Krebsrisiko

29. März 2019 18:31; Akt: 29.03.2019 18:31 Print

Eine Flasche Wein ist so schlimm wie 10 Zigis

Nicht nur Zigis, auch Bier, Schnaps und Wein können Krebs verursachen. Forscher haben nun die Auswirkungen von Tabak und Alkohol verglichen.

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Für viele Menschen gehört zu einer richtigen Party auch Alkohol dazu. Bevor man allerdings kräftig zulangt, ... ... sollte man sich bewusst machen, dass Alkohol, genauer gesagt Ethanol, als Gift gilt: 2007 wurde der Stoff von der WHO als potenziell krebserregend eingestuft. Ausserdem soll er nach bisherigem Kenntnisstand für über 300 Krankheiten und Organschäden verantwortlich sein. Doch wie so oft gelten auch hier die viel zitierten Worte des Schweizer Mediziners Paracelsus (1493–1541), der frei übersetzt sagte: «Die Dosis macht das Gift.» Soll heissen: Gegen Alkohol spricht nichts, solange er massvoll getrunken wird. Doch bereits seine Zeitgenossen schlugen seine Ermahnungen oft in den Wind. Die Alkoholkrise war so gross, dass der deutsche Reformator vor dem «Saufteufel» warnte. Auch wenn die Gelage heute in der Regel moderater ausfallen: Ganz unberechtigt war Luthers Warnung nicht, denn Alkohol beeinflusst so gut wie jedes Organ, wie die nächsten Bilder zeigen. Sofort nach dem ersten Schluck beginnt die Aufnahme ins Blut: Ein kleiner Teil gelangt über die Mundschleimhaut und die Speiseröhre direkt dorthin. Bis zu einem Viertel wird über die Magenschleimhaut aufgenommen. Der Rest gelangt über den Darm ins Blut. Nach rund zwei Minuten kommt der Alkohol im Gehirn an. Dort dringt er in alle Hirnareale ein, auch in das sogenannte Belohnungszentrum, wo er verstärkt Botenstoffe wie Dopamin und Endorphine freisetzt. Ab einem Blutalkoholwert von 0,5 Promille wird man unternehmungslustig und gesellig, aber auch hemmungsloser. Die Risikobereitschaft steigt. Die Reaktionsfähigkeit dagegen sinkt. Bei einem Blutalkoholwert von 0,8 Promille ist sie gegenüber dem nüchternen Zustand um 30 bis 50 Prozent verlängert. Aber das merkt man nicht. Man fühlt sich entspannt. Zudem bekommt man Schwierigkeiten, wenn es darum geht, Entfernungen richtig einzuschätzen. Bei 1 bis 2 Promille ist das Gleichgewicht beeinträchtigt. Zudem verändern sich die Emotionen und das Verhalten. Auch Stimmungsschwankungen können die Folge sein, genauso wie eine plötzlich aufkommende Müdigkeit. Auch das Aggressionspotenzial steigt: So zeigte zuletzt eine Studie des Bundes, dass bei Gewalthandlungen im öffentlichen Raum zunehmend Alkohol im Spiel ist. Wer trotz ersten Ausfallerscheinungen weitertrinkt, riskiert, ganz die Kontrolle über sich und seinen Körper zu verlieren. Ab 3 Promille kann ein Erwachsener bewusstlos werden und gar ins Koma fallen. Grundsätzlich gilt: Frauen vertragen Alkohol weniger gut als Männer. Für sie ist dieselbe Menge Alkohol schädlicher als für einen Mann. Dies einerseits, weil Frauen im Verhältnis zu ihrem Gewicht mehr Körperfett und weniger Körperwasser haben. Da sich Alkohol in Wasser besser löst als in Fett, ist nach dem Konsum der gleichen Menge die Alkoholkonzentration im Blut bei Frauen in der Regel höher. Andererseits weil Frauen über geringere Mengen des Leber-Enzyms ADH (Alkoholdehydrogenase) verfügen, das den Alkohol in Azetaldehyd abbaut. Wer zu viel Alkohol getrunken hat, den erwartet am nächsten Tag ein ausgewachsener Kater. Der ist zwar unangenehm, aber bei weitem nicht so gefährlich wie eine akute Alkoholvergiftung, die aufgrund der gereizten Magenschleimhaut häufig mit Erbrechen einhergeht. Es besteht zudem die Möglichkeit, am Erbrochenen zu ersticken. Auch lebensbedrohliche Atemlähmungen können die Folge sein. Das erste bekannte Alkoholopfer der Geschichte war kein Geringerer als König Alexander der Grosse: Er war nicht nur ein genialer Feldherr, sondern auch für seinen reichlichen Alkoholkonsum bekannt. Letztendlich starb er daran. Bei einer Alkoholvergiftung besteht