Verirrt

18. April 2019 19:55; Akt: 18.04.2019 19:55 Print

Erschöpfter Eisbär 700 km von zu Hause aufgetaucht

In einem Dorf auf der russischen Halbinsel Kamtschatka ist ein ausgemergelter Eisbär gesichtet worden. Offenbar hat er die Orientierung verloren.

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700 Kilometer von seinem eigentlichen Lebensraum entfernt tauchte dieser erschöpfte Eisbär im russischen Dorf Tilitschiki auf. Es wird vermutet, dass das Raubtier die Orientierung verloren hat, während es auf einer Eisscholle trieb. Der aktuelle Fall erinnert an den ausgehungerten Eisbär, Aufgenommen hatte es die Naturfotografin Kerstin Langenberger, die seit vier Jahren jeden Sommer am Nordpolarmeer verbringt - um Fotos zu machen, aber auch um als Guide auf Expeditionsschiffen Touristen die Schönheiten der arktischen Natur zu zeigen. Den traurigen Eisbären entdeckte sie im Juli 2015, als ihr Schiff die Hinlopenstrasse zwischen Nordostland und Spitzbergen passierte. Der Vergleich ihres Fotos mit der Aufnahme von einem gesunden Eisbären zeigt, wie schlecht es dem im Juli gesichteten Exemplar gegangen ist. Langenberger macht den Klimawandel für seinen Zustand mitverantwortlich. Dafür erntete sie Kritik von einem Eisbärenforscher. Laut ihm könnte das Tier auch einfach alt sein. Dennoch bleibt Langenberger bei ihrer Meinung: Es gäbe genug Hinweise, dass die Erderwärmung auch die Arktis erreicht hat. So hat sie in diesem Jahr erstmals Feuerquallen im Nordpolarmeer entdeckt, die das Futter der Eisbären verknappen. Auch Papageientaucher sind eigentlich in anderen Gefilden zu Hause. Allerdings fühlen sie sich aufgrund der ansteigenden Temperaturen des Nordpolarmeers auch dort zunehmend wohl. Am offensichtlichsten sei aber der starke Rückgang von Gletschern und Packeis, den sie in den letzten vier Jahren beobachtet habe. Dadurch würden immer mehr Eisbären von ihren Jagdgebieten abgeschnitten.

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Das kleine Dorf Tilitschiki liegt im fernen Osten Russlands und hat gerade einmal 1700 Einwohner. Bekannt war es bisher in erster Linie, weil hier 2006 eine Folge von Erdbeben erhebliche Schäden angerichtet hatte. Jetzt ist Tilitschiki unfreiwillig um eine Attraktion reicher geworden. Es gibt im Dorf nun einen Eisbären.

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Der Bär kommt laut russischen Medien aus der rund 700 Kilometer entfernten Region Tschukotka im äussersten Nordosten Russlands. Tierschützer vermuten, dass das erschöpfte Raubtier die Orientierung verloren hat, während es auf einer Eisscholle trieb.

Wladimir Tschuprow von Greenpeace sagte dazu der Nachrichtenagentur AP: «Wegen des Klimawandels wird die Arktis wärmer und das Jagdgebiet kleiner und weniger gut zu nutzen. Das Eis geht zurück und die Eisbären suchen nach neuen Möglichkeiten, um zu überleben. Und am einfachsten ist es, zu den Menschen zu kommen.»

Eisbär wird zurückgeflogen

Die Einwohner Tilitschiki kümmerten sich um den Eisbären, indem sie ihm Fisch gaben. Die Behörden in Kamtschatka wollen den Eisbären nun gegen Ende Woche betäuben und per Helikopter zurück nach Tschukotka bringen.

Der aktuelle Fall erinnert an den ausgehungerten Eisbären, dessen Foto 2015 um die Welt ging oder an den Eisbären, der 2017 vor laufender Kamera wegen Schwäche zusammenbrach (siehe Video). Da Eisbären für die Robbenjagd auf Meereis angewiesen sind, sind sie besonders von der Klimaerwärmung betroffen.


