Nanopartikel im Essen

28. Juni 2017 08:41; Akt: 28.06.2017 08:41 Print

E551 – diesen Zusatzstoff sollten Sie besser meiden

Seit 50 Jahren lässt der Zusatzstoff E551 Fertigsuppen und Instant-Kaffee besser rieseln. Er galt als unbedenklich, doch offenbar setzt er dem Darm ordentlich zu.

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Im Darm muss das Immunsystem einen Balance-Akt bewältigen: Auf der einen Seite müssen Krankheitserreger abgewehrt, auf der anderen «gute» Darmbakterien geduldet werden. Für dieses Gleichgewicht spielen die sogenannten Dendritischen Zellen eine wichtige Rolle.

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Doch ausgerechnet diese Zellen reagieren offenbar auf einen verbreiteten Lebensmittelzusatz, der als Rieselhilfe in Fertigsuppen, Instant-Kaffee und Streuwürze dient: E551, ein aus Quarzsand gewonnenes ultrafeines Pulver (Nanopartikel) mit dem Namen synthetisches amorphes Siliciumdioxid.

Molekül signalisiert Entzündungen

Zu diesem Schluss kommen Forscher um Hanspeter Nägeli von der Uni Zürich nach Laborversuchen mit Dendritischen Zellen aus Mäusen. Diese wurden im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Chancen und Risiken für Nanomaterialien» (NFP 64) durchgeführt.

Im Fachblatt «Particle and Fibre Toxicology» berichten die Wissenschaftler, dass Mäuse-Immunzellen die Siliciumdioxid E551-Partikel aufnehmen und beginnen, ein entzündungsaktives Signalmolekül auszuschütten.

Risiko auch beim Menschen?

Ob diese Reaktion auch im Darm von Menschen stattfindet, ist bisher unklar, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) am Dienstag mitteilte. Es könnte jedoch eine Erklärung sein, warum sich entzündliche Darmkrankheiten ausbreiten, wenn mehr Menschen Fertigprodukte essen.

«Es geht nicht darum, Angst zu schüren. Entzündliche Darmkrankheiten hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab», betont Nägeli in der Mitteilung. Partikel wie E551 – auch Nanosilica genannt – könnten höchstens einen kleinen Puzzlestein im Gesamtbild dieser komplexen Erkrankungen ausmachen. Dennoch gelte es, den massiven Gebrauch dieser Nanopartikel zu überdenken.

Kritik an Sicherheitsbeurteilung

In einem weiteren Fachartikel im «Journal of Nanobiotechnology» kritisieren Nägeli und Kollegen denn auch die bisherige Sicherheitsbeurteilung von Nanosilica, weil bisher keine immunologischen Kriterien erhoben wurden.

Auch seien bei Fütterungsversuchen mit Ratten bei der höchsten Dosis Leberschäden beobachtet worden, in die Risikobewertung jedoch nicht eingeflossen, so Nägeli. Ein Zusammenhang mit Nanosilica sei zwar nicht erwiesen, lasse sich aber auch nicht ausschliessen. «Wir plädieren hier deshalb für die Anwendung des Vorsorgeprinzips und für die Überprüfung des Grenzwerts in der Nahrung», sagte der Forscher.

Es ist nicht das erste Mal, dass Forscher vor E-Nummern warnen: 2016 zeigten Forscher der Georgia State University am Beispiel von Mäusen, dass die Emulgatoren E 433 (Polysorbat) und E 466 (Carboxymethylcellulose) das Wachstum von Darmtumoren fördern.
E433 und E466: Führen diese Zusatzstoffe zu Darmkrebs?

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Natur am 28.06.2017 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden legal vergiftet

    Wir haben keine Ahnung was alle diese künstlichen Zusatzstoffe in unserem Körper anrichten und wenn wir ganz ehrlich sind, scheint es viele auch nicht zu Interessieren, da jeder die Verantwortung abgibt für sein Leben und seine Gesundheit. Also nicht rumjammern, sonder sich selbst damit auseinandersetzten und solche Lebensmittel meiden. Das nennt man EIGENVERANTWORTUNG!