auch die Gefahr zu erfrieren: Weil das Blut durch den Alkohol in die äusseren Körperregionen gelenkt wird, entsteht ein trügerisches Gefühl der inneren Wärme. Das täuscht darüber hinweg, dass die Körpertemperatur eigentlich stark absinkt. Während es sich beim bisher Erwähnten um direkte Folgen von Alkoholkonsum handelt, gibt es auch Spätfolgen, die sich nach dem regelmässigen und übermässigen Trinken einstellen. Laut Medizinern wie dem Leberspezialisten Helmut Karl Seitz aus Heidelberg geht bereits von «moderatem Dauerkonsum» eine Gesundheitsgefahr aus, denn auch so kommen Alkoholmengen zustande, die der Körper auf Dauer nicht verkraftet – weil ihm die alkoholfreien Erholungsphasen fehlen. Durch regelmässigen Alkoholkonsum kann es zu schweren Organschäden kommen. Am stärksten davon betroffen ist die Leber (dunkelrot), denn in ihr wird der grösste Teil des Alkohols abgebaut. Das Problem: Beim Abbau von Alkohol werden die für diesen verantwortlichen Leberzellen geschädigt und es sammelt sich Fett an. Dies kann zu einer Fettleber, zu Gelbsucht sowie zu einer Leberzirrhose und -krebs führen. Zu einer Leberzirrhose, der wohl bekanntesten Folge von übermässigem Alkoholkonsum, kommt es, weil die Leberzellen wegen Überlastung nach und nach absterben und sich immer mehr knotiges Narbengewebe bildet. Die Leber schrumpft. Irgendwann bleiben zu wenig Leberzellen übrig und der Körper kann nicht mehr entgiftet werden. Man stirbt. Aber nicht nur die Leber wird angegriffen: Alkoholiker und regelmässig konsumierende Genusstrinker leiden häufig auch an entzündeten Bauchspeicheldrüsen (Pankreas). Wird das Problem chronisch, kommt es zu Kalkablagerungen, die schlussendlich zu einer Verstopfung des Organs führen. Alkoholkonsum kann Veränderungen am Herzen zur Folge haben. Der Blutdruck wird durch Alkoholkonsum erhöht. Dadurch steigt auch das Herzinfarktrisiko. Zu viel Alkohol schadet zudem Haut und Blutgefässen. So kann regelmässiges Trinken zu entzündlichen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) führen. Mit schuld daran kann eine weitere Folge von chronischem Alkoholkonsum sein: ein geschwächtes Immunsystem. Auch Krebs, insbesondere Speiseröhrenkrebs, geht oft auf das Konto von Alkohol. Laut einer an der Tagung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) vorgestellten Studie erkranken weltweit jährlich rund 700'000 Menschen aufgrund ihres Alkoholkonsums an Krebs. Jährlich stehen 365'000 Todesfälle von Patienten mit Leber-, Speiseröhren-, Darm-, Hals- oder Brustkrebs mit Alkohol in Verbindung, so das Fazit der Wissenschaftler. Wie gefährlich Alkohol sein kann, zeigen auch Zahlen aus der Schweiz. Laut dem Bundesamt für Gesundheit sterben hierzulande jährlich rund 1600 Menschen zwischen 15 und 74 Jahren an den Folgen von Alkohlkonsum. Allein die Leberzirrhose führt zu mehr als 430 Todesfällen pro Jahr. Etwa doppelt so häufig sind tödlich ausgehende alkoholbedingte Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Störungen. Die Aufmerksamkeit und die Konzentrationsfähigkeit können ebenfalls dauerhaft beeinträchtigt werden. Der Grund: Regelmässiger Alkoholkonsum kann zu schweren hirnorganischen Schäden führen. Konkret sorgt er für ein Schrumpfen der Hirnsubstanz, über die Jahre sterben Nervenzellen, der Gang wird unsicher, die Hände zittern. Auch das Risiko für psychische Krankheiten wie Depressionen oder Psychosen steigt. Aber was heisst das? Laut «Sucht Schweiz» liegt gesundheitlich unbedenklicher Alkoholkonsum bei gesunden erwachsenen Frauen bei 12 Gramm reinem Alkohol. Das entspricht einem sogenannten Standardglas – 3 Dezi Bier, 1 Dezi Wein, 2 cl Spirituosen – pro Tag. Männer dürfen etwas mehr trinken: Für sie liegt die Grenze bei 24 Gramm Alkohol pro Tag, etwa zwei Standardgläsern. Doch wie immer gilt auch in Sachen Alkohol: Ausnahmen sind erlaubt. Wer mal über die Stränge schlägt, hat wenig zu befürchten. Schwangere sollten jedoch ganz darauf verzichten.

