Auf dem Vormarsch

03. November 2016 16:53; Akt: 03.11.2016 16:53 Print

Exotische Stinkkäfer fressen uns das Obst weg

von Fee Riebeling - Immer mehr schädliche Insekten werden in die Schweiz eingeschleppt. Am meisten Sorgen bereitet ein alter Bekannter: der Stinkkäfer.

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Diese Tiere dürften viele Schweizer nur zu gut kennen. Schliesslich leben die sogenannten Stinkkäfer schon länger unter uns - vor allem in den nördlichen Kantonen. Im Raum Zürich wurden die Insekten erstmals im Sommer 2007 identifiziert. Ihr richtiger Name lautet . Und auch wenn sie für viele Menschen hierzulande ein alter Bekannter ist: Sie stammt gar nicht von hier, sondern kommt ursprünglich aus Asien. Ihr immer grösseres Vorkommen bereitet Schweizer Experten Sorgen. Denn in den USA und in Italien hat das gefrässige Tier bereits für Ernteausfälle im mehrstelligen Millionenbereich gesorgt. Gleiches droht auch der Schweiz. Wenn die Tiere die kritische Menge erreicht haben, wäre neben der Äpfel-, Birnen-, Nektarinen- und Pfirsich-Ernte ... ... auch der Anbau von Haselnüssen betroffen. Dass man hierzulande trotz des recht langen Vorkommens noch nicht von einer Invasion spricht, liegt daran, dass die Wanzen Wärme brauchen, um sich zu vermehren. Deshalb vermehren sie sich in den nördlichen Kantonen im Schnitt einmal pro Jahr, im Süden hingegen mindestens zweimal. (Im Bild: Gelege der Wanze) Ausser Pestiziden gibt es in der Schweiz nichts, was wirklich gegen die Wanzen hilft. Doch die Forschungen dazu laufen auf Hochtouren. Dabei wagen die Wissenschaftler auch den Blick über den Tellerrand. «In China setzt man im Kampf gegen die Tiere Schlupfwespen ein», sagt Tim Haye vom CABI (Centre for Agriculture and Biosciences International) in Delsberg. Diese nisten sich in den Eiern der Wanzen ein und fressen sie von innen heraus auf. Das sei ein guter Ansatz, doch die Lösung in die Schweiz importieren könne man noch nicht: «Erst muss klar sein, dass die asiatischen Schlupfwespen für die hiesige Flora und Fauna keine Nebenwirkungen haben.» Deshalb wird parallel der Einsatz von Schweizer Pendants untersucht. Um die Ausbreitung der Tiere einzudämmen, fordert Haye die Schweizer zur Mithilfe auf: «Sie sollten möglichst aufmerksam sein und bei Verdachtsfällen die jeweiligen Behörden oder gleich uns informieren.» Zudem sollten sie mithelfen, die Ausbreitung der gefrässigen Wanzen einzudämmen - beispielsweise durch Einsammeln und Einfrieren der Tiere, wenn sie in der Wohnung auftauchen. «Das ist die einfachste und tierfreundlichste Art der Eliminierung», so der Experte. Die marmorierte Baumwanze ist jedoch nicht der einzige invasive Schädling, der für Probleme sorgt. So ist mittlerweile auch der in der Schweiz verbreitet. Ursprünglich aus den USA stammend, kann er ganze Maiskulturen zerstören. Auch die ist Bauern und Forschern ein Dorn im Auge. Anders als andere Fruchtfliegen stürzt sie sich auf frische Früchte und zerstört so ihrerseits ganze Ernten. Weil ihr Lebenszyklus kurz ist, lässt sie sich nur schwer mit Insektiziden bekämpfen. Auch der ist mittlerweile in einigen Kantonen zu Hause. Dort bedroht er einheimische Bäume. Seit 2009 ist auch der ursprünglich aus Ostasien stammende in der Schweiz anzutreffen. Seine Raupen richten grossen Schaden bei Buchsbäumen an. Sie fangen im Inneren der Pflanze an und fressen sich nach aussen. Noch nicht in der Schweiz anzutreffen sind hingegen die Honigbienen fressende ... ... und der . Während Letzterer ostasiatische Bäumen nur wenig schädigt, bringt er hiesigen Bäumen oft den Tod. Besonders gefährdet sind Weiss-, Schwarz- und Rot-Eschen. Anders als alle bisher genannten Insekten, schadet die weniger Pflanzen als vielmehr dem Menschen. Sie können gefährliche Krankheiten wie das Chikungunya-Virus übertragen.

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Nicht nur Ananas, Mangos und Papayas, auch exotische Insekten werden aus Übersee nach Europa importiert – unabsichtlich, im Frachtraum, und mit schwerwiegenden Folgen: für den Menschen, einheimische Tiere, aber auch für die hiesige Landwirtschaft.

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Berühmte Beispiele sind die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) aus Japan, die anders als andere Fruchtfliegen vor allem frische Früchte befällt. Oder auch der Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera), der aus den USA kommt und Maiskulturen zerstört. Beide Arten sind in der Schweiz schon weit verbreitet.

Auch Stinkkäfer sind gefährliche Exoten

Grosse Sorgen bereitet Schweizer Experten wie Tim Haye vom
CABI (Centre for Agriculture and Biosciences International)
jedoch auch die ursprünglich aus Asien stammende marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys), «die in den USA und in Italien bereits für Ernteausfälle im mehrstelligen Millionenbereich gesorgt hat» (siehe Box 1). Gleiches kann auch der Schweiz drohen.

