Plagiat

23. Februar 2011 08:09; Akt: 23.02.2011 09:30 Print

Dr. Leichtgemacht

Ex-Doktor Karl-Theodor zu Guttenberg hätte für seinen Titel gar keine Copy-Paste-Dissertation schreiben müssen. Den Doktor nur fürs eigene Ego gäbe es viel einfacher.

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«Dr. Guttenberg, please proceed to the gate!» Bei der Swiss kann jeder als Doktor oder Professor mitfliegen. Wenn die Kreditkarte zur Visitenkarte wird: In gewissen Kreisen öffnet der «Dr.» vor dem Namen mehr Türen als eine goldene Kreditkarte. Der schnellste Weg zum Doktor führt darüber, sich einfach bei jeder Gelegenheit so zu nennen. Dass das lange funktionieren kann, zeigte vor einem Jahr der . Entsprechend angefertigte Stempel, Visitenkarten oder Türschilder helfen, die konstruierte Fassade als glaubwürdig erscheinen zu lassen. Noch glaubwürdiger ist ein Abdruck mit vorangestelltem Doktor in einem offiziellen Organ wie dem Telefonbuch. Local.ch verlangt von den Kunden keinen Beweis für die geführten Titel. Dazu braucht es allerdings bereits ein gewisses Mass an Skrupellosigkeit. Wer hingegen wenigstens den Schein wahren will, etwas für seinen Doktortitel gemacht zu haben, schreibt sich bei einer «Titelmühle» ein, wie der «Freien und Privaten Universität Herisau». Gegen die Entrichtung hoher «Studiengebühren» werden dort pseudoakademische Grade vergeben. Die Abschlüsse sind jedoch staatlich nicht anerkannt. Das bekam auch der deutsche CDU-Politiker zu spüren. Anfang 2010 wurde publik, dass er seinen Doktor-Titel an der mittlerweile nicht mehr existierenden «Freien Universität Teufen» erworben hatte. Keine Möglichkeit ist hingegen die Ehe mit einem Doktor oder einer Doktorin. «Herr und Frau Doktor» sind lediglich eine hartnäckige Legende: Bei der Hochzeit geht der Titel nicht auf den Ehepartner über. Ein Name darf die persönlichen Rechte eines Kindes nicht verletzen. In der Schweiz dürfen Kinder daher nicht auf den Namen «Doktor» getauft werden - in Bayern übrigens auch nicht.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Hätte der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gewusst, dass eines Tages alles herauskommt, hätte er wohl von Anfang an auf «seinen» Doktortitel verzichtet. So aber wird der Strahlemann von der Opposition zum Rücktritt aufgefordert, von den Medien als «Dr. Googleberg» verulkt – und ausgestanden ist seine erste richtige Krise noch nicht.

Dabei hätte es für den Freiherrn von und zu Guttenberg wesentlich einfachere Möglichkeiten gegeben, seine Titelverliebtheit im privaten Rahmen auszuleben. Möglichkeiten, bei denen er sich die Mühe hätte sparen können, über Seiten hinweg Artikel und Publikationen anderer abzukupfern.

Am einfachsten geht das beim Fliegen. Bei der Fluggesellschaft Swiss kann man – wenn man will – als Doktor oder gar als Professor mitfliegen. Wer sich beim Boarding genug Zeit lässt, kommt in den Genuss, über Lautsprecher ausgerufen zu werden: «Dr. Guttenberg, please proceed to the gate!»

Der Doktor auf der Kreditkarte

Ohne Schwierigkeiten zu einem Dokument mit Doktortitel kommt auch, wer sich eine Kreditkarte bestellt. Ein Kreuzchen am richtigen Ort, und schon wird aus Herrn Guttenberg – Doktor Guttenberg. In gewissen Kreisen öffnet der «Dr.» vor dem Namen mehr Türen als eine goldene Kreditkarte. Legal ist das natürlich nicht.

Aber es geht noch einfacher: Der schnellste Weg zum Doktor führt darüber, sich einfach bei jeder Gelegenheit so zu nennen. Dass das lange funktionieren kann, zeigte vor einem Jahr der Fall Sudaro. Entsprechend angefertigte Stempel, Visitenkarten oder Türschilder helfen, die konstruierte Fassade als glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Falsche Doktoren im Telefonbuch

Noch glaubwürdiger ist ein Abdruck mit vorangestelltem Doktor in einem offiziellen Organ wie dem Telefonbuch. Local.ch verlangt von den Kunden keinen Nachweis für die geführten Titel. Dazu braucht es allerdings bereits ein gewisses Mass an Skrupellosigkeit. Kundenberater Tomaso Di Nisio sagt, bei den Titeln vertraue man den Kunden: «Bei Ärzten kriegen wir das innerhalb von Wochen mit, wenn sich einer mit falschen Federn schmückt.» Der Fachverband sei sehr aufmerksam.

Wer wenigstens den Schein wahren will, etwas für seinen Doktortitel getan zu haben, schreibt sich bei einer «Titelmühle» ein, wie der «Freien und Privaten Universität Herisau». Gegen die Entrichtung hoher «Studiengebühren» werden dort pseudoakademische Grade vergeben. Die Abschlüsse sind jedoch staatlich nicht anerkannt, wie Sekretärin Adriana Schmid gegenüber 20 Minuten Online bestätigt.