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Eine Flasche Wein pro Woche? Das tönt erst mal nicht nach viel. Doch gemessen an dem, was die Menge im Laufe der Jahre auslösen kann, sind wöchentlich 750 Milliliter vergorener Traubensaft doch eine Menge. Darauf lässt zumindest eine im Fachjournal «BMC Public Health» publizierte Studie schliessen.

Für diese haben Forscher um Theresa Hydes von der University of Southampton das Krebsrisiko von Alkohol- und Tabakkonsum miteinander verglichen.

Risiko vom Geschlecht abhängig

Dabei zeigte sich, dass der Konsum von einer Flasche Wein pro Woche das Risiko für die Entstehung von Krebs in dem gleichen Masse erhöht wie das Rauchen von bis zu zehn Zigaretten pro Woche.

Wie viele Zigis man anstelle einer Flasche Wein trinken kann, hängt laut den Wissenschaftlern vom Geschlecht der Konsumenten ab: «Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das ‹Zigarettenäquivalent› einer Flasche Wein für Männer fünf und für Frauen zehn Zigaretten pro Woche beträgt», so Hydes in einer Mitteilung der Hochschule.

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Konkret heisst das: Wenn 1000 Männer und 1000 Frauen jeweils eine Flasche Wein pro Woche trinken, entwickeln zehn Männer und 14 Frauen irgendwann in ihrem Leben Krebs – aufgrund von Alkohol. Bei wöchentlich drei Flaschen Wein wären es 19 Männer und 36 Frauen, die Krebs entwickeln würden. Bei Männern scheint dieses Risiko in erster Linie mit Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes verbunden zu sein, bei Frauen dagegen vor allem mit Brustkrebs.

Insgesamt wird Alkohol mit sieben Arten von Krebs in Verbindung gebracht, darunter Brust-, Leber-, Speiseröhren-, Mund- und Darmkrebs. «Doch im Gegensatz zum Rauchen ist dies in der Öffentlichkeit nicht so bekannt», so Hydes in einem Blogbeitrag. Um das zu ändern und die von Alkohol ausgehende Gefahr bekannter zu machen, habe man den Vergleich mit Zigaretten gezogen.


Geteilte Meinungen

Andere Experten sind weniger davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist, wie sie auf Sciencemediacenter.org zum Ausdruck bringen.