Das Video von 2017, das einen verhungernden Eisbären in der Arktis zeigt. (Video: Tamedia/Paul Nicklen)

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 18.04.2019 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ich kann das mir einfach nicht ansehen. Mein Herz blutet..

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  • swissair747 am 18.04.2019 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brutal und traurig

    Es ist einfach sehr traurig, wenn man sieht, wie wir unseren schönen Planeten langsam aber sicher zerstören...

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  • Herr Max Bänzli am 18.04.2019 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    hoffentlich bekommt er nun genug Fleisch zum Essen von den Bewohnern da

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Neumann am 22.04.2019 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schicksal

    Das ist eben das Schicksal einer intakten Natur. Nur als Mensch nicht immer unterstützend eingreifen. Traurig für den gezeigten Bären, aber Teil des natürlichen Kreislaufes. Vll ist er am Ende seines Lebenszyklusses. Es gibt heute eine geschätzte Population von 25 T Tieren, es waren vor 80 Jahren auch schon wesentlich weniger. Also macht nicht auf jööö und Panik.

    • Markus am 04.05.2019 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Neumann

      Ok wenn intakte Natur dann konsequent bleiben. Wenn Wolf bei uns aufkreuzt, geschweige ein Bär nicht sofort abknallen! Das ist keine Natur. Irgendwie sind mir Russen, wenn es um Umgang mit wilden Tieren geht fast sympatischer als Eidgenossen. Sie vergöttern Katzen und verteufeln alle anderen Tiere. Insbesondere wilde.

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  • Biologe am 22.04.2019 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Mal ehrlich. Eisbären sind Lebewesen.

    Lebewesen sollte man nicht willentlich Schaden zufügen. Lebewesen haben eine begrenzte Zeit auf Erden; am Ende sterben alle. Sterben ist bei keinem Lebewesen schön. Der Tod ist nicht immer schön einfach; oft geht langes Leiden voran. Auch bei Eisbären. Klar hat man lieber schöne Eisbärenbilder; aber es gibt auch alte, kranke und dem natürlichen Tode nahe Eisbären. Schlimm und unangebracht ist, dass NGOs und WWF auch Bilder von einfach nur alten und dem Sterben nahen Eisbären missbraucht um Stimmung zu machen - völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Tränendrüsendrückend.

  • Arche Noah am 19.04.2019 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Eisbären

    Das Bild eines dahindriftenden Bären auf einer schmelzenden Eisscholle ist zu dem Symbolbild des Klimawandels geworden. Dabei nahm der Gesamtbestand an Eisbären seit Mitte des 20. Jahrhunderts erfreulich zu und die Tierart Eisbär existiert seit ca. 150 000 Jahren und hat seither Warmzeiten überstanden. Gefährdet war der Eisbär Mitte des vorigen Jahrhunderts, weil er damals übermäßig gejagt wurde. Seit er unter Schutz steht haben sich die Bestände erholt. Nach einer Zählung 1950 schätzten Naturschützer den Gesamtbestand auf nur 5000. Seither ist ihre Zahl auf 20 000 bis 25 000 gewachsen!!!

    • Chutzemist am 19.04.2019 22:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Arche Noah

      Einem Bericht der IUCN Polar Bear Specialist Group aus dem Jahre 2009 zufolge, nehmen 8 der 19 anerkannten Unterpoplulationen ab, 1 nimmt zu, 3 sind stabil und für 7 gibt es nicht genügend Daten, um eine Aussage zu treffen. 

    • Arche Noah am 22.04.2019 12:22 Report Diesen Beitrag melden

      @chutzemist

      Als Info!!! Im neuesten IUCN- Bericht steht ganz deutlich und gut leserlich geschrieben, dass heute 26'000 Eisbären leben und gezählt wurden!!! Und das im Jahr 2018 und nicht 2009!!! 1950 waren es gerade mal 5000, selber wohl Aktien bei der IUCN? Einfach chutzemist erzählen, gäll.

