Chamäleon

05. Januar 2016 13:12; Akt: 05.01.2016 14:42 Print

Erst die Zeitlupe zeigt, was der kleine Kerl drauf hat

Chamäleons sind für ihre blitzschnellen Schleuder-Zungen bekannt. Nun haben Biologen die Art mit dem flinkesten Maul-Muskel identifiziert.

Um die flinken Zungen filmen zu können, braucht es eine Hochgeschwindigkeitskamera. (Video: Youtube/Science Magazine)
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Klein, aber oho. Diese Zuschreibung trifft auf das Stachel-Zwergchamäleon (Rhampholeon spinosus) zu wie auf keinen anderen Vertreter der Leguanartigen sonst. Denn der Winzling, der bequem auf einem Daumen Platz findet, hat die flinkeste Zunge von allen.

Das berichten Forscher um Christopher Anderson von der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island in den «Scientific Reports».

Grille zum Frass vorgeworfen

Den Rekordhalter kürten der Evolutionsbiologe und seine Kollegen im Zuge einer, wie sie es nennen, Zungen-Olympiade. Dafür platzierten sie insgesamt 20 verschiedene Chamäleonarten vor einer Hochgeschwindigkeitskamera, die 3000 Bilder pro Sekunde erfassen kann. Um die Zunge der Tiere hervorzulocken, setzten sie ihnen eine Grille vor die Nase.

Der Plan der Forscher ging auf: Jeweils nach kurzer Zeit schossen die Zungen hervor.

Die Kleinsten sind die Grössten

Der Vergleich der dabei gemessenen Daten zu Beschleunigung, Weite und Gesamtleistung des Mund-Muskels zeigte: Je kleiner das Chamäleon, desto schneller und grösser ist seine Zunge. Weitere Erkenntnis: Der kleinste Zungen-Olympionike ist in diesem Fall der Grösste: das Stachel-Zwergchamäleon.

Voll ausgefahren erreicht seine Zunge das 2,5-Fache seiner eigenen Körperlänge. Zudem lässt es sie mit der 264-fachen Erdbeschleunigung nach vorne schnellen. Das heisst: In dem Hundertstel einer Sekunde kann sie 96 Kilometer pro Stunde erreichen. Zum Schnappen einer Grille braucht das Mini-Chamäleon nur 20 Millisekunden. Die Leistungskraft entspricht 14'040 Watt pro Kilogramm, wie die Forscher schrieben.

Das Nachsehen hatten in der Studie die grossen Vertreter. Sie kommen bei Weitem nicht auf solch beeindruckende Werte: So erreichte das Riesenchamäleon (Furcifer oustaleti) nur etwa 18 Prozent der Beschleunigungsleistung des winzigen Champions.

(fee)

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