Eingewanderter Schädling

15. Juli 2019 18:43; Akt: 15.07.2019 18:43 Print

Exotische Zecke nistet sich in Wohnungen ein

Die Braune Hundezecke stammt aus dem Mittelmeerraum. Inzwischen fühlt sie sich aber auch bei uns recht wohl und kann schnell zur Plage werden.

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Der Braunen Hundezecke gefällt es in unseren warmen trockenen Wohnungen sehr gut. Denn die Art stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, wo ähnliche Bedingungen herrschen. In einer Wohnung kann sich die Zecke rasant vermehren. Ein Weibchen legt bis zu 4000 Eier. Ist die Population dann so gross, dass ein Hund als Wirt nicht mehr ausreicht, springt die Zecke auf den Menschen über. Zwar überträgt sie bisher weder FSME noch die Borreliose-Erreger, kann aber zu schweren Erkrankungen bei Hunden führen und auf den Menschen übertragbare Krankheiten wie das Mittelmeer-Fleckfieber mit sich bringen. Um mehr über die Braune Hundezecke zu erfahren, hat die Universität Hohenheim in Stuttgart nun ein neues Forschungsprojekt gestartet. Die Universität hatte zuvor auf eine andere Zeckenart hingewiesen, die neu auch in Deutschland nachgewiesen wurde. Zusammen mit dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr hatten die Forscher der Uni Hohenheim 2018 sieben Exemplare der Gattung Hyalomma nachgewiesen, die ursprünglich aus Afrika stammt. (Im Bild: ein Hyalomma-Weibchen mit der typischen Streifung der Beine) Die vergleichsweise grossen Tiere mit den auffällig gestreiften Beinen waren im Raum Hannover, in Osnabrück und in der Wetterau aufgetaucht und damit in zwei Bundesländern. (Im Bild: links die hierzulande bekannte Ixodes-Zecke, rechts eine Hyalomma-Zecke). Gefunden wurden die Zecken allesamt an Nutztieren, an Pferden und einem Schaf. Die Wissenschaftler befürchten, die Blutsauger könnten in unseren Breitengraden sesshaft werden. Wegen der Klimaerwärmung sei mit immer mehr wärmeliebenden Zecken zu rechnen. 2019 kam dann die Meldung, dass tatsächlich einige den Winter überstanden hatten. Doch das ist nicht das Einzige: So trug eines der Exemplare den Erreger des Zecken-Fleckfiebers in sich, das Bakterium Rickettsia aeschlimannii. (Im Bild: Patient mit Fleckfieber) Generell spielen viele Hyalomma-Vertreter als Krankheitsüberträger eine wichtige Rolle, vor allem für das Krim-Kongo-Fieber. Die deutschen Forscher vermuten, dass die Blutsauger von Zugvögeln eingeschleppt worden sind. Dass das tatsächlich möglich ist, zeigte kürzlich eine im Fachjournal «Emerging Infectious Diseases» publizierte Studie von finnischen Forschern. Für diese hatten die Wissenschaftler in den Frühjahren 2010, 2014 und 2015 mehr als 30'000 Zugvögel an Überwachungspunkten in Griechenland, Spanien, Italien, der Türkei und Israel eingefangen und auf Zecken untersucht – und wurden insgesamt 1771-mal fündig. In der Schweiz sind die Zecken der Gattung Hyalomma alte Bekannte, wie Alexander Mathis, Parasitologe an der Universität Zürich, sagt. «Hyalomma-Zecken wurden schon 1975 vom Biologen und Parasitologen André Aeschlimann der Universität Neuenburg hier in der Schweiz beschrieben», so der Experte auf Anfrage. Seither seien sie hierzulande immer mal wieder angetroffen worden. (Im Bild: André Aeschlimann) Mathis vermutet ebenfalls, das die exotischen Blutsauger mit Zugvögeln eingereist sind. Doch auch die zunehmende Globalisierung spiele dabei eine Rolle, sagt er: «Es werden Waren hin- und hergeschickt, Menschen reisen in den Süden und Tiere werden mit in die Ferien genommen. Das führt zu einer Häufung dieser Fälle.» Dass sich die exotischen Zecken in unseren Breitengraden etablieren könnten, hält er aber für ausgeschlossen – zumindest solange es richtige Winter hat: «Die Kälte macht ihnen den Garaus.» Nun haben sie aber wohl in Ställen überlebt.

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Der globale Handel und Verkehr sowie das mildere Klima bringen es mit sich, dass Schädlinge aus anderen Regionen der Welt vermehrt auch bei uns anzutreffen sind. Das gilt nicht nur für Stechmücken, sondern auch für Zecken. So wurde vor kurzem bekannt, dass es der tropischen Hyalomma-Zecke gelungen ist, in unseren Breitengraden zu überwintern.

