Grosses Lauschen

10. September 2019 10:03; Akt: 10.09.2019 10:03 Print

Eichhörnchen hören immer mit

Die kleinen Nager verstecken und sammeln nicht nur fleissig Nüsse, sie lauschen auch ganz ordentlich. Eine Sache interessiert sie besonders.

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Eichhörnchen haben die Ohren immer gespitzt. Das berichten US-Forscher im Fachjournal «Plos One». (Im Bild: ein Vertreter der Art Sciurus carolinensis) Sie hören insbesondere auf das Gezwitscher von Singvögeln. Der Grund: Da Singvögel wie die Nager zur Beute des Rotschwanzbussards zählen, ist ihr Zwitschern für die Eichhörnchen Zeichen dafür, dass keine Gefahr durch ihn herrscht. Ist es hingegen still, dürfte der Feind in der Nähe sein. Aber Eichhörnchen kommen nicht nur mit ihren Leistungen in die Medien, wie dieses Beispiel zeigt. Vielen Twitter-Nutzern kommt beim Anblick dieses Eichhörnchen-Weibchens der Ausdruck Pin-up in den Sinn. Doch sie liegen damit falsch, wie Jessica Haines von der MacEwan University sagt. Denn anders als der Mensch, der ... hätten Eichhörnchen je nach Art «bis zu zehn Nippel, die von oben nach unten auf der ganzen Brust verteilt sind». Auch der Überlegung der Twitter-Nutzer, die Brust des japanischen Eichhörnchens sei prall mit Milch gefüllt, widerspricht die Expertin. «Wenn Eichhörnchen ihre Jungen säugen, verlängern sich ihre Brustwarzen, und die Haut um sie herum verliert ihr Fell», so Haines. Das sei auf dem Twitter-Bild aber nicht der Fall. Der Biologe Ben Dantzer vermutet, dass die vermeintliche Oberweite des Eichhörnchens der Kombination aus ... ... einer ungewöhnlichen Pose und einem Überschuss an Fett geschuldet ist – obwohl Eichhörnchen eigentlich nicht mollig werden. Die für ihn einzig denkbare Erklärung wäre, dass das Weibchen in der Nähe von Menschen lebt und sich an deren Abfall bedient. Doch auch unter normalen Umständen haben Eichhörnchen einiges zu bieten, wie die folgenden Bilder zeigen. Besonders im Herbst sind die Nager aktiv. Dann legen sie nämlich ihre Wintervorräte an – und das mit System, wie Forscher 2017 berichteten. Das Team der University of California hatte beobachtet, dass die Tiere die Nüsse nach Sorten sortieren. Die Ordnung ist auch nötig: Die Hörnchen vergraben bis zu 10'000 Nüsse pro Jahr. Apropos Nüsse vergraben: Dabei können sich Eichhörnchen durchaus Mühe geben, ohne Angst haben zu müssen, dass sie diese nie wieder finden. Die Nager können Nüsse riechen, die bis zu 30 Zentimeter tief verbuddelt sind – und das auch dann, wenn Schnee gefallen ist. Trotz ihrer Nussliebe: Vegetarier sind Eichhörnchen nicht. Zwar ernähren sie sich hauptsächlich von Nüssen, Früchten und Samen, aber wenn ihr Vorrat aufgebraucht ist, kommt es im Frühjahr auch mal vor, dass sie ein Vogelnest plündern. Eines der auffälligsten Merkmale von Eichhörnchen ist ihr Schwanz. Mit bis zu 25 Zentimetern ist er fast so lang wie der Körper und macht es dem Nager überhaupt erst möglich, beim Klettern und Springen das Gleichgewicht zu halten. Mit einem Sprung können sie bis zu fünf Meter Strecke machen. Die Nager können mit ihrem Schwanz aber auch kommunizieren, beispielsweise bei der Balz, wenn mehrere Männchen um ein Weibchen werben. Seitliches Schwanzwedeln bedeutet Nervosität und Erregung. Im Nest und Schlafplatz (Kobel) können die Tiere sich auch komplett mit ihrem Schwanz bedecken und so wärmen. Eichhörnchen sind tagaktiv und vor allem in Nadel-, Laub- und Mischwäldern, aber auch in Gärten und Parks anzutreffen. Um ihr Revier zu markieren, verteilen die Einzelgänger Urin. Die Grösse des Reviers hängt von der vorhandenen Nahrung ab: Hat es viel, ist das Gebiet kleiner, als wenn es nur wenig zu fressen hat. Unterscheiden muss man übrigens zwischen verschiedenen Arten Hörnchen. So gibt es in der Schweiz heute nicht mehr nur das hier heimische Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris, im Bild), sondern auch ... ... das grössere und stärkere Grauhörnchen, dass den rotfelligen Eichhörnchen nicht nur die Nahrung streitig macht, sondern auch das Pockenvirus überträgt, das das Immunsystem der Eurasischen Eichhörnchen schwächt Auch wenn die Nager gelegentlich die Nähe des Menschen suchen, sollte man ihnen nicht zu nahe kommen. Schliesslich handelt es sich um Wildtiere, die sich nicht an Menschen gewöhnen sollten. Auch essen sollte man sie besser nicht, wie der Fall eines Amerikaners zeigt. Dieser hatte nicht nur das Fleisch des Tieres, sondern auch dessen Gehirn verzehrt und war daraufhin

Zum Thema
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Vogelgezwitscher kann nerven oder die Nerven beruhigen. Bei Eichhörnchen ist eindeutig Letzteres der Fall. Zu diesem Schluss kommen Forscher um Marie V. Lilly vom Oberlin College im US-Bundesstaat Ohio im Fachjournal «Plos One». Daher hörten die Nager auch ganz genau hin.

