Chlamydien, Tripper und Co.

06. Juni 2019 16:59; Akt: 06.06.2019 16:59 Print

Jeder Vierte hat eine Geschlechtskrankheit

Mit sexuell übertragbaren Krankheiten stecken sich weltweit pro Tag mehr als eine Million Menschen an. Experten sprechen von einer «gefährlichen Epidemie».

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Jedes Jahr gibt es unter 15- bis 49-Jährigen nach einer neuen Schätzung 376 Millionen neue Infektionen mit Trichomonaden, Chlamydien, Gonokokken oder Syphilis, wie die WHO am Donnerstag berichtete. Oft infiziere sich ein Mensch mit mehreren Erregern gleichzeitig oder mehrfach im Jahr.

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Die Gesamtzahl gilt für 2016 und liegt gut fünf Prozent höher als bei der vorherigen Schätzung für 2012. Infektionen mit Viren wie etwa HIV wurden für beide Schätzungen nicht berücksichtigt.

Frauen stärker betroffen als Männer

«Dies ist eine stille und gefährliche Epidemie», sagte eine der Autorinnen, Melanie Taylor. Jeder vierte Erdbewohner sei mit einer der Krankheiten infiziert. Zwar steckten sich jedes Jahr etwa gleich viele Frauen und Männer neu an. Weil die Bakterien bei Frauen hartnäckiger seien, seien diese deutlich stärker betroffen als Männer.

«Dies ist ein Weckruf», sagte Peter Salama, WHO-Direktor für flächendeckende Gesundheitsversorgung. «Wir brauchen gemeinsame Anstrengungen, damit jeder Mensch überall Dienste in Anspruch nehmen kann, um diesen beeinträchtigenden Krankheiten vorzubeugen und sie zu behandeln.»

Der Bericht umfasst nur die vier genannten Krankheiten. Zusätzlich sind nach Angaben der WHO Hunderte Millionen Menschen von Herpes- oder Humanen Papillomviren (HPV) betroffen, die ebenfalls bei Sexualverkehr übertragen werden.

Totgeburten und Unfruchtbarkeit

Die vier Krankheiten könnten schwerwiegende Folgen haben, darunter Eileiterschwangerschaften, Totgeburten, Unfruchtbarkeit, Herz-Kreislauferkrankungen sowie Arthritis, warnen die Autoren. Allein 2016 seien rund 200'000 Babys von mit Syphilis infizierten Müttern kurz vor oder kurz nach der Geburt gestorben. Damit sei Syphilis die zweithäufigste Todesursache für Babys nach Malaria, sagte Taylor.

Die Krankheiten seien aber heilbar. Die WHO empfiehlt mehr Tests und bezahlbare Medikamente sowie Aufklärung zur Vorbeugung, etwa über die Notwendigkeit einer konsequenten Nutzung von Kondomen. In manchen Ländern sei zur Behandlung von Syphilis nicht genügend Benzathin-Penicillin vorhanden. Zudem seien immer mehr Gonokokken resistent gegen Antibiotika. Die Gefahr sei, dass die Krankheit eines Tages nicht mehr zu behandeln sei.

Trichomonaden und Chlamydien führen

Mit Abstand am häufigsten sind nach dieser Untersuchung Infektionen mit Trichomonaden. Sie machen mehr als 40 Prozent aller Fälle aus und betreffen 156 Millionen Menschen pro Jahr. Bei der Infektion führen die einzelligen Parasiten zu einer Entzündung der Geschlechtsorgane und Harnwege. Betroffene Männer haben oft keine Beschwerden und übertragen die Krankheit unwissentlich.

Am zweithäufigsten sind Erkrankungen durch Chlamydien, die 127,2 Millionen Menschen betreffen. Auch hier treten Beschwerden wie Ausfluss oder Brennen beim Wasserlassen oft nicht oder erst spät auf.

Mit Gonokokken – Gonorrhö oder umgangssprachlich Tripper – infizieren sich weltweit jedes Jahr 86,9 Millionen Menschen. Angegriffen sind meist die Schleimhäute der Harnwege und Geschlechtsorgane, die Erreger können aber etwa auch die Augenbindehaut befallen. An Syphilis erkranken 6,3 Millionen Menschen. Auch hier dringen Erreger über die Schleimhaut oder Hautrisse in den Körper ein. Betroffene können ein Geschwür bekommen sowie Hautausschläge und Fieber.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudia am 06.06.2019 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Treue ist lohnenswert

    Vielleicht festigt sich dann irgendwann wieder die Erkenntnis, dass treue doch seine Vorteile hat.... Ich jedenfalls geniesse meinen Ehepartner seit 23 Jahren! Yea:) Und kein Geschlechtskrankheiten.

