Unterwasserjäger

11. September 2019 11:54; Akt: 11.09.2019 11:54 Print

Weltrekord-Aal schockt mit 860 Volt

Dreifacher Schock im Amazonasgebiet: Anders als bislang gedacht gibt es nicht eine, sondern gleich drei Arten elektrischer Aale. Die eine lässt es richtig krachen.

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Anders als gedacht, gibt es DEN Zitteraal nicht. (Im Bild: Zitteraal im Zoo Zürich) Das berichten Forscher um C. David de Santana im Fachjournal «Nature Communications». Mittels DNA-Tests wiesen sie nach, dass es tatsächlich drei verschiedene Arten gibt. (Im Bild: de Santana mit Aal) Die Forscher haben in den vergangenen sechs Jahren 107 Exemplare elektrischer Aale aus Brasilien, Französisch-Guayana, Guyana und Suriname analysiert und dabei zwei bislang unbekannte Arten entdeckt. Die beiden neuen Arten nannten die Forscher Electrophorus voltai und Electrophorus varii. (Im Bild: Electrophorus voltai) Eine der jetzt gefundenen Spezies, Electrophorus voltai (Bild), ... ... gibt Stromstösse von bis zu 860 Volt ab und ist damit das Lebewesen, das die höchste Spannungsentladung erzeugt. (Im Bild: sichtbar gemachte Stromstösse bei der schon länger bekannten Aalart) Electrophorus electricus und ... ... Electrophorus varii sind zu solch starken Stromstössen nicht in der Lage. Auch äusserlich unterscheiden sie sich. Zudem präferieren sie jeweils unterschiedliche Lebensräume. E. electricus (rot) ist im nördlichen Teil des Hochlands von Guayana zu finden. E. voltai (blau) bevorzugt das brasilianische Bergland. E. varii (gelb) hält sich bevorzugt im Flachland des Amazonasbeckens auf. Die Tiere bevorzugen auch unterschiedliche Arten von Wasser. Während E. electricus und E. voltaii klare Gewässer, die von Stromschnellen durchzogen sind, bevorzugen, fühlt sich E. varii (Bild) auch im trüben, langsam fliessenden Wasser wohl. Wer nicht so weit reisen und trotzdem einen Zitteraal aus nächster Nähe sehen möchte, hat unter anderem im Zoo Zürich Gelegenheit dazu.

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Der Zitteraal (Electrophorus electricus) war über mehr als zwei Jahrhunderte der einzige bekannte Vertreter seiner Gattung (Electrophorus). Nun konnte eine Gruppe um C. David de Santana vom Smithsonian Institut in Washington (USA) anhand von DNA-Tests zeigen, dass die Fische trotz ihrer äusserlichen Ähnlichkeit tatsächlich zu drei verschiedenen Spezies gehören. Davon berichten sie im Fachjournal «Nature Communications».

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Aale sind ...

Die beiden neuen Arten nannten die Forscher E. voltai und E. varii. Die verschiedenen elektrischen Aalarten unterscheiden sich nicht nur genetisch, sie präferieren auch jeweils unterschiedliche Lebensräume. E. electricus ist im nördlichen Teil des Hochlands von Guayana zu finden, wohingegen E. voltai das brasilianische Bergland bevorzugt. Beide leben in klaren Gewässern, die von Stromschnellen durchzogen sind. E. varii hält sich bevorzugt im Flachland des Amazonasbeckens auf und fühlt sich im trüben, langsam fliessenden Wasser wohl.

Jagd und Verteidigung

Elektrischen Aale gehören, anders als der Name und ihr Aussehen vermuten lassen, nicht zur Ordnung der Aalartigen, sondern zu den Neuwelt-Meeresfischen. Dank einer wellenförmigen Flosse können sich die Tiere gezielt durch das Wasser bewegen. Die elektrischen Aale nutzen Stromstösse unter anderem zum Jagen und zur Abwehr von Feinden.

