Biologie

02. März 2011 10:53; Akt: 02.03.2011 11:06 Print

Fledermäuse jagen vorausschauend

Manche Fledermäuse wählen ihre Nahrung zielsicher nach ökonomischen Kriterien aus. So verzichten sie schon mal auf einen kleinen Falter, wenn sie dafür einen grossen bekommen können.

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Forscher der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen testeten sechs Exemplare der Grossen Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum). Anders als andere Fledermausarten kann die Grosse Hufeisennase die Grösse ihrer Beute mit einem speziellen Echo-Ortungssystem unterscheiden.

Im Labor simulierten die Forscher mit Propellern unterschiedliche Nachtfalter. Ein grosser, langsam drehender Propeller warf ähnliche Echos zurück wie ein grosser Falter. Ein kleiner, rasch drehender täuschte der Fledermaus hingegen ein kleines Insekt vor, wie das Team im Fachmagazin «Proceedings of The Royal Society B» berichten.

Grosse Beute nicht verpassen

Anstatt eines echten Falters bekamen die Fledermäuse entweder einen grossen oder einen kleinen Mehlwurm, der ihnen an einem Faden hängend serviert wurde. Waren die Zeiträume zwischen dem Auftreten der grossen Falter lang - und somit offensichtlich nur wenige grosse Tiere unterwegs - liessen sich die Hufeisennasen die kleinen Falter nicht entgehen.

Der Grund: Bei dieser Konstellation war die Gefahr gering, beim Verzehr einen grösseren Happen zu verpassen. «Es lohnte sich dann nicht, darauf zu pokern, dass eine grosse Beute vorbeikommt», sagt Studienautor Klemen Koselj. Waren die Intervalle aber kurz, was auf viele grosse Insekten hindeutete, liessen die Fledermäuse kleine Falter links liegen.

«Wenn die Fledermaus mit der kleinen Beute beschäftigt ist, läuft sie Gefahr, die grosse Beute zu verpassen», sagt Koselj. Die Grosse Hufeisennase maximiere mit den Entscheidungen ihren Energiegewinn und minimiere gleichzeitig den Aufwand. Ähnliche Studien mit anderen Tieren hätten zu weniger eindeutigen Ergebnissen geführt.

(sda)