    • David Stoop am 22.04.2019 16:40 Report Diesen Beitrag melden

      @arche Noah

      Jetzt vergessen Sie aber den Zusammenhang sauber zu dokumentieren. 1950 wurde 1. noch im grossen Stil Jagd auf Eisbären gemacht und man konnte diese 2. noch wesentlich schlechter zählen als heute (man tut dies durch Sichtungen, welche man hochrechnet). Also nein, die Bestandszahlen von 1950 helfen nicht dabei eine brauchbare Aussage über den Zustand der heutigen Population zu treffen. Sie liegen also trotzdem falsch, weil Sie die Zusammenhänge absichtlich weglassen. Schämen Sie sich.

    • Armin am 02.05.2019 14:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Arche Noah

      Na und? Das ändert nichts daran, dass in einem einzigen katastrophalen Jahr sämtliche Eisbären "auf einmal" krepieren könnten. Genau so, wie ein katastrophal trockenes Jahr in Namibia/Südafrika ganze Populationen wild lebender Tiere auslöschen könnte. Wenn es dann kommt, dann geht deutlich schneller, als viele denken. Oder wollen Sie nun ernsthaft bestreiten, dass das arktische Eis in den letzten Sommern viel zu dünn geworden ist und am Ende zu wenig Ausdehnung hatte?

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  • LLLL am 19.04.2019 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Meer im Jura

    Wo ist denn das Meerwasser hin, dass vor tausenden von Jahren den Jura bedeckte? Die Erde is seit ihrer Entstehung im Wandel und das ist auch gut so. Der Mensch muss sich anpassen und die Natur wird sich anpassen.

    • Ephraim Lercher am 22.04.2019 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @LLLL

      Und wenn das immer noch so wäre, gäbe es heute keine Jura Kaffeemaschinen. Ich brauch jetzt ein Käffchen.

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  • Stefan am 19.04.2019 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    @alle, denen "das Herz blutet"

    Ich verstehe euch. Wirklich. Aber mein Herz blutet vor allem dann, wenn ich an die Gefolterten und Ermordeten in Syrien, Nordkorea, Jemen, China oder Saudi-Arabien denke.

    • Sofia am 19.04.2019 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan

      Und an dem ganzen Elend ist das Exemplar Mensch beteiligt.

    • Elfe68 am 22.04.2019 11:49 Report Diesen Beitrag melden

      Deshalb blutet mein Herz

      Menschen könnten denken, tun sie aber nicht, Menschen könnten miteinander reden, tun sie aber nicht, Menschen nehmen Menschen Alles weg, Menschen die ach so intelligenten Wesen, zerstören sich selbst, die Umwelt und die Tiere. Tiere allerdings wissen nicht was ihnen geschieht, sie müssen für die Masslosigkeit der Meschen büssen und sie haben ihnen nicht einmal Etwas angetan. Deshalb blutet mein Herz.

    • David Stoop am 22.04.2019 16:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan

      Der Fachbegriff ist Whataboutism. D.h. dass Sie etwas, das rein gar nichts mit dem Thema zu tun hat als Ablenkung verwenden, nur damit Sie dem eigentlichen Thema entgehen können. Das ist im übrigen eine äusserst schlechte Form der Argumentation, welcher Sie sich hier bedienen. Hören Sie bitte auf damit.

    • Stefan am 28.04.2019 19:03 Report Diesen Beitrag melden

      David Stoop

      Richtig! Relativierungen sind niemals angebracht! Auch wenn man die Superlative der Gefühlswelt bedient! Mein Herz blutet! Permanent! Für die Eisbären. Die Pinguine. Die Obdachlosen. Die Kranken. Die Gefolterten. Aber vor allem: wenn ich das Bild dieses Bären sehe!!! Es blutet. (Schmief!)

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