Keine Alternative für zu Guttenberg

Das bekam auch der deutsche CDU-Politiker Dieter Jasper zu spüren. Anfang 2010 wurde publik, dass er seinen Doktor-Titel an der mittlerweile nicht mehr existierenden «Freien Universität Teufen» erworben hatte. Dass ein solcher Abschluss auch für Verteidigungsminister Guttenberg keine Alternative wäre, räumt sogar Sekretärin Schmid ein: «Bei uns müsste er eine Dissertation schreiben, die kontrolliert würde.»

Auf jeden Fall keine Möglichkeit zur Erlangung eines Doktortitels ist die Ehe mit einem Doktor oder einer Doktorin. «Herr und Frau Doktor» sind lediglich eine hartnäckige Legende: Bei der Hochzeit geht der Titel nicht auf den Ehepartner über.

Doktor als Vorname geht nicht

Auch keine Option ist der alte Säufer-Witz, wonach sich jemand die Studiengebühren sparen kann, wenn er sein Kind mit Vornamen «Doktor» tauft. «Ein Name darf die persönlichen Rechte eines Kindes nicht verletzen», erklärt Barbara Bachmann, Gruppenleiterin der Abteilung Geburten beim Zivilstandsamt der Stadt Zürich. Zudem dürften Kindern nur Namen gegeben werden, die als solche existierten. In der Schweiz dürfen Kinder daher nicht auf den Namen «Doktor» getauft werden – in zu Guttenbergs Bayern übrigens auch nicht.

Kennen Sie weitere Abkürzungen zum Doktortitel? Schreiben Sie sie ins Talkback!

(rn)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr Rhiitaler am 23.02.2011 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Dr.oh.fak.

    Doktor ist kein geschützter Titel, genauso wenig wie Professor oder Ingenieur also kann und darf ihn auch jeder tragen solange er sich daran nicht bereichert. Wichtig ist was NACH dem Titel kommt! Dr.med. oder Dr.jur. das muss gerechtfertigt sein. Aber nur Dr. oh. fak. (ohne Fakultät) ist kein Problem. Den Minister Gutenberg will man jetzt einfach "abschiessen" um rein gar nichts anderes geht es. Er ist meines erachtens der fähigste Politiker Deutschlands...der Rest...naja,die sind hald eben da und braucht auch irgend wie. Wie ist es den mit der Mundart? dr Sepp, dr Hans, dr WC-Deckel ?

  • fritz katz am 23.02.2011 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    alle titel abschaffen!

    am besten alle titel abschaffen! die bringen gar nichts.

  • Weinzierl am 23.02.2011 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Einer der besten Politiker Deutschlands

    Ich finde das nicht angebracht, wie hier der Minister Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg angegriffen wird. Für mich will man einen der besten Politiker Deutschlands demontieren. Es wäre folgendes zu klären: Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg hat eine Doktorarbeit geschrieben. Diese Doktorarbeit musste von einem Prüfungsgremium abgenommen werden, dass die Doktorarbeit als diese anerkannt wird und er somit den Doktortitel verwenden darf. Warum haben die Prüfer diese angeblichen Mängel in der Doktorarbeit nicht festgestellt und ihm damit den Doktortitel erst gar nicht anerkannt,oder haben die geschlafen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel am 25.02.2011 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Googleberg ist sicher nicht der Einzige

    Googleberg ist sicher nicht der Einzige. Da gibts wohl noch viele bekannte Persönlichkeiten, welche sich den Doktortitel noch so nebenbei geholt haben.

  • O. am 25.02.2011 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ach Leute....

    Ja, er hat geschummelt u. betrogen aber macht ihn das zu einem schlechteren Menschen? Zu einem schlechteren Politiker? Muss man nun seine ganze bis anhin geleistete Arbeit in Frage stellen?! Nein! Denkt Ihr, dass er Verteidigungsminister wurde wegen seiner Dr.-Arbeit? Dass er sich so lange halten konnte wegen seiner Dr.-Arbeit? Denkt Ihr, dass die anderen alle Engel sind? Im Übrigen finde ich die jetztige Hetzjagt völlig lächerlich! Gibt es im Reichstag nichts anderes mehr zu diskutieren?!

  • enttäuscht am 23.02.2011 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gefährlicher Betrüger....

    der Mann ist ganz klar ein Betrüger und stellt als Verteidigungsminister ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Er war "überfordert" mit seiner Doktorarbeit ! Die Frage ob er nun seinen Aufgaben als Verteidigungsminister gewachsen ist, stellt sich nun sicher nicht mhr...! Weg mit dem Lügenbaron !

  • Peschä am 23.02.2011 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist mit seinem Professor?

    Wenn ein Professor eine Doktorarbeit mit "summa cum laude" bewertet, welche voll von Plagiaten ist, muss man sich auch fragen, ob dieser nicht irgendwie in dieses "Spielchen" involviert war, oder einfach nachlässig sein Gutachten verfasst und grosszügig den Freiherrn bewertet hat. Bin gespannt, ob das auch noch ein Nachspiel hat!

  • Xorxe am 23.02.2011 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    "freie" Berufsbezeichnungen

    Seit Jahrzehnten steht bei mir die Berufsbezeichnung "Gestikologe". Als Student musste ich für einen Telefonanschluss 200.- Depotgebühren bezahlen, als Gestikologe nicht, na also! Noch besser hat's ein Genfer gemacht: Er nannte sich Architekt SDO, was nach seiner Lesart "sans diplome officielle", also "ohne offizielles Diplom hiess, aber wer fragt bei Abkürzungen schon nach! Jemand hat sich schon als "Anthropophag betitelt, was auf gut Deutsch "Menschenfresser" heisst, auch das wurde lange Zeit geduldet!