Kernfusion

11. Dezember 2015 11:25; Akt: 07.03.2019 09:29 Print

Forscher erschaffen eine künstliche Sonne

In Deutschland wurde zum ersten Mal Helium-Plasma hergestellt – ein wichtiger Schritt in Richtung klima- und umweltfreundliches Kraftwerk.

Ein Fusionskraftwerk hat viel mit der Sonne zu tun. (Video: Youtube/Max-Planck-Institut für Plasmaphysik)

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Neun Jahre hat der Aufbau von Wendelstein 7-X im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald gedauert. Dann wurde die Fusionsanlage während eines Jahres langsam hochgefahren. Ziel der Anstrengungen ist es, ein klima- und umweltfreundliches Kraftwerk zu entwickeln, eine Art «künstliche Sonne». Denn die Anlage soll ähnlich wie die Sonne aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie gewinnen.

Gestern war es schliesslich soweit: Die IPP-Physiker speisten rund ein Milligramm Heliumgas in ein Magnetfeld einer Vakuumkammer ein und schalteten die Mikrowellenheizung für einen kurzen 1,8 Megawatt-Puls an. Über Kameras konnten die Forscher das erste selbst produzierte Plasma beobachten. Wie das Institut mitteilt, bestand es für eine Zehntel-Sekunde und erreichte eine Temperatur von rund einer Million Grad.

Eine unerschöpfliche Energieform

«Wir sind sehr zufrieden», sagt Hans-Stephan Bosch vom IPP über die Premiere. Dabei handelt es sich genau genommen nur um einen Testlauf: «Wir beginnen mit einem Plasma aus dem Edelgas Helium», so Thomas Klinger, Wissenschaftlicher Leiter des Experiments. Erst im nächsten Jahr werde man zu einem Wasserstoff-Plasma – dem eigentlichen Untersuchungsobjekt – wechseln.

Die nun in Betrieb gegangene Anlage Wendelstein 7-X könnte Forschungsgeschichte schreiben. Immerhin geht es um eine bislang nicht nutzbare, quasi unerschöpfliche Energieform – die Kernfusion. «Aus einem Gramm Wasserstoff können wir dieselbe Energiemenge gewinnen wie aus zehn Millionen Gramm Kohle», so Klinger. Vorausgesetzt, es gelingt, den Fusionsprozess unter Kontrolle zu halten.


Die Montage von Wendelstein 7-X begann im April 2005. Das Video zeigt die Entwicklung im Zeitraffer. (Video: Youtube/Max-Planck-Institut für Plasmaphysik)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mensch am 11.12.2015 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so!

    Super, dass es auch noch Meldungen gibt, die einen auf eine bessere Zukunft hoffen lassen!

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  • A/B am 11.12.2015 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Zukunft

    Der spannendste und mit Abstand bedeutendste Beitrag seit Jahren. Fusion!

  • mamo am 11.12.2015 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierend

    Faszinieren, was die da am MPI geschafft haben. Dann gebt mal Gas ;-)! Die in Paris am Klimagipfel bringen nämlich wieder nichts nennenswertes zu Stande.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Albrecht Müller am 11.12.2015 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wird Dem Leien suggeriert?

    Es reicht nicht die Energie Einzufangen welche uns die Sonne jetzt schon liefert, nein wir brauchen eine Sonne auf Erde befor wir unsere Kraftwerke, natürlich Atomkraftwerke wird einem suggeriert, vom Netz nehmen. Meinung smache der übelsten Sorte...

    • Steph am 12.12.2015 19:24 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Ahnung

      Der Albrecht hat zwar eine "Meinung", aber so gut wie gar keine Ahnung.

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  • Säm s am 11.12.2015 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee, aber...

    ... speziell mit der Deutrium-Tritium Reaktion gibt es radioaktiv belastetes Reaktormaterial, wenn auch viel weniger als aus Kernkraftwerken (Tritium selbst ist auch schwach radioaktiv). Andere Fussionsreaktionen haben das Problem nicht, aber müssen noch eine grössere Energie haben, um zu funktionieren. Die Befürchtung von Laien, die Reaktionen könnten ausser Kontrolle geraten, sind wirklich absolut unbegründet, da die kleinsten Störungen zum Reaktionsabbruch führen, was auch das momentane Hauptproblem ist. Leider/zum Glück keine Kettenreaktion. Deshalb bleiben auch eneuerbare Energien wichtig

  • Spion81 am 11.12.2015 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, aber...

    Cern macht schwarze Löcher und MPI erstellt Sonnen. Einfach herrlich was der Mensch so alles kann. Und wann lösen wir die echten Probleme?

  • Mao am 11.12.2015 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uran wird knapp

    Es muss, das Uran für die Kernspaltung hält auch nicht mehr so lange... Und bei diesem Befölkerungwachstum wird der Strom sonst sehr schnell knapp.

  • Elmi am 11.12.2015 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon seit 1960 in Forschung

    Kernfusion ist schon lange bekannt. Warum hängen nicht schon solche Reaktoren am Netz? Für mich sind öffentliche Erklärungen einfach billige Ausreden.

    • Maximus am 11.12.2015 16:28 Report Diesen Beitrag melden

      Forschung

      Ja und jetzt? Teleportation ist auch schon lange bekannt. Warum gibt es nicht schon längst Beamer um sich von A nach B zu teleportieren?? Ja warum wohl? Die Technik hinter Kernfusion ist nicht ganz so ein Pipifax wie eine Dampfmaschine. 1-Mio Grad heisses Plasma kann man nicht eben mal so im Kessel halten. Und im Endeffekt muss ein Positiver Überschuss an Energie herausschauen, sonst bringt das alles nichts. Das sind nicht einfach "billige" Ausreden, sondern steckt halt immer noch in der Grundlagenforschung.

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