Kampf gegen Resistenzen

10. Mai 2019 15:45; Akt: 10.05.2019 15:45 Print

Weniger Antibiotika nötig dank neuem Schnelltest

Die Zeiten, in denen Patienten unnötig starke Antibiotika einnehmen müssen, könnten dank eines neuen Tests bald vorbei sein.

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Obwohl die Folgen – Resistenz-Bildungen – hinlänglich bekannt sind, ist der Antibiotika-Verbrauch weltweit weiter dramatisch angestiegen. Das berichten Forscher um Eili Klein vom US-Forschungszentrum CDDEP (Center for Disease Dynamics, Economics & Policy) In Europa sterben jedes Jahr etwa 90'000 Menschen, weil sie sich im Spital eine Infektion eingefangen haben. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Die Wissenschaftler gehen von insgesamt 2,6 Millionen Infektionen aus, die sich Patienten erst in einer Klinik zuziehen. Zu den häufigsten gehören Harnwegs- und Wundinfektionen, Lungenentzündungen und Blutvergiftungen, wie die Forscher im Fachblatt «Plos Medicine» berichten. Ein Drittel dieser Infektionen gilt als vermeidbar, zum Beispiel durch bessere Hygiene. Für ihre Studie haben die Forscher vor allem auf Daten des EDCD zurückgegriffen. Sie wurden 2011/12 in 30 europäischen Ländern mit insgesamt 510 Millionen Einwohnern erhoben. Die Schweiz war nicht darunter. Als Basis für die Auswertung dienten am Ende die Daten von rund 274'000 Patienten in rund 1150 Akutspitälern. Bei den Hochrechnungen wurden Spitalinfektionen, die durch multiresistente Erreger ausgelöst wurden, bewusst nicht separat ausgewiesen. Sie sind in die Gesamtzahl eingeflossen. (Im Bild: der Spitalkeim MRSA) In der Studie seien 85 bis 90 Prozent der in den 30 Ländern vorkommenden Spitalinfektionen erfasst worden, so die Wissenschaftler. Damit sind Infektionen gemeint, die sich die Betroffenen erst im Spital zugezogen haben. Das heisst nicht, dass automatisch Klinikmitarbeiter die Schuldigen sind. Vielmehr sind die Gründe für diese Infektionen vielfältig. So benötigen Klinik-Patienten oft invasive Untersuchungen oder Therapien. Sie bekommen zum Beispiel Katheter gelegt oder werden an Beatmungsgeräte angeschlossen. Das alles sind laut den Forschern Eintrittspforten für Erreger in den Körper. Zwar hätten viele Spitäler die Händehygiene verbessert und es gebe mehr geschultes Personal. Doch die Patienten würden immer älter und kränker und damit noch anfälliger für Infektionen. Mit einem Rückgang der Spitalinfektionen sei daher kaum zu rechnen.

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Tagelanges Warten auf Laborergebnisse könnte bald der Vergangenheit angehören. Möglich machen soll es ein neues Gerät, das Bakterien bei Patienten innert weniger Stunden nachweisen kann. Entwickelt haben es Wissenschaftler der Penn-State-Universität, wie diese im Fachblatt «Proceedings of the National Academy of Sciences» schreiben.

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Mit dem Gerät können mit Mikrotechnologie Bakterienzellen aufgespürt und nach ihrer Form nach Kategorien unterschieden werden. Zur ihrer genauen Bestimmung wird allerdings ein Elektronenmikroskop gebraucht.

Ergebnis nach 30 Minuten da

Mit dem Schnelltest kann nach Angaben der Forscher innerhalb einer halben Stunde festgestellt werden, ob sich überhaupt Bakterien in einer Probe befinden.

So aufgespürte Erreger können mit verschiedenen Antibiotika behandelt werden, so dass innerhalb weniger Stunden sichtbar wird, gegen welche Mittel sie resistent sind.

Antibiotika auch auf Verdacht verabreicht

Beim herkömmlichen Verfahren werden Bakterienkulturen im Labor angelegt, so dass Ergebnisse erst nach drei bis fünf Tagen vorliegen. Dies führe dazu, dass derzeit Antibiotika auf Verdacht verschrieben würden, selbst wenn gar keine bakterielle Infektion vorliege, sagte der Biomedizin-Ingenieur Pak Kin Wong, der das neue Testgerät mitentwickelt hat, der Nachrichtenagentur AFP.