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Das fanden die Biologen in einem Experiment heraus. In diesem spielten sie Eichhörnchen der Art Sciurus carolinensis Rufe von Rotschwanzbussarden – einem Fressfeind – vor und versetzten sie so in Alarmbereitschaft. Danach spielten sie manchen Vogelgezwitscher vor, die restlichen Nager hörten Umgebungsgeräusche.

Verräterisches Schweigen

Dabei zeigte sich, dass sich diejenigen, die den Vögeln zugehört hatten, schneller beruhigten. Daraus folgern die Forscher: Da Singvögel ebenfalls zur Beute des Rotschwanzbussards zählen, ist ihr Zwitschern für die Nager Zeichen dafür, dass keine Gefahr durch ihn herrscht. Ist es hingegen still, dürfte der Feind in der Nähe sein.

Das Lauschen sei bei ihnen somit eine Frage des Überlebens, so Lillys Kollege Keith Tarvin. Als Nächstes soll untersucht werden, ob die Grauhörnchen auf Rufe von bestimmten Singvögeln besonders achten.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mario P. S. am 10.09.2019 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EINE SCHÖNE BEGEGNUNG!

    Ich sehe sehr selten ein Eichhörnchen. Aber gerade gestern erfreute ich mich über ein Eichhörnchen, als es im Talboden, Eigenthal-LU (ca. 1OOO m.ü.M.), über die Strasse hüpfte, und nachher kurz umherschaute, bevor es zuoberst im Eiltempo auf eine Tanne kletterte und subito wieder hinunter. Konnte alles genau beobachten, weil ich auf das Postauto warten musste. Leider spielte gestern das Wetter noch nicht mit -- aber die Begegnung mit dem herzigen Tier hat alles wieder wett gemacht. Eichhörnchen haben mir schon immer gefallen und im Naturgebiet Eigenthal, oberhalb Kriens, wird es sicher noch viele dieser putzigen Tiere haben...

  • James am 10.09.2019 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Axttest

    Man könnte auch untersuchen, ob sie Schlägen mit einer Axt ausweichen, da auch dies dem Überleben dienlich ist. Was unsere heutigen "Forscher" meinen zu erforschen, ist einfach nur logisch und sehr simpel. Heute kann keiner mehr wirklich was.

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  • Armin am 10.09.2019 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Evolutionsresistente Forscherinnen?

    Glauben gewisse Forscher/Innen effektiv, die Evolution sei an anderen Lebewesen abgeprallt, ausser dem Menschen?! Aber selbstverständlich hören die Eichhörnchen mit! Sonst bräuchten sie ja auch keine Ohren, wozu auch? Sie singen sich ja nichts vor. Und gäbe es hier bei uns Erdmännchen/Präriehunde, würden die Eichhörnchen auch auf deren Warnrufe achten, denn sie haben ähnliche Fressfeinde. Jemand möge dies nun bitte "untersuchen".

Die neusten Leser-Kommentare

  • frankG. am 10.09.2019 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Herzig"

    Eichhörnchen sind sooo herzig und so zutraulich! Sie gehören zu meinen Lieblingen für Fotos.

  • John Kipkoech am 10.09.2019 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Grauhörnchen in der Schweiz!

    Es gibt noch keine Grauhörnchen in der Schweiz - Gott sei Dank! Die Meldung ist falsch. Hingegen tummeln sich in Genf am See Streifenhörnchen (Burunduks) - sehr hübsche Kerlchen. Die Population ist allerdings isoliert, sie wird sich nicht weiter ausdehnen.

  • Daisydream am 10.09.2019 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewitzte Tiere

    Sehe täglich beim Waldspaziergang (Waldbaden:))) Eichhörnchen. Sind alles andere als dumm. Der Mensch ist wahrscheinlich das einzige Tier, das auf Rufe anderer Tiere nicht achtet oder sie nicht zu deuten weiss. Ob diese Richtung der Evolution die richtige war? Zum teil sind die Menschen heute sooo weit von der Natur entfernt, ohne Technologie könnten viele nicht mehr überleben.

    • Druff am 10.09.2019 15:20 Report Diesen Beitrag melden

      Früher so heute so

      Heute achten wir auf Geräusche der Fahrzeuge, damit die uns nicht erwischen :)

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  • Mario P. S. am 10.09.2019 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EINE SCHÖNE BEGEGNUNG!

    Ich sehe sehr selten ein Eichhörnchen. Aber gerade gestern erfreute ich mich über ein Eichhörnchen, als es im Talboden, Eigenthal-LU (ca. 1OOO m.ü.M.), über die Strasse hüpfte, und nachher kurz umherschaute, bevor es zuoberst im Eiltempo auf eine Tanne kletterte und subito wieder hinunter. Konnte alles genau beobachten, weil ich auf das Postauto warten musste. Leider spielte gestern das Wetter noch nicht mit -- aber die Begegnung mit dem herzigen Tier hat alles wieder wett gemacht. Eichhörnchen haben mir schon immer gefallen und im Naturgebiet Eigenthal, oberhalb Kriens, wird es sicher noch viele dieser putzigen Tiere haben...

  • H. Cheng am 10.09.2019 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    In Zürich gibt's keine Eichhörnchen mehr

    Grün Stadt Zürich hat die Eichhörnchen erfolgreich ausgerottet. Die Stadt ist sauber!