Erkenntnisse der Wissenschaft

29. März 2015 11:54; Akt: 29.03.2015 22:34 Print

Fett essen ist nicht ungesund

Sich fettig zu ernähren, ist verpönt. Doch jetzt stellen Wissenschaftler fest: Ungesund sind Fette nicht. Wer auf sie verzichtet, nimmt eher zu – und schädigt seine Gesundheit.

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Speck, Würstchen, Spiegelei und mit viel Butter zubereitete Rösti oder Pasta: So ernährte man sich in der Schweiz, als die Grosseltern von heute noch jung waren. In den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts kam dann die Kehrtwende: Ernährungsberater begannen, den Verzicht auf Fett zu fordern. Gesättigte Fette würden Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen, hiess es nun. Ab den 80er-Jahren galt – auch in der Schweiz – die Ernährungsempfehlung, dass keinesfalls mehr als zehn Prozent der täglichen Kalorienzufuhr durch gesättigte Fettsäuren gedeckt werden sollte.

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Achten Sie bei der Ernährung darauf, möglichst wenig Fett zu sich zu nehmen?
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Diese Empfehlung hatte zur Folge, dass die Menschen zwar zunehmend auf Fett verzichteten – die fehlenden Kalorien aber durch Kohlenhydrate ersetzten. Mit verheerenden Folgen, denn der Körper wandelt Kohlenhydrate bevorzugt in Fett um und speichert sie, während durch die Nahrung zugeführte Fette wenn möglich sofort verwertet werden.

Kohlenhydrate sind gefährlicher als Fett

Michael Ristow, Ernährungsmediziner der ETH Zürich, sagt zur «NZZ am Sonntag»: «Der Körper verbrennt Fette effizienter als Kohlenhydrate, so dass Kohlenhydrate eher zu einer Gewichtszunahme führen.» Für Ristow ist klar: «Die Anreicherung des Speiseplans mit Kohlenhydraten hat erst zu gegenwärtigen Epidemie von Fettleibigkeit geführt.»

Auch Christian Wolfrum vom Institut für Lebensmittelwissenschaften, Ernährung und Gesundheit sagt zur «NZZ am Sonntag», die Theorie von den «bösen» gesättigten Fetten sei wissenschaftlich nicht haltbar: «Die Idee, dass ihr Konsum zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt, konnte nicht bewiesen werden.» Noch gesünder lebe allerdings, wer die gesättigten Fette teilweise durch die in Pflanzen und Fisch vorkommenden ungesättigten Fettsäuren ersetze.

Entwarnung beim Cholesterin

Auch die lange gültige Empfehlung, bei cholesterinhaltiger Nahrung solle man Mass halten und etwa nicht mehr als zwei Eier täglich zu sich nehmen, gilt mittlerweile als überholt: Das Gesundheitsdepartement der USA kommt zum Schluss, dass Cholesterin ein «für die Überkonsumierung unbedenklicher Nährstoff» sei. Eier, Butter oder Käse lassen nach den aktuellen Erkenntnissen der Wissenschaft den Cholesterinwert im Blut nicht ansteigen. Wolfrum: «Der Köper reguliert die Aufnahme selbst und blockt es bei Bedarf schon an der Darmwand ab.»
Auch im 2012 veröffentlichten Schweizer Ernährungsbericht heisst es: «Aus wissenschaftlicher Sicht kann keine konkrete Beschränkung der Zufuhr von Cholesterin empfohlen werden.»

«Wir sollten uns wie in den 60er-Jahren ernähren»

Keine Entwarnung gibt es dagegen bei den Transfetten, die früher im Butter-Ersatz Margarine enthalten waren: Der Verdacht, dass sie Arterienverkalkung und Diabetes des Typs 2 fördern, ist wissenschaftlich bestätigt. Die Schweiz hat mittlerweile festgelegt, dass Öl- und Fettprodukte nicht mehr als zwei Prozent künstlich erzeugte Transfette enthalten dürfen.