Die Forscher um de Santana analysierten in den vergangenen sechs Jahren 107 Exemplare elektrischer Aale aus Brasilien, Französisch-Guayana, Guyana und Suriname.

Die Studie zeigt den Autoren zufolge auch, dass der Amazonas-Regenwald noch viele Geheimnisse birgt: «Wenn ein bis zu 2,5 Meter langer Fisch nach 250 Jahren wissenschaftlicher Untersuchungen gefunden wird, können Sie sich dann vorstellen, was in der Region noch alles entdeckt werden könnte?», sagte de Santana laut einer Mitteilung seines Instituts.

Bereits Humboldt erfoschte Zitteraale

Bereits vor mehr als 200 Jahren widmete sich der berühmte deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt den Zitteraalen. Im März 1800 beobachtete er während eines Forschungsaufenthalts am Amazonas, wie die Tiere aus dem Wasser sprangen und potenzielle Angreifer mit Stromstössen attackierten. Pferde und Maultiere, die zuvor in ein Wasserloch getrieben wurden, bekamen die Stösse zu spüren.

Eine der jetzt gefundenen Spezies, Electrophorus voltai, gibt Stromstösse von bis zu 860 Volt ab und ist damit das Lebewesen, das die höchste Spannungsentladung erzeugt, wie die Forscher kurz vor Humboldts 250. Geburtstag (am 14. September) schreiben.

De Santana, der selbst schon mehrmals einen elektrischen Stoss abbekommen hat, betont aber: Der Schock eines elektrischen Aals besitzt zwar eine hohe Spannung, aber eine niedrige Stromstärke. Damit sei er nicht notwendigerweise gefährlich für Menschen.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • guetzli am 11.09.2019 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Batterie

    Wäre was für den Tesla neues Model mit Aal-Batterie und Umweltfreundlich? Was sagt Greda Thurnberg darüber?

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  • Amper am 11.09.2019 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Volt und Amper

    die Anzahl Volt sagt nichts aus. Wichtig ist wieviel Amper.

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  • T SC am 11.09.2019 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spannung!

    "Stromstösse von bis zu 860 Volt" da hat wieder jemand nicht aufgepasst in der Schule... Strom= Ampere, Spannung=Volt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fridolin vom Land am 12.09.2019 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Was sind schon 860 Volt .....

    .... gegen meiner statischen Entladung bis 30000 Volt? Übrigens wandert ein Aal bei Nacht auch einige hundert Meter über Land.

  • Franken B. am 12.09.2019 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Essbar?

    Wichtigste Fragen wurden nicht beantwortet: Kann man diese Aale essen und wenn ja, wie schmecken sie? Worauf muss man bei der Zubereitung achten, besteht immer noch die Gefahr eines elektrischen Schlags?

    • Thomi B. am 12.09.2019 08:03 Report Diesen Beitrag melden

      Gute Frage

      Also meistens bereite ich den Aal wie das Spanpferd über dem offenen Feuer zu. Am besten noch etwas grobes Salz hinzufügen und fertig ist die Vorspeise ;)

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  • Klima Entschädigter am 11.09.2019 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Teaser Modell Greta

    Praktisch diese Viecher auch im Nahkampf Einsatz bei den Polizeien.

  • Prof. Dr. Angela M. Physiker am 11.09.2019 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    An den Verfasser des Artikels.

    Holen Sie noch schnell eine Luftblase für die Wasserwaage! Danke. Danach erkläre ich Ihnen die Elektrotechnik Grundlagen bei Aalen und z.B. Kondensatoren etc.

  • Dr. Stolte am 11.09.2019 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Sind des Schäfchens Locken braun

    hängt es im Elektrozaun. Und wenn es mit den Äuglein rollt will es sagen zuviel Volt.

    • Bauernregler am 11.09.2019 22:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. Stolte

      Hat das Schäfchen Haarausfall, hängt der Bauer wohl im Elektrozaun.

    • Frau Lindauer am 12.09.2019 09:52 Report Diesen Beitrag melden

      Hat es dazu noch einen Ständer

      ist es wohl Frühling in Kaländer.

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