Äste, Gras und Blätter

08. Dezember 2011 23:43; Akt: 08.12.2011 23:43 Print

Forscher finden das älteste Bett der Welt

Archäologen haben die bislang ältesten Schlafstätten von Menschen entdeckt. Sie stiessen in Afrika auf «Betten», die rund 77 000 Jahre alt sind.

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Schon vor rund 77 000 Jahren bauten Menschen in Südafrika Matten aus Ästen, Riedgras, Binsen und Blättern. Archäologen haben diese bislang ältesten bekannten Betten entdeckt. Die Menschen schliefen und lebten vermutlich auf diesen Materialien, schreiben Forscher aus Südafrika, Deutschland und den USA in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins «Science».

Die Entdeckung gelang den Experten unter dem Sibudu-Felsvorsprung, rund 15 Kilometer entfernt vom südafrikanischen Küstenort Ballito. Sie belegt, dass der frühe Homo sapiens rund 50 000 Jahre früher als bisher angenommen seine Nachtruhe auf einer Unterlage fand.

Nicht nur bequem, sondern auch nützlich

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Menschen damals für die Matten zunächst Stöcke und Binsen sowie Gras übereinanderschichteten und möglicherweise fest trampelten. Bedeckt wurden die ältesten Bettungen dann von Blättern des Cryptocarya woodii, eines Lorbeergewächses.

«Wir haben festgestellt, dass diese speziellen Blätter durch ihre Inhaltsstoffe wohl auch dazu dienten, Insekten fernzuhalten», erklärte Christopher Miller von der Universität Tübingen. «Diese Matten oder Bettungen waren aber noch nicht geflochten oder gewoben», sagte Miller. Seine Kollegen und er haben ebenfalls herausgefunden, dass in späteren Zeiten viele Matten verbrannt wurden - wahrscheinlich, um darauf dann später wieder neue zu legen.

Schwierige Aufgabe für Forscher

Reste von Knochen und andere Sedimente belegten zudem, dass die Menschen auf den Unterlagen nicht nur schliefen, sondern ihren Alltag verbrachten. An der Ausgrabungsstelle konnten die Wissenschaftler Matten aus unterschiedlichsten Epochen nachweisen, die etwa 38 000 bis 77 000 Jahre alt sind.

«Weil die Funde nicht stabil sind, mussten wir sie in Gips und Harz einbetten und haben dann Scheiben per Dünnschliff bearbeitet, um sie unter Mikroskopen untersuchen zu können», erläuterte Miller.

Wie kochten Sie, wie lebten Sie?

Bislang galten rund 20 000 bis 30 000 Jahre alte Funde in Spanien, Israel und Südafrika als die ältesten Bettungen. Nun gehe es darum, in den kommenden Jahren ein grösseres Areal zu untersuchen, sagte Miller.

«Wir wollen versuchen zu klären, wie die Lebenswelt der damaligen Menschen aussah. Wo schliefen sie, wo kochten sie, wie lebten sie?», so der Geoarchäologe. Unter dem Sibudu-Felsvorsprung hatten Archäologen bereits früher wichtige Entdeckungen gemacht, unter anderem angespitzte Knochen für die Jagd.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vreni Müller am 09.12.2011 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Höhlenmalerei

    Ach, ich vergass - die Menschen schufen vor über 30 000 Jahren wundervolle Malereien in Höhlen (zB. Chauvet Höhlen). Da werden sie sicher auch fähig gewesen sein, Äste etc. übereinander zu legen für ein "Bett".

  • Ute Nacht am 09.12.2011 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wie man sich bettet, so...

    Ach, deshalb ruht man sich auf Lorbeeren aus.

  • Tinu am 09.12.2011 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie logisch!

    Viele Tiere essen noch heute in ihrem Nest, wieso sollte das beim Mensch anders sein? Die Römer assen ja auch im Liegen. Wahrscheinlich der älteste Futon der Welt! ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tinu am 09.12.2011 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie logisch!

    Viele Tiere essen noch heute in ihrem Nest, wieso sollte das beim Mensch anders sein? Die Römer assen ja auch im Liegen. Wahrscheinlich der älteste Futon der Welt! ;-)

  • Vreni Müller am 09.12.2011 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Höhlenmalerei

    Ach, ich vergass - die Menschen schufen vor über 30 000 Jahren wundervolle Malereien in Höhlen (zB. Chauvet Höhlen). Da werden sie sicher auch fähig gewesen sein, Äste etc. übereinander zu legen für ein "Bett".

  • Minnie Mouse am 09.12.2011 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierend

    Total faszinierend sowas !!!

  • Ute Nacht am 09.12.2011 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wie man sich bettet, so...

    Ach, deshalb ruht man sich auf Lorbeeren aus.

  • Vreni Müller am 09.12.2011 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Affen taten das schon vor dem Menschen

    wow was für eine Entdeckung (?). Das machte und macht unser Verwandter der Affe bis heute so, und andere Tiere auch. Der Mensch schaute wie die Tiere das machen und tat das Gleiche. Meiner Meinung nach seit es den Menschen gibt und nicht erst seit 77 000 Jahren sondern seit Millionen Jahre. Vermutlich legten Sie sogar Felle darüber, und auch das vor mehr als 77 000 Jahren.

    • Ein Christ am 09.12.2011 14:47 Report Diesen Beitrag melden

      Diese Wissenschaftler....

      Die Menschen wurden vor 10'000-15'000 von Gott erschaffen. Wann kapieren dass die Wissenschaftler endlich!

    • götsdeppe am 09.12.2011 16:32 Report Diesen Beitrag melden

      menschen

      der mensch schaut manchmal zu viel von den tieren ab! die grössten so gennanten "zivilisierten" nationen dieser erde können nur via krieg konflikte lösen! und dass obwohl wir andere möglichkeiten hätten: wir können zum beispiel miteinander sprechen! aber dummer primat bleibt dummer primat, also töten wir andere leute für öl usw.

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