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Doch es gibt eine weitere Zeckenart, die sich inzwischen auch bei uns wohlfühlt: die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Sie mag es um die 25 Grad und trocken und lauert in kleinen, steinigen Spalten auf ihren künftigen Wirt, der bevorzugt ein Hund ist. Und im Gegensatz zum Gemeinen Holzbock, der häufigsten Zeckenart in Europa, kann sie gut in Wohnungen überleben.

Katrin Fachet vom Fachgebiet Parasitologie der Universität Hohenheim in Stuttgart, sagt dazu in einer Mitteilung zum Start eines neuen Forschungsprojekts: «Heimisch ist sie eigentlich im Mittelmeerraum und Nordafrika, in unseren warmen und vor allem trockenen Wohnungen gefällt es ihr also sehr gut.» So übersteht sie auch kalte Winter nördlich der Alpen.

Einheimische Fälle

In der Schweiz wurde die Braune Hundezecke im Tessin und im Genferseegebiet nachgewiesen. Betrafen frühere Fälle meist Hunde, die aus Mittelmeerländern zurückkehrten, werden in neuerer Zeit auch hierzulande Hunde und seltener Pferde sowie andere Tiere befallen, erklärt Bruno Gottstein vom Institut für Parasitologie der Universität Bern.

Hat sich die Braune Hundezecke erst einmal in einer Wohnung eingenistet, kann sie sehr schnell zu einer sehr unangenehmen Plage werden. «Ein Holzbockweibchen kann bis zu 2000 Eier legen – ein Hundezeckenweibchen bis zu 4000. Innerhalb weniger Monate hat man dann schnell mehrere 100'000 Zecken in der Wohnung», sagt Fachet.

Laut Gottstein sind auch hierzulande schon Wohnungen befallen worden. Seine Kollegin von der Universität Zürich, Manuela Schnyder, weiss etwa von einem Massenbefall in einem Haus in Liechtenstein 2007.

Überträgerin gefährlicher Krankheiten

Bei einem starken Befall kann die Zecke auch für Menschen gefährlich werden. Denn ist die Population so gross, dass ein Hund als Wirt nicht mehr ausreicht, springt die Zecke auf den Menschen über. Zwar sind noch keine Übertragungen der klassischen Zeckenkrankheiten FSME oder Borreliose durch diese Art festgestellt worden. Die Braune Hundezecke kann aber zu schweren Erkrankungen bei Hunden führen und auf den Menschen übertragbare Krankheiten wie das Mittelmeer-Fleckfieber mit sich bringen.

Es ist also wichtig, zu handeln, sollte sich die Braune Hundezecke in einer Wohnung oder einem Haus eingenistet haben. Schnyder empfiehlt besonders bei Räumen mit Holzparkett, Holzdielen und anderen Versteckmöglichkeiten zur Sicherheit eine professionelle Bekämpfung unter Zuzug eines Kammerjägers.


Wer sich vorbereitet und beim Aufenthalt in der Natur einige Regeln beachtet, muss die Zecken nicht fürchten. (Video: Fee Riebeling)

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MrX8600 am 15.07.2019 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab auf die Strasse!

    Bestreikt die Zecke! Vielleicht verschwindet sie ja...

    einklappen einklappen
  • Peter am 15.07.2019 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden noch Krankheiten

    Wir werden noch Krankheiten in der Schweiz bekommen, von dem wir heute noch nichts wissen

  • markus am 15.07.2019 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halsband

    Oder zur Abwechslung den lieben Fluffy ein Zeckenhalsband tragen lassen? Im Vergleich mit dem Kammerjäger ca 50x günstiger...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 15.07.2019 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden noch Krankheiten

    Wir werden noch Krankheiten in der Schweiz bekommen, von dem wir heute noch nichts wissen

  • Mann am 15.07.2019 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Klima wird in unserem

    Klima wird in unserem Leben noch vieles verändern

  • Leser am 15.07.2019 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Leute

    sind selber Schuld wenn es immer mehr solche Fälle gibt die Leute reisen immer noch viel zu viel in andere Länder da es solche Fälle gibt und schleppen es mit dem Flieger in die Schweiz da braucht die Schweizer Bevölkerung gar nicht zu Jammern

  • Evelyn am 15.07.2019 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zecken Mittel

    Es gibt beim Tierarzt auch Tabletten gegen Zecken. Beist Sie zu nimmt sie das gift auf und stirbt. Ja ich weiss es ist eine Chemiekeule aber wenigstens kann Sie sich so schon gar nicht vermehren. Unser Hund ist deswegen nicht weniger aktiv.

    • Daisydream am 16.07.2019 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Evelyn

      Mein Hund trägt trotz dieser Tablette die Zecke nach Hause und die läuft dann auf dem Boden rum. Wenn die Zecke nicht beisst, stirbt sie eben nicht. Zwickmühle.

    einklappen einklappen
  • Real am 15.07.2019 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Klimawandel ist Schuld

    Dass Zecken aus dem Mittelmeerraum in der Schweiz auftauchen, dass die Schweiz beim durchschnittlichen IQ eingebrochen ist. Der Klimawandel!