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  • Daniel am 28.06.2017 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit im Verzug

    Erst 50 Jahre verfüttern, dann testen..., Mein Hausarzt sagte vor 20 Jahren noch dass der Körper bis zu 5 Zigaretten pro Tag herausschaffen kann. Wann kommt die ganze Wahrheit über die Autoabgase zu Tage?

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  • UrSalz Meerjungfrau am 28.06.2017 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Genau...

    Darum kaufe ich auch nur naturbelassenes Salz ohne Rieselhilfe, Jod und Fluor aus Deutschland. In der Schweiz bekommt frau das fast nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ulla am 29.06.2017 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Pfannen hervor

    Kommt mir vor wie bei den Handys. Zuerst mal voll auf die Technologie setzen und erst nachher denken.... Der Funkstrahlung können wir kaum ausweichen, aber Instant muss nicht sein. Kochbuch aus dem Gestell nehmen und selber zu den Pfannen greifen. Macht Spass und man weiss, was man isst. Mehr Zeit ins reale Leben stecken, weniger in der Virtualität vergeuden.

  • Swissgirl am 29.06.2017 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungesund

    Ab E100 wird es chemisch. E100-199 sind noch die harmlosesten, dann geht es ins chemische rein ab E200. Da hört es für mich auf. Ich kaufe nichts, was E-Nummern über 200 drin hat, wenn möglich vermeide ich auch Produkte mit Farbstoffen (E100er) Dieses ganze chemische Zeug ist nur schädlich für den Körper.

    • Lini am 29.06.2017 08:41 Report Diesen Beitrag melden

      Alles ist Chemie

      Ich muss wieder mal darauf hinweisen, dass alle Lebensmittel "Chemie" sind. Auch die total natürlichen Rüebli die du selber im Garten ausgegraben hast. Die Unterscheidung, auf die du dich beziehst, ist zwischen "natürlich" und "synthetisch"!

    • Thom Bu am 29.06.2017 09:31 Report Diesen Beitrag melden

      Der Chemiker

      Alles ist Chemie einiges ist künstlich hergestellt und das meiste Natürlich. Chemie ist Lebenswichtig

    • Hinderbänkler am 29.06.2017 13:30 Report Diesen Beitrag melden

      @Swissgirl

      So ein Käse den du da verzapfst. Die Zahl hat überhaupt nichts mit der Künstlichkeit zu tun, sondern mit der Gruppe der Lebensmittelzusatzstoffe. E300 (Ascorbinsäure = Vitamin C) ist sicherlich nicht bedenklicher als E102 (Tartrazin, ein Azofarbstoff). Hauptsache man kann wieder mal kompletten Müll verbreiten.

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  • St. Kälin am 28.06.2017 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Codecheck

    Für Leute die auf solche Sachen achten. Kann ich das App Codecheck empfehlen.

    • Norina am 28.06.2017 22:14 Report Diesen Beitrag melden

      Codecheck

      das ist wirklich super, brauche das app immer wieder :)

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  • Betti am 28.06.2017 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ich schaue sehr genau hin

    An den Open Air's bin ich noch ganz froh für Instand Suppen. Sonst schaue ich sehr genau was ich esse und einkaufe in den 2% wo ich zuhause bin. Meine Eltern haben auch immer darauf geachtet, während dem sie gearbeitet habe und ich alleine zuhause war.

    • Marianne am 29.06.2017 15:41 Report Diesen Beitrag melden

      Kochen

      Einfach wieder selber kochen! Frisches Gemüse, frisches Obst, Fleisch von KAG/Naturabeef etc.. Ideen gibt's genug. Selbst ans Open Air kann man vorbereitete Sachen mitnehmen oder sich mal auf frisches Obst konzentrieren.

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  • alfred am 28.06.2017 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht ernst nehmen

    achtung, dieses essen kann geringe mengen von lebensmitteln enthalten