjournal «Current Biology» schreiben. Sie hatten in dem See gleich acht winzig kleine Wurmarten entdeckt, die problemlos mit den widrigen Umständen zurecht kommen.

Viele Talente

Eine Spezies hat es dem Team um Paul Sternberg besonders angetan – aus mehreren Gründen: Einerseits entpuppten sich Vertreter dieser Art als besonders widerstandsfähig. Sie verkraften gemäss den Forschern einen Arsengehalt, der 500-mal höher ist als die für den Menschen tödliche Dosis.

Andererseits verfügten die Tiere über drei Geschlechter, heisst es in einer Mitteilung der Hochschule. So gebe es männliche, weibliche und hermaphrodite Exemplare.

Letztere tragen sowohl Eier als auch Samen im Körper. Dadurch können sie sich unter schlechten Lebensbedingungen selbst befruchten, schnell viele Nachkommen erzeugen und so für den Fortbestand ihrer Art sorgen.

Von Würmen für den Menschen lernen

Alles in allem bezeichnen Sternberg und seine Kollegen die Wurmart als extremophil – als so robust, dass sie sowohl in diesem extremen Lebensraum, aber auch im Labor überleben kann. Etwas, das nur wenige Lebewesen schaffen.

Ganz so extrem sind die anderen sieben Spezies nicht. Doch auch sie haben faszinierende Eigenschaften. So unterscheiden sie sich etwa punkto Ernährung. Während die einen Mikroben fressen, überleben andere als Parasiten. Wieder andere sind Raubtiere.

Die Wissenschaftler wollen nun das Genom von Fadenwürmern genauer untersuchen. Sie hoffen, dann besser zu verstehen, was die Tiere so anpassungsfähig macht. Weiter wollen sie herausfinden, welche Gene für die Arsenresistenz verantwortlich sind. Das könnte auch dem Menschen nutzen, für den das Schwermetall ein grosses Gesundheitsrisiko darstellt.

Die Salzfliege Ephydra hians ist ein grosses Talent: Sie kann bis zu 15 Minuten lang tauchen. (Video: Caltech)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Mumpiz am 03.10.2019 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von Arsen und Geschlechtern

    Nur drei Geschlechter? Da sind die Menschen aber schon bedeutend weiter. Nur mit dem Arsen scheinen wir noch etwas Anpassungsschwierigkeiten zu haben. Vielleicht zum Glück. Sonst gäbe es wohl noch mehr davon.

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  • Neumann am 03.10.2019 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Interessant und kurios. Was es nicht alles gibt. Danke

  • Dieter Freidl am 03.10.2019 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    erstaunliche Fähigkeiten

    in ferner Zukunft werden die Menschen vielleicht einige der Fähigkeiten der Würmer benötigen um zu überleben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • roli am 05.10.2019 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    So eine Ungerechtigkeit

    Da müssen wir sofort auf die Strasse und gegen diese Ungerechtigkeit protestieren. Geht gar nicht, dass ein Wurm mehr kann als ein Mensch.

  • Hehe am 04.10.2019 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Mumpitz

    "Andererseits verfügten die Tiere über drei Geschlechter, heisst es in einer Mitteilung der Hochschule. So gebe es männliche, weibliche und hermaphrodite Exemplare." Das sind aber immer noch nur 2 Geschlechter. Der Hermaphrodit ist kein neues Geschlecht sondern 'nur' sowohl männlich wie weiblich. Aber Journis fehlt halt der Durchblick.....

    • Jaja am 05.10.2019 08:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Hehe

      Ja schade, weil sich die Schreiberlinge mit der Sache überdie sie schreiben gar nicht objektiv befassen und einfach Meldungen abschreiben. Und immer die herzigen Umfragen mit Antworten, die oft nicht direkt mit dem Bericht im Zusammenhang stehen.

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  • mine am 04.10.2019 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Da ist der Wurm drin

    Wie führen die wohl die Feminismus debatte?

  • Typhoeus am 04.10.2019 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jede Entwicklung eines Lebewesen

    hat ihre eigenen Charakteristiken entsprechend der Umwelt (Darwin)

  • Typhoeus am 04.10.2019 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würmer gehören zu

    den primitivsten Lebewesen seit mehr als 500 Millionen Jahren.