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  • LUZ93 am 06.06.2019 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn wunderts

    Wenn wunderts ... bei dieser Egoisten Gesellschaft.

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  • romeosail am 06.06.2019 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wundert

    solche Zahlen? Wenn oft der Verstand im Hüftbereich steckenbleibt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lilly am 07.06.2019 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheit für viele unwichtig

    Es wird immer Menschen geben, die sich nicht um ihre Gesundheit kümmern und Krankheiten in Kauf nehmen und das nicht nur bei Sex. Schlimm finde ich, wenn es Leute gibt, die ohne Gummi fremdgehen und es sogar bei Prostituierten ohne Gummi machen wollen.

  • O M G am 07.06.2019 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    schade, ist Schlausein

    nicht ansteckend, dann hätte es nicht soviele oberflächliche und denkresistente Kommentare zum fremdschämen. Und schade, färben sich Menschen mit Geschlechtskrankheiten nicht von selbst orange oder lila oder so ein, dann wäre das Argument man hätte es der Person gar nicht angesehen, dass er/sie an sowas erkrankt ist aus der Welt. Weil die Person so gepflegt und sauber und so ehrlich wirkte. Ich weiss, Schlauheit schütz vor Schaden nicht, aber mitdenken könnte schon einiges an so übertragbaren Sexkranheiten verhindern

  • nw1m am 07.06.2019 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    weltweiter ø

    Das ist der WELTWEITE Durchschnitt. Die Zahl ist so hoch, weil es Gegenden gibt in denen einerseits sehr viele Menschen leben und andererseits 95% infiziert sind.

    • Nullkommanichts am 07.06.2019 12:36 Report Diesen Beitrag melden

      ein "Wander - Vöglein"

      reicht, egal ob in dick oder dünn besiedelter Gegend, um etwas zu verbreiten. Und nur weil du evtl. in einer Region mit wenigen Menschen lebst glaubst du verschont zu sein? oder was soll dieses Argument? Stell dir vor, in deiner Gegend wohnen nur zwei - Du und dein/e Partner/in und ihr habt es beide, dann sinds schon 100%. In vergleichender Relationstheorie warst Du Kreide holen?

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  • r.merz am 07.06.2019 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    importiert

    Und das meiste wird Dank Merkel importiert. Und das Volk zahlt auch noch zu 100%.

    • Karl am 07.06.2019 12:50 Report Diesen Beitrag melden

      Merkel UND die Stimmbürger hier

      Dank Merkel ja. Aber auch dank 70% der hier stimmberechtigten Leute. DIE wollen das auch. Jeglicher Versuch dem Einhalt zu gebieten wurde an der Urne bisher abgeschmettert. Also selber Schuld!

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  • Paul am 07.06.2019 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Vor und nach dem WC Hände waschen

    ich frage mich oft.... was denken Männer... welche auf dem WC oder nach dem STUHLEN ihre Hände nicht waschen??? denn ich habe das Gefühl, dass MAN(n) sich auch so mit einer Geschlechtskrankheit anstecken kann. Wie oft hinterlassen solche beim verlassen vom WC auf Türfallen Keime . Warum nicht solchen eine Busse aufzwingen...

    • Info am 07.06.2019 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Paul

      Gebärmutterhalskrebs kann im Übrigen dadurch ausgelöst werden, wenn der männliche Partner seine Vorhaut, die Eichel nicht regelmässig wäscht. Unter der Haut bilden sich beim Mann Chlamyden, welche bei der Frau Gebärmutterkrebs auslösen kann.

    • Claudia am 07.06.2019 09:17 Report Diesen Beitrag melden

      Männer?

      Bin nicht sicher ob dies ein reines Männerproblem ist.

    • Brumm am 07.06.2019 10:46 Report Diesen Beitrag melden

      Ach Paul

      Nur schon ein kleines Nachdenken würde reichen wie kompliziert das wäre jeden Mann nach dem Stuhlgang zu kontrollieren könnte helfen auf diese ewig mühsamen und langweiligen "Bussen"-Kommentaren zu verzichten.

    • Leorin am 07.06.2019 17:50 Report Diesen Beitrag melden

      Aufklärung

      Bitte zuerst informieren wie sich die Krankheiten übertragen. Hab noch nich gehört das sich jemand mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt hat, nur weil er die Türfallen angefasst hat. Die meisten übertragen sich via Schleimhäute. Man müsste schon daran lecken. Aber auch dann bezweifle ich es stark

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