John Britton von der Universität Nottingham etwa gibt an, nicht sicher zu sein, ob Menschen aufgrund der Erkenntnisse ihr Verhalten ändern würden. Ausserdem rauchten nur wenige Raucher so wenige Zigaretten pro Woche – und diejenigen, die mehr rauchen würden, hätten auch ein signifikant erhöhtes Risiko für andere Erkrankungen im Vergleich zu Nichtrauchern oder zu Menschen, die eine Flasche Wein pro Woche trinken würden.

Auch Minouk Schoemaker vom Institute of Cancer Research kritisiert gegenüber der BBC, dass die Studie nur Krebs berücksichtige. Zudem sei die Sache nicht so einfach: «Das Gesamtbild des Krebsrisikos ist enorm komplex und differenziert. Daher ist wichtig zu wissen, dass diese Studie einer Reihe von Annahmen unterliegt.»

Doch auf welcher Seite man auch stehen mag: Unbestritten ist, dass Rauchen und übermässiges Trinken ungesund sind.

Darum wird der Kater mit jedem Jahr schlimmer

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat am 29.03.2019 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist mit

    Krank macht Arbeiten und Steuern bezahlen.

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  • Gerald am 29.03.2019 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    nonsens

    dann wären die Franzonsen, Italiener, Spanier etc. alle früh unter der Erde. Komisch, dass dort die gesündesten Menschen leben

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  • Weinspezialist am 29.03.2019 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chabis

    Ein Glas Wein, das muss sein!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 03.04.2019 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krebs bekommt man

    auch, wenn man derartigen wissenschaftlichen Quatsch ständig von den Medien aufgetischt bekommt.

  • Domi am 03.04.2019 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Rauch um nichts

    Alkohol und Nikotin, rafft die halbe Menschheit hin. Doch ohne Schnaps und Rauch stirbt die andre Hälfte auch.

  • SuperWhineWhiskeySmoker am 02.04.2019 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Grüsse aus der Schweiz

    Kein Problem, ich rauche stets mindestens zehn Zigaretten, wenn ich besoffen bin, von daher, Gleichgewicht schafft Entspannung.

  • Appeeri am 02.04.2019 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe es prophezeit!

    Schon viele Jahre wird auf uns Rauchern herum getrammpelt. Schon vor langer Zeit habe ich zu den Nichtrauchern die gerne mal Alkohol trinken gesagt: "Wartet nur ab... als nächstes wird der Alkohol zum Sündenbock gemacht, dann sitzt ihr im gleichen Boot wie die Raucher." Und ich kann noch was prophezeien; Da Alkohol auch verdunstet wird bald der passive Alkoholkonsum von Kindern die mit Alkoholtrinkern am gleichen Tisch sitzen zum Thema gemacht. Bald stehen die Alkoholkonsumenten zusammen mit den Rauchern in der Schämecke. Oder zum Fumoir gibt es ein Alkoir ;-) Alles böse nur Chemie nicht ;)

    • Stimme am 10.04.2019 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Appeeri

      Zu! Weil die nächsten sind die Schokolade Esser? Bin mir aber fast sich dass dann die Mehlwürmer Esser an der Reihe sind,und die Menschheit wird auch in Zukunft ausnahmslos Sterben!

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  • Realist am 01.04.2019 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solche Studien sind absoluter Quatsch!

    19 Männer von 1000? Gehts noch? Es ist UNMÖGLICH, eine Sache so zu isolieren, dass man daraus auf die Gefahr von Krebs schliessen kann. Diese 1000 Männer assen auch Mikroplastik und mit Pestiziden gespritztes Gemüse und Früchte. Hier auszuschliessen, das z.B. diese Tatsache die Ursache von Krebs von 19 dieser Männer (nicht mal 2%!) ist, ist absurd. Absurder aber noch ist es, zwei Risikofaktoren bezüglich Krebsrisiko zu vergleichen. Sorry, aber solcher Mist ist absolut unwissenschaftlich und letztlich eben nur Mist!