Malaysischer Frauenklub

06. Juni 2011 13:50; Akt: 06.06.2011 17:35 Print

Ehefrau, Mutter und Hure

von Eileen Ng, AP - Ein frisch gegründeter Frauenverein will in Malaysia die Lösung für soziale Missstände wie Prostitution und Scheidung gefunden haben. Der Schlüssel zum Geheimnis lautet: Gehorsam und körperliche Hingabe.

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Der «Klub der gehorsamen Ehefrauen» schreibt sich auf die Fahnen, die Lösung für alle Eheprobleme gefunden zu haben. (Bild: AP)

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Die frisch verheiratete 22-jährige Ummu Atirah glaubt, das Geheimnis einer glücklichen Ehe zu kennen: Ihrem Mann zu gehorchen und sicherzustellen, dass er sexuell befriedigt ist. Die 22-Jährige ist eine von etwa 800 Frauen des «Klubs der gehorsamen Ehefrauen», der am Samstag in Malaysia gegründet wurde.

Der Verein schreibt sich auf die Fahnen, die Lösung für soziale Missstände wie Prostitution und Scheidung gefunden zu haben. Frauen sollen ergeben sein und ihren Mann im Bett beglücken. «Der Islam verlangt von uns, unseren Ehemännern zu gehorchen. Was immer (mein Ehemann) will, ich muss folgen. Es ist eine Sünde, sich ihm zu widersetzen und ihn nicht glücklich zu machen», sagt Ummu, die ein gelbes Kopftuch trägt.

Der Verein wurde von einer islamischen Gruppe, der Global Ikhwan, gegründet. Die Organisation wird von vielen Politikern und Aktivisten als rückständig und eine Beleidigung für moderne Frauen in Malaysia abgetan. Aber die Aktivitäten der Gruppe, die zuvor bereits einen Klub für Polygamie gründete, zeugen davon, dass es in Malaysia eine Subkultur konservativer islamischer Strömungen gibt.

Gefährdung der religiösen Harmonie

Dabei gilt Malaysia als eine der fortschrittlichsten und modernsten islamisch geprägten Nationen der Welt. 60 Prozent der 28 Millionen Einwohner Malaysias sind muslimischen Glaubens. Viele muslimische Frauen bekleiden hohe Ämter in Politik und Wirtschaft.

Gruppen wie die Global Ikhwan setzen auf Schockwirkung und können sich nicht auf breiten Rückhalt in der Bevölkerung stützen. Dennoch geht die Angst um, dass radikale Gruppierungen an Zulauf gewinnen könnten, und dadurch die über Jahrzehnte genährte ethnische und religiöse Harmonie im Lande gefährdet sein könnte.

«Leider gibt es auch heute noch viel muslimische Frauen, die wenig über ihre Rechte wissen oder kulturell zu sehr gehemmt sind, um ihre Rechte wahrzunehmen», sagt Shahrizad Abdul Jalil, eine muslimische Ministerin und Familienpolitikerin.

Eine gute Ehefrau ist eine gute Sexarbeiterin

Obwohl die Organisation einen konservativen islamischen Hintergrund hat, spricht eine der Gründerinnen des Klubs, Rohayah Mohamad, ganz unverschämt über die Vorzüge des ehelichen Sexlebens. «Sex ist in asiatischen Gesellschaften tabu. Wir haben das Thema vernachlässigt, aber es kommt allein auf den Sex an. Eine gute Ehefrau ist eine gute Sexarbeiterin in Diensten ihres Mannes. Was ist dabei, eine Hure zu sein... für deinen Ehemann?», sagt Rohayah.

«Auf diese Weise bleibt die Institution Familie geschützt und wir können die gesellschaftlichen Übel eindämmen», ist sich Rohayah sicher, die ausgebildete Ärztin und Vizepräsidentin des Klubs ist. Sie verlangt, dass Ehefrauen über ihre traditionellen Rollen der guten Köchinnen und Mütter hinauswachsen sollen. Sie müssten lernen, zu gehorchen, zu dienen und zu unterhalten, damit ihre Ehemänner nicht vom Pfad der Tugend abkämen und sich daneben benähmen.

Ungehorsame Frauen sind der Grund für verstörte Männer

Indirekt seien ungehorsame Frauen der Grund für Aufruhr in dieser Welt, weil die Männer dann zuhause unglücklich und ihre Seelen und Gemüter verstört seien, meint Rohayah. Nach offiziellen Erhebungen hat sich die Scheidungsrate in Malaysia von 2002 bis 2009 verdoppelt, dabei trennen sich besonders viele Muslime.

Es sei Alltag, dass Frauen ihre Männer nicht mit einem verführerischen Lächeln, in aufreizender Kleidung und mit verlockenden Düften willkommen hiessen, um sie sexuell zu stimulieren. Stattdessen würden die Männer mit einem müden Lächeln zuhause empfangen, meint Rohayah.

Die Global Ikhwan ist eine Nachfolgeorganisation der Al-Arqam-Sekte, die 1994 verboten wurde, da ihre Lehren nicht den muslimischen Werten entsprochen hätten. Die Gruppe finanziert sich durch den Betrieb von Restaurants, Lebensmittelgeschäften und auch Unternehmen im Ausland.

Widerstand auf Facebook

Der Klub hat für Kritik gesorgt. Auf Facebook wurde eine Seite gegründet, mit dem Motto: «Wir wollen den sexistischen Unsinn der Global Ikhwan nicht.» Amirul Aftar schrieb: «Ich will keine Frau, die sich jedem meiner Wünsche beugt. Ich will eine Frau, die mich versteht. ... Wir sind nicht eure Meister, sondern euresgleichen.»

Die Frauengruppe «Schwestern des Islam» argumentiert, der Islam fördere Ehen, die auf Kooperation und gegenseitigem Respekt basierten. «Kommunikation, nicht Unterwerfung, ist entscheidend, um eine gesunde Beziehung zu führen.»