Evolution

22. Januar 2014 07:18; Akt: 22.01.2014 18:30 Print

Fische haben das Gen für Beine im Erbgut

Der Mechanismus, mit dem Landtiere Gliedmassen entwickelten, ist in der DNA von Fischen enthalten. Damit Finger und Zehen ausgebildet werden konnten, war aber ein Entwicklungssprung nötig.

storybild

Hätten die Anlagen zum Gehen: Zebra-Zwergfeuerfische. (Bild: Keystone/AP/Michael Probst)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Zehen waren eine wichtige Neuerung in der Evolution: Sie ermöglichten den Urtieren die Besiedelung des Festlands. Doch sogar Fische besassen schon früh in der Evolution die Erbanlagen, die zur Ausbildung von Zehen nötig sind, wie Genfer Forscher nun berichten.

Doch ehe diese Gliedmassen bei Landtieren entstanden, musste der Genapparat quasi eine Modernisierung durchlaufen. Fischen und Landtieren ist eine bestimmte Gruppe von Genen für die Körperarchitektur gemein: Hoxa und Hoxd sind in der Embryonalentwicklung sowohl zur Ausbildung von Flossen wie von Beinen notwendig, wie die Universität Genf am Dienstag mitteilte.

Das Team um Denis Duboule von der Uni Genf und der ETH Lausanne hat den Aufbau und das Verhalten dieser Gene bei Maus- und Zebrafisch-Embryonen untersucht. Bei beiden Arten war der dreidimensionale Aufbau dieser Architektur-Gene ähnlich.

Mäuse mit Fisch-Genen

Daraus schliessen die Forscher, dass der Hauptmechanismus dafür, wie sich bei Vierbeinern Beine entwickeln, bereits in den Fischen angelegt war. Aber dann übertrugen sie die Hox-Gene von Fischen auf genveränderte Mausembryonen und stellten fest, dass die Gene nur in den Vorderbeinen der Mäuse, nicht aber in den Fingern aktiviert wurden.

Daraus ergebe sich, dass Fisch-DNA die für die Fingerentwicklung nötigen genetischen Elemente nicht enthält, berichten die Forscher im Fachjournal «Plos Biology». Die Resultate deuten ihnen zufolge darauf hin, dass die Finger und Zehen von Landtieren später durch einen Umbau der bereits bei Fischen bestehenden DNA-Infrastruktur entstanden sein müssen.

Zehen seien somit eine echte evolutionäre Neuheit, die die Eroberung des Landlebensraums befördert habe, erklärte Erstautor Joost Woltering in der Mitteilung. Das erste vierbeinige Landtier hat das Meer vor rund 350 Millionen Jahren verlassen.

(lmm/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Köppel am 22.01.2014 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Bestätigung

    Das ist eine weitere, elegante Bestätigung der Evolutionstheorie.

  • Alex am 22.01.2014 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Super, danke

    Merci - solche Beiträge sollte es öfters geben. Ich wäre extrem angetan, wenn für den Durchschnitt erklärte Oekologie-Beiträge veröffentlicht würden. Danke, weiter so!

  • Forscher am 22.01.2014 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Entdeckung (Ironie)

    Super...als ob man es nicht schon vorher wusste, auch wir Menschen und viele andere Lebewesen haben noch so manches in unseren Genen von dem wir nichts wissen. Nur sind diese Sequenzen einfach nicht codiert und werden somit nicht bzw. nie ausgeprägt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno Köppel am 22.01.2014 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Bestätigung

    Das ist eine weitere, elegante Bestätigung der Evolutionstheorie.

  • Patrik am 22.01.2014 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch das schlechtere Tier

    Gerade ein solcher Beitrag sollte uns in Erinnerung rufen, dass die Tiere unsere nächsten Verwandten sind. Wir nennen uns zwar Mensch, sind aber faktisch gesehen Tiere. Das wird Euch jeder Mediziner bestätigen. Leider scheint das den meisten nicht bewusst zu sein, wenn man betrachtet wie mit den Tieren nach wie vor umgegangen wird. Da werden ohne schlechtes Gewissen Jacken mit Pelzkrägen getragen, die von extrem gequälten Tieren aus China stammen. Viele Besitzer geben sich mit dem Glauben zufrieden, dass dieses Tier nicht lange leiden musste. Was ist nur aus uns nur geworden?

  • Forscher am 22.01.2014 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Entdeckung (Ironie)

    Super...als ob man es nicht schon vorher wusste, auch wir Menschen und viele andere Lebewesen haben noch so manches in unseren Genen von dem wir nichts wissen. Nur sind diese Sequenzen einfach nicht codiert und werden somit nicht bzw. nie ausgeprägt.

  • Alex am 22.01.2014 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Super, danke

    Merci - solche Beiträge sollte es öfters geben. Ich wäre extrem angetan, wenn für den Durchschnitt erklärte Oekologie-Beiträge veröffentlicht würden. Danke, weiter so!

  • Noldi Schwarz am 22.01.2014 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Genmanipulation?

    Das heisst also, dass da jemand mit uns Genmanipulation betreibt? Das müssen Greenpeace und der WWF unbedingt verhindern!