Der übermässige Antibiotika-Einsatz in der Humanmedizin hat zur Entwicklung gefährlicher Resistenzen bei Krankheitserregern beigetragen (siehe Bildstrecke).

Weniger Resistenzen, bessere Behandlung

Wong machte anhand eines Beispiels den Nutzen der Neuentwicklung deutlich. Harnwegsinfekte seien die häufigsten bakteriellen Infekte. «Trotzdem sind 75 Prozent der Urinproben, die in ein Labor eingeschickt werden, negativ.» Mit einem Bakterien-Schnelltest könne «die Behandlung von Patienten bedeutend verbessert» werden.

Wong und sein Team haben für ihre Erfindung ein vorläufiges Patent beantragt. Sie arbeiten noch daran, die Grösse des Geräts zu verringern, damit es in Spitälern und Arztpraxen eingesetzt werden kann. Nach Wongs Einschätzung könnte der Schnelltest in etwa drei Jahren marktreif sein.

(fee/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 10.05.2019 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut und Recht, aber

    Solange die Fischzüchter und die CAFO-Farmen Antibiotika tonnenweise anwenden, fallen ein paar Prozente weniger kaum ins Gewicht. Trotzdem Danke, dass das Problem wieder einmal angesprochen wird, anstelle der Masernhysterie. Da sterben jährlich 90000 Menschen wegen früherem, gravierendem Missbrauch von Antibiotika, während wegen Masern - letzter Toter in der Schweiz 2015 - sogar demokratische Grundsätze für Zwangsmassnahmen ausser Kraft gesetzt werden sollen. Warum werden nicht stattdessen Zwangsmassnahmen gegen AB in der Fleischzucht angewendet?

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  • Dave74 am 10.05.2019 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Einmal vollpumpen bitte

    Das bringt aber nur etwas, wenn die Ärzte, welche jetzt schon auf Verdacht Antibiotika verschreiben, dann auch wirklich umstellen. Wäre eine gute Möglichkeit um weniger "einfach mal so" vollgepumpt zu werden. Als Teenager hatte ich oft Angina und zwar immer länger, bis ich die immer stärkeren verschriebenen Antibiotika abgesetzt habe. Seit dann bis heute hatte ich sie vielleicht noch 5 Mal, aber ohne Medis auch da wesentlich weniger lang.

  • Rüssel. am 10.05.2019 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rudi

    Zusätzlich wäre es notwendig neue Antibiotika zu entwickeln. Gewisse Geschlechtskrankheiten sind praktisch nicht mehr behandelbar. Quelle: WHO. Dies ist in gewissen Ländern bereits ein praktisches Todesurteil.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ïris52 am 11.05.2019 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    Antibiotika

    Ich war zürzlich beim Arzt, der bei mir einen viralen Infekt festgestellt hat. Er gab mir ein Rezept und der Apotheker sagte mir, dass mir das verschriebene Medikament ein Antibiotika sei !! Solche Aerzte sollten auf eine schwarze Liste kommen !!

  • Esser am 11.05.2019 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Essen

    Ja man bekommt ja seine Antibiotika Dosis schon bei der Nahrungsmittelaufnahme. Top!

  • Giudo S. am 11.05.2019 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Big Pharma

    Was passiert mit den bereits produzierten Antibiotika? Sie werden sicher den Tieren "vorgeschrieben", damit die Pharma keine Verluste erleidet.

  • Blasius am 11.05.2019 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles verpackt

    Sie gehen zum Arzt, weil Sie Fieber haben und sich krank fühlen (Bauchschmerzen). Der Laborwert zeigt einen hohen Entzündungswert. Jetzt kommt das grosse Rätselraten, der Arzt verschreibt Ihnen ein Antibiotika, in dem alles verpackt ist.that's it.

  • Magus am 11.05.2019 00:18 Report Diesen Beitrag melden

    Antibiotika sind unnütz

    Knoblauch wirkt genauso gut wie Antibiotika, vor allem in Kombination mit Grapefruitkernextrakt. Im Gegensatz zu Antibiotika, dass Pilze im Körper ernährt, killt der Grapefruitkernextrakt diese. Antibiotika sind also komplett unnötig. Eine schwerwiegende Entzündung habe ich mit Kurkuma-Kapseln und Leinöl behandelt. Der Arzt fragte mich dann ungläubig : Und sie haben die Antibiotika wirklich nicht genommen? Nein, kein einziges Mal.