Die US-Biologin Nina Teichholz hat einen Bestseller geschrieben, in dem sie die fetthaltige Ernährung propagiert. Sie sagt: «Wir müssten uns wieder wie in den 60er-Jahren ernähren. Diese Massnahme allein würde den Menschen helfen, ihre Pfunde zu verlieren.» Ihr Tipp: «Esst, was ihre alle Jahre vermieden habt: Butter, Eier, Käse, Fleisch. Diese Nahrungsmittel machen satt, und sie sind gesund.»

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vanessa am 29.03.2015 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder mal ein Tipp von vielen

    Ich esse immer das, was mein Körper verlangt, dabei achte ich nur darauf, dass die Produkte frisch sind und ich selber koche. Mal esse ich einige Tage mehr Fleisch als Gemüse, andere Tage verlangt mein Körper z. B. nur Früchte oder Milchprodukte. Ich bin der Meinung, ein einigermassen gesundes Körper verlangt selber, was es braucht, man hat nicht einfach so "Lust" auf was bestimmtes. Auf Gesundheitstipps von irgendwelche Experten habe ich noch nie gefolgt, denn nur ich selber kann wissen, was mein Körper braucht.

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  • Steff am 29.03.2015 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quod errat expectundun

    Es zeigt nur, dass all die tollen Experten sich kaum häufiger widersprechen können als wenn es um die Ernährung geht. Jeder soll einfach das essen was ihm Spass macht, vieleicht nicht zuviel und von alllem etwas, sofern man es denn mag. Alles andere, vorallem diese geistesgestörten Magerwahnideen, sind blos dummes Zeug.

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  • Urs Baumann am 29.03.2015 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    STOP - Gesunder Menschenverstand - 1+1=3

    Von einem Irrtum zum nächsten. Grossmutter hat nämlich noch mehr gesagt: Esse täglich Salat, Gemüse, ein Apfel und ab und zu ein (antioxidantives) Glas Rotwein sei erlaubt! Sollten man der oberflächlichen Aussage wieder vermehrt Fett anstatt KH zu essen, werden wir bald eine 100kg Gesellschaft haben. Zu Grossmutters Zeiten war man noch körperlicher Belastung ausgesetzt und konnte 3500kcal verbrennen, heute sind wir bei 2500kcal. Die Aussage müsste lauten: Esst soviel ihr verbrennt, augewogen (von ALLEM etwas), möglichst unverarbeitete Lebensmittel (keine Industrieprodukte) und bewegt euch!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom Mark am 31.03.2015 01:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fett macht schlank und gesund

    Fett und besonders ungesättigte fettsauren sind gesund. Das weiß man schon lange.

  • Heiko Goddeng am 30.03.2015 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    food Historie

    Wenn es ums Essen geht, kocht jedes Land sein eigenes Süppchen. Die Empfehlungen schwanken aber nicht nur von Staat zu Staat, sondern auch von Zeit zu Zeit. Galt einst das Fleisch als Stück Lebenskraft, von der man nie genug bekommen könne, änderte sich das in den 90er Jahren. Statt des Verdauungstraktes eines Marders hätten dem Schweizer nun Schnabel, Kropf und Muskelmagen wohl angestanden, um die vielen gesunden Körner auch picken, vorweichen und vermahlen zu können. Heute bräuchten wir einen Pansen, um das viele vegetarische Stroh auch nutzbringend umsetzen zu können.

  • Patrick am 30.03.2015 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ketoman

    Alter Käse(guter Käse), bitte nochmal über die Bücher und ketogene Ernährung nachschlagen (Sehr interessant im Zusammenhang mit Epilepsie!).

  • DerAsiate am 30.03.2015 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achte auf deinen Körper und Lust

    ich bin ganz deine Meinung, mein Körper reagiert ebenfalls so.

  • Schweizerische Herzstiftung am 30.03.2015 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht beim Fett

    Viel Fett essen ist nach wie vor NICHT gesund. Wer sein Herz, Kreislauf und Gehirn schützen möchte, der isst ausgewogen. Das heisst: Viel Früchte und Gemüse, auch Teigwaren, Brot und Kartoffeln, gesunde Öle wie Oliven- und Rapsöl und nur wenig tierische Fette. Ein Würstchen ab und zu kann nicht schaden, aber nicht täglich ;-))