Während die gefrässigen Insekten in den südlichen Kantonen erst auf dem Vormarsch sind, sind sie in nördlichen Gebieten schon alte Bekannte: «Sie werden in der Regel salopp als Stinkkäfer bezeichnet, obwohl es sich eigentlich um Wanzen handelt», so Haye. Im Raum Zürich wurden marmorierte Baumwanzen erstmals im Sommer 2007 identifiziert. Auch in Basel und Bern kennt man die Wanzen sehr gut.

Bis sie schweizweit anzutreffen sind, ist es laut dem Biologen nur noch eine Frage der Zeit: «Es kann ganz schnell gehen oder noch Jahre dauern.» Sicher sei nur, dass es passieren wird.

Warme Kantone sind gefährdeter

Dass man hierzulande trotz des recht langen Vorkommens noch nicht von einer Invasion spricht, liegt daran, dass die Wanzen Wärme brauchen, um sich zu vermehren. Und an der mangelt es nördlich der Alpen. «Dort vermehren sich die Tiere im Schnitt einmal pro Jahr, im Süden geschieht das mindestens zweimal», sagt Haye.

Da sie bereits im Land sind, lässt sich die Ausbreitung der marmorierten Baumwanze nicht mehr aufhalten. Im Gegenteil: «Sie wird sich verstärken.» Zurzeit gibt es nur einige Pestizide, mit denen man die Schädlinge bekämpfen kann. Biologische Pflanzenschutzmittel stehen aber noch nicht bereit (siehe Box 2).

Bevölkerung muss mit anpacken

Deshalb fordert Haye die Schweizer zur Mithilfe auf: «Sie sollten möglichst aufmerksam sein und bei Verdachtsfällen die jeweiligen Behörden oder gleich uns informieren.»

Zudem sollten sie mithelfen, die Ausbreitung der gefrässigen Wanzen einzudämmen – beispielsweise durch Einsammeln und Einfrieren der Tiere, wenn sie in der Wohnung auftauchen. «Das ist die einfachste und tierfreundlichste Art der Eliminierung», so der Experte. Von Gift hingegen rät er ab.

Eine andere Möglichkeit bestehe darin, im Sommer die Unterseite von Balkon- und Gartenpflanzen nach den Gelegen der Tiere abzusuchen. «Es handelt sich dabei fast immer um 28 hellgrüne Eier, die nebeneinander aufgereiht liegen», sagt Haye. Die sollte man abzupfen und wie die Käfer auch einige Zeit in den Gefrierer packen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Werner Mueller am 03.11.2016 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beispiel Australien

    wenn man in ganz Europa dieselben Bestimmungen hätte wie Australien, würde es für Schädlinge, Tiere und Pflanzen, einiges schwieriger, sich einzumisten. Wer dort schon durch das Zoll musste bei der Einreise kann das sicher bestätigen.

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  • ned am 03.11.2016 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :/

    Insekten werde ich wohl nie mögen, auch wenns exotisch ist.

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  • Therese Keller am 03.11.2016 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es liegt in den Händen der Bürger

    Die Grenzen sind geöffnet, Mensch ud Tier sind nun mal Lebewesen. Wir müssen uns nun mal an vieles gewöhnen, es sei den, wir wählen in Zukunft wieder Politiker mit Menschenverstand.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mark Weiher am 04.11.2016 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Tigermücken

    Die Mücken sind schon lange im Thurgau, bevor die im Tessin auffielen. Jedes Jahr haben wir mit denen Theater. Ertragen Super die kalten Temp. selbst jetzt sind die Mistdinger unterwegs. Könnte man ja mal bekämpfen aber nix passiert.

    • M.G. am 04.11.2016 17:51 Report Diesen Beitrag melden

      Bekämpfen ist teuer

      und es gab im Thurgau in der Vergangenheit keine Malaria. Am Oberrhein schon und deshalb haben sie dort eine andere Kosten-Nutzen-Rechnung und bekämpfen jedes Jahr die verschiedenen Mückenarten wenn ihre Larven-Zahl zu groß wird. Wie so oft wird erst ein Programm finanziert und gestartet wenn es die ersten Toten durch Dengue-Fieber gibt.

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  • Per Peters am 04.11.2016 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Korianderduft

    Schmecken nach Koriander die Viecher! Evtl. deshalb stehen die Thais drauf ;)

  • Marco Lombardi am 04.11.2016 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfrieren?

    Wieso einfrieren? Vertranpeln geht auch, mein Tiefgefrierer hat wichtigere Funktionen.

    • Peter am 04.11.2016 18:07 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, einfrieren

      Weil sie eben Stinkkäfer sind. Nach dem ersten zertrampeltem Tier wissen es dann auch Sie, wieso einfrieren die besser Option ist ;-))).

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  • smaily am 04.11.2016 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Früher

    sommer 2007??? bin 51 jahre alt und diese stink käfer gabs schon zuz meiner Jugend!! und das war in den 80iger!!!

  • Peter K. am 04.11.2016 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Und bei den Menschen?

    Ist ja bei den Menschen auch so. Aber nur bei eingeschleppten Insekten wird darüber berichtet, dass diese schädlich seien für die Schweiz, bei den eingeschleppten Massen von Menschen aus dem Ausland darf man dies nicht schreiben!

    • Besorgter am 04.11.2016 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Danke Peter

      @ Peter K! Sie sprechen mir so richtig aus dem Herzen! Danke! Und anhand Ihrer Daumen hoch, siehts nun danach aus, dass es das Volk endlich kapiert hat! Anderen Menschen helfen ja sofort, aber wir lassen uns auf der Nase herumtanzen!

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