Fluidglass

03. Oktober 2013 22:50; Akt: 04.10.2013 07:42 Print

Dieses Fenster kann heizen und kühlen

Wie ein Kühlgerät oder ein Radiator soll ein transparentes Bauelement wirken, dem die Uni Liechtenstein zum Durchbruch verhelfen will. Auch die EU glaubt daran und gibt 3,8 Millionen Euro.

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Die Initianten des Projekts bezeichnen es als «transparenten Sonnenkollektor und innovatives Raumsystem in einem» – und prophezeien Fluidglass eine grosse Zukunft, wie die Uni Liechtenstein in einer Mitteilung schreibt. Der Trick des transparenten, zweischichtigen Bauelements ist, dass zwischen jeweils zwei Glasplatten Wasser zirkuliert. Im Sommer können der Flüssigkeit in der äusseren Schicht nach Bedarf Mikropartikel zugegeben werden, die dann die die Sonne reflektieren und für Schatten im Innenraum sorgen (siehe Bildstrecke).

Gleichzeitig absorbiert die Flüssigkeit in der inneren Schicht überschüssige Wärme aus dem Innenraum, die in einem thermischen Speicher «zwischengelagert» werden kann. In der Nacht wird diese dann über die äussere Schicht abgestrahlt. Diese Methode ist energetisch günstiger als eine herkömmliche Kühlung über eine Klimaanlage. Zudem ist die Flächenkühlung komfortabler, da es nicht wie bei einer Klimaanlage «zieht».

Im Winter wird der Sonnenschutz in der äusseren Schicht deaktiviert, damit ein Maximum an Sonnenwärme ins Innere des Gebäudes vordringen kann. In der raumseitigen Schicht kann durch die Zirkulation von warmen Wasser gleichzeitig geheizt werden. Zusätzliche Radiatoren sind überflüssig und die Strahlungssymmetrie verbessert sich, was den Komfort erhöht.

Die EU-Kommission gibt Geld

An der Entwicklung von Fluidglass sind neben namhaften internationalen Industrieunternehmen auch die NTB Interstaatliche Hochschule für Technik Buchs, die TU München, die Uni Stuttgart und das Institut National de l'Energie Solaire in Chambery (F) beteiligt. Der Kopf hinter dem neuen Fassadensystem ist Dipl.-Arch. Dietrich Schwarz, Professor am Institut für Architektur und Raumentwicklung an der Universität Liechtenstein. Er erhofft sich von Fluidglass eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden. Bei Gebäudesanierungen sei eine Energieeinsparung von 50 bis 70 Prozent zu erwarten, bei Neubauten von Niedrigenergiehäusern 20 bis 30 Prozent, heisst es in der Mitteilung.

Die EU unterstützt das Projekt mit 3,8 Millionen Euro, um es marktfähig zu machen. «Wir sind überzeugt, dass das Projekt in akademischen, industriellen und architektonischen Kreisen in Europa auf beträchtliches Interesse stossen wird», begründete ein Vertreter der EU-Kommission das Engagement im Zuge des 7. Forschungsrahmenprogramms.

(jcg)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich frage mich, wie viel Wärme durch das Glas von Aussen entzogen werden kann wenn es so richtig kalt ist. Vermutlich recht viel, denn die Flüssigkeit muss ja zirkulieren, sonst gefriert sie dann. Der andere Extremfall wäre ein Feuer. Bis jetzt kann Glas durchaus ein bisschen einen Brand zurückhalten. Wäre spannend zu wissen wie viel schneller Glas mit hinterlegter Flüssigkeit nachgeben würde. Alles in allem ist die Idee grundsätzlich gut. Würde gerne hier lesen wie es sich entwickelt. – Martin S

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chrigu am 04.10.2013 06:52 Report Diesen Beitrag melden

    Alternativen...

    Standortabhängig Es gibt keine Alternativ-Energie, die für alle Punkte auf unserem blauen Rund sinnvoll einsetzbar ist. Jede Alternative bietet jedoch unter Umständen mehr Möglichkeiten, dem Klimaziel näher zu kommen und die 2000W Gesellschaft zu verwirklichen. Auch wenn diese Erfindung nicht perfekt im Winter funktioniert, so kann Sie unter Umständen doch im Sommer Energie einsparen.

  • Nadine am 04.10.2013 05:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einziger Hacken...

    ... es funktioniert nzr mit Sonnenenergie. was also machen die Orte, bei denen ab Mitte Oktobee die jährliche Dauernebelsuppe einzieht? zB Root Grundlegend ist die Idee innovativ, doch in der Praxis leider nur bedingt verwendbar.

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  • Ni am 03.10.2013 23:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das braucht es!

    Endlich mal, was die Welt braucht!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Genau am 04.10.2013 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liechtenstein...

    ...hat eine Uni? Als nächstes noch eine eigene Währung, Armee - wohin soll das noch führen?

    • m. vogt am 05.10.2013 15:42 Report Diesen Beitrag melden

      eigene währung

      ja da staunt der unwissende;-) sobald ihr schweizer den euro habt, übernehmen wir den chf!

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  • S. B. am 04.10.2013 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Altbauten

    sind das Problem. Dort muss mal was Erfunden werden, das funktioniert und auch noch bezahlbar ist. Es geht ja nicht, dass wir alle Häuser abreissen müssen, um neue Technologien anwenden zu können. Auch muss die Technologie berücksichtigen, das wir lange Sonnenarme Winter haben.

  • Bruno Stettler am 04.10.2013 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Und woher ...

    ... kommt das warme Wasser, das im Winter durch die raumseitigen Schichten strömen soll? Tönt für mich wie ein normaler Radiator.

    • Ady Habegger am 04.10.2013 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz

      Der Unterschied, so wie ich das verstehe, liegt in der Menge und dem thermischen Speicher. Durch die scheiben fliessen wahrscheinlich nicht diese Mengen wie bei einem Radiator. Weniger Wasser zu wärmen spart Energie, zusätzlich kann überflüssige Wärme ohne energieeinsatz gespeichert werden, anstelle zu verpuffen oder durch energieeinsatz (klimaanlage) gekühlt werden. Interessant wirds, wenn diese Scheiben zur Warmwasseraufbereitung dienen könnten. Dann hätte man wohl uf dütsch gseit d "Figgi und d Mühli" ;-)

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  • Martin S am 04.10.2013 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Könnte was werden

    Ich frage mich, wie viel Wärme durch das Glas von Aussen entzogen werden kann wenn es so richtig kalt ist. Vermutlich recht viel, denn die Flüssigkeit muss ja zirkulieren, sonst gefriert sie dann. Der andere Extremfall wäre ein Feuer. Bis jetzt kann Glas durchaus ein bisschen einen Brand zurückhalten. Wäre spannend zu wissen wie viel schneller Glas mit hinterlegter Flüssigkeit nachgeben würde. Alles in allem ist die Idee grundsätzlich gut. Würde gerne hier lesen wie es sich entwickelt.

  • Chrigu am 04.10.2013 06:52 Report Diesen Beitrag melden

    Alternativen...

    Standortabhängig Es gibt keine Alternativ-Energie, die für alle Punkte auf unserem blauen Rund sinnvoll einsetzbar ist. Jede Alternative bietet jedoch unter Umständen mehr Möglichkeiten, dem Klimaziel näher zu kommen und die 2000W Gesellschaft zu verwirklichen. Auch wenn diese Erfindung nicht perfekt im Winter funktioniert, so kann Sie unter Umständen doch im Sommer Energie einsparen.