«Fragen statt erklären»

21. August 2015 23:48; Akt: 21.08.2015 23:48 Print

Eltern sind schuld an den schlechten Mathe-Noten

von Santina Russo - Viele Eltern wollen ihren Kindern in Mathe helfen – doch damit richten sie nur Schaden an.

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Fühlt sich der Vater in Mathematik unsicher, sollte er seinem Sohn besser nicht bei den Hausaufgaben helfen. (Bild: Keystone/Eric Audras)

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Eltern, bei denen beim Gedanken an einen Mathe-Test der kalte Schweiss ausbricht, haben unter Umständen einen schlechten Einfluss auf die Schulnoten ihrer Söhne und Töchter. Das haben Forscher der Universität Chicago herausgefunden. In einer Studie fragten sie rund 440 Elternpaare, ob sie Angst vor Mathematik hätten. Ihre Angaben wurden mit den schulischen Leistungen ihrer Kinder verglichen.

Resultat: Haben Eltern Angst vor Mathe und helfen ihren Kindern regelmässig bei den Mathe-Hausaufgaben, schaden sie ihnen damit. Die Kinder schreiben schlechtere Noten als jene Schüler, deren Eltern zwar auch Angst vor Mathe haben, sie aber bei den Aufgaben nicht unterstützen. Warum die vermeintliche Hilfe genau das Gegenteil bewirkt, sagt Psychologe Fabian Grolimund von der Akademie für Lerncoaching.

Herr Grolimund, wenn Mathe-ängstliche Eltern ihren Kindern helfen, werden deren Noten schlechter. Was läuft falsch?
Fabian Grolimund:
Die Kinder übernehmen die Angst der Eltern. Allein dass Papa im Alltag häufig Zahlen aus dem Weg geht, etwa das Zusammenrechnen der Punkte beim Kartenspielen immer anderen zuschiebt, hat einen negativen Einfluss. Noch stärker spüren die Kinder den Stress der Eltern bei der Hausaufgabenhilfe – das überträgt sich auf ihre Leistungen. Dazu kommt, dass unsichere Eltern die Kinder mit ihren Erklärungen oft mehr verwirren als ihnen helfen. Sie erklären ihnen die Übungen auf die Art, wie sie selbst sie vor 30 Jahren gelernt haben. Die Kinder wehren sich: «Das haben wir in der Schule ganz anders gelernt!» Das führt oft zu Streit.

Dann sollten Eltern besser überhaupt nicht versuchen, zu helfen?
Doch, wenn ein Kind Unterstützung wünscht, sollten die Eltern ihm diese geben. Dabei sollten sie aber weniger selbst erklären, sondern viel mehr fragen und sich vom Kind zeigen lassen, wie es den Stoff im Unterricht gelernt hat.

Weshalb haben Eltern gerade in Mathe einen so schlechten Einfluss?
Viele Eltern glauben, dieses Fach sei reine Begabungssache. Es fallen Aussagen wie: «Das konnte ich früher auch nicht.» Was eigentlich tröstend gemeint ist, gibt den Kindern das Gefühl, dass Üben sowieso nichts bringt. Das wirkt demotivierend. Dabei zeigen Studien: Übung spielt auch bei Mathe eine wichtige Rolle.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mina am 21.08.2015 23:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe

    Ich (6. Oberstufe) mag Mathe. Mein Vater ist Physiker und bietet mir sehr oft Hilfe vor Prüfungen an, aber obwohl er eigentlich gut erklären kann, lerne ich lieber alleine. Oft erklärt er Sachen mit Mathe und Physik nämlich sehr kompliziert, aber er hat wenigstens Verständnis, wenn ich dankend ablehne.

  • Chachacha am 22.08.2015 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habe ich selber erlebt

    Als ich vor 20 Jahren in der Primarschule war, ging es mir ähnlich. Ich weiß noch, dass meine Eltern das Thema Schnittmengen nicht kannten. Es sind von ihrer Seite eher Fragen aufgetaucht, welche mir nicht geholfen haben. Im Gymi, Ausbildung und Studium habe ich eigentlich immer ohne meine Eltern gelernt. Ist ja auch verständlich, dass sie solche Aufgaben nicht mehr lösen können, da sie schon lange nicht mehr mit der Materie vertraut sind. War für mich völlig okay. Es hätte zu lange gedauert, bis sie sich selbst wieder eingelesen hätten. Daher habe ich oft gemeinsam mit Freunden gelernt.

  • Eva am 22.08.2015 00:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mathe und Schule

    Meine Kinder sind im Mathe gut und machen die Hausaufgaben immer selber. Ich war im Mathe mehr als gut und machte meine Hausaufgaben auch selber. Die Schule sollte mir das beibringen nicht meine Eltern sonst braucht man keine Schule.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Re/Su am 22.08.2015 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das macht mich nachdenklich!

    Mich irritieren die lehrerfeindlichen Kommentare immer wieder auf das Neue! Sorry, aber Kindern, die früher in eine Sonderklasse gekommen wären, da sie selbst in der 6. Klasse das kleine Einmaleins nicht beherrschen, kann man die Proportionalität beim besten Willen nicht erklären! Desweiteren sollte immerhin ein Interesse bestehen etwas zu lernen und dies nicht nur unbedingt für eine gute Note, sondern einfach da es toll ist erwas zu verstehen, oder etwa nicht?

  • Math-ias am 22.08.2015 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    Bei mir war es NICHT so! Mein Vater, selber begnadeter Mathlehrer, hat mir jeweils den Stoff sehr gut, einfach und plastisch erklärt! Das hat bei mir enorm gut funktioniert, auch notenmässig. Alleine, bzw. mit meinem Schulmathlehrer hatte ich keine Chance. Wichtig ist, dass man wirklich step-by-step vorgeht und nie Unsicherheiten überspringt. Math ist nämlich lernbar und macht erst Spass, wenn man begreift!

  • Armen H. am 22.08.2015 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    wieso nicht helfen?

    ich mache die hausaufgabben meiner chinder immer selber die müssen mal nicht zum arbeiten das geht heute super mit socialhilfen. so ist kein stres mit schlächten note!

  • Mia Kiburz am 22.08.2015 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr als auswendig lernen

    Das Problem bei der Mathematik ist, dass die Methode auswendig lernen an ihre Grenzen stösst, da es darum geht einen mathematischen Zusammenhang aus einer Textaufgabe herauszufinden oder anzuwenden oder eine mathematische Regel in einer Funktion oder Gleichung anzuwenden. Jeder hat somit bei der Denkarbeit andere Ansichten und so werden Erklärungen komplizierter und eine Problem bei älteren Eltern ist, dass der Dreisatz durch die Proportionalität ersetzt wurde. Das Prinzip unterscheidet sich nur in der Lösungsmethode.

  • Vater am 22.08.2015 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wesentliches

    Eltern sollten grundsätzlich dafür sorgen das ihre Kinder eine gute Erziehung von Zuhause bekommen, so dass die Lehrer sich auf das Vermitteln von Schulstoff konzentrieren können. So helfen sie viel mehr, denn wenn die Lehrer zeit dafür aufopfern müssen solche Defizite auszubessern fehlt dementsprechend die Zeit für's Wesentliche. Damit helfen sie viel mehr als bei Hausaufgaben zu unterstützen