Studie

21. Oktober 2019 21:25; Akt: 21.10.2019 21:25 Print

Wer sich weniger den Kopf zerbricht, lebt länger

Je mehr das Gehirn Gedanken hin und her wälzt, desto mehr scheint sich die Lebensdauer zu verkürzen. Das berichten US-Forscher.

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Geben Sie das Grübeln auf! Laut Forschern der Harvard Medical School scheint häufiges Gedankenwälzen die Lebensdauer zu verkürzen. Positive Gedanken dagegen halten den Menschen gesund. Das zeigte eine frühere Studie von Forschern der Harvard University. Die Untersuchung von 70'000 Frauen zeigte: Diejenigen, die weitgehend positiv gestimmt unterwegs waren, hatten nicht nur deutlich weniger Gesundheitsprobleme, sie überstanden diese auch besser. Deshalb raten die Wissenschaftler, das positive Denken zu trainieren. Doch übertreiben sollte man es mit der positiven Lebenseinstellung nicht. Laut dem britischen Psychologen Richard Wiseman kann das sogar schädlich sein und krank machen. Deshalb setzt er in seinem Ratgeber auf Dieses lässt sich ganz einfach anwenden. Mundwinkel so weit wie möglich nach oben ziehen, die Augenbrauen leicht heben und diesen Gesichtsausdruck für 20 Sekunden lang beibehalten. Für mehr Willenskraft braucht es ein bisschen angespannte Muskeln. Wer das nächste Mal unbändige Lust auf eine Zigarette hat, aber seit drei Monaten Nichtraucher ist oder weniger Süsses essen will, dem Zitronencake bei der Grosstante aber nicht widerstehen kann, Wer nicht gerade mit freiem Oberkörper posiert, kann sich selbstverständlich auch an einem Kugelschreiber festkrallen, schon ist die Willenskraft unerschütterlich und man lässt sich von nichts verführen. Bei einer Diät lassen sich die Tricks sogar noch ausweiten. Statt einfach draufloszuessen, schenkt man dem ganzen Vorgehen automatisch mehr Aufmerksamkeit. Man isst also weniger. Und schon ist die Diät erfolgreich! Wie kommt man zu mehr Ausdauer bei kniffligen Aufgaben? Richtig. Ron Friedman von der University of Rochester hat eine Studie durchgeführt, bei der Freiwillige schwierige Aufgaben lösen mussten. Am längsten haben diejenigen durchgehalten, die gerade auf ihrem Stuhl sassen und bei Problemen einfach mal für einige Zeit die Arme verschränkten. Wem es an Selbstbewusstsein mangelt, dem ist mit einer ganz simplen Pose geholfen. Ganz Übermütige könnten noch die Füsse aufs Pult legen. Wer gerade keinen Stuhl zur Verfügung hat, der kann sich auch stehend selbstsicherer machen. Einfach nur gerade hinstehen, Schultern zurück, Brust raus. Vor einer schwierigen Verhandlung lohnt es sich, auf den Sessel zu achten, auf den sich der Verhandlungspartner setzen soll. In einer Studie von Joshua Ackerman von der MIT Sloan School of Management haben Teilnehmer auf harten Stühlen deutlich weniger angeboten und waren bei der Verhandlung auch deutlich weniger flexibel. Wer ein schlechtes Gewissen hat, kann sich noch so lange einreden, dass doch alles gar nicht so schlimm gewesen sei. Chen-Bo Zhong von der University of Toronto hat herausgefunden, dass sich Menschen, die etwas Unmoralisches getan hatten und sich danach die Hände wuschen, weniger schuldig fühlten. Nicht nur sich selbst, auch andere Menschen kann man mit seinem Verhalten überlisten. Wenn man will, dass in einem Gespräch Untersuchungen von Gary Wells von der Iowa State University haben gezeigt, dass das Gegenüber die Bewegung nachahmt und deshalb unbewusst das Gefühl hat, das Gleiche zu denken wie der andere. Auch Verliebtsein kann gesteuert werden. Studien von Robert Epstein, dem Gründer des Cambridge Centre for Behavioural Studies, haben gezeigt, dass

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Als wäre ständiges Grübeln mental nicht schon belastend genug, haben Forscher der Harvard Medical School nun einen körperlichen Grund ausgemacht, mit diesem Verhalten zu brechen. So gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen der Aktivität eines Gehirns und der Lebenserwartung.

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Konkret hätten die Untersuchungen an Gehirnen von verstorbenen Menschen sowie an denen von lebenden Mäusen und Würmern gezeigt, dass übermässige Aktivität im Gehirn mit einem kürzeren Leben verbunden ist. Die Unterdrückung einer solchen Überaktivität dagegen verlängert das Leben.

Protein ist die Verbindung

Verantwortlich dafür ist ein Protein namens REST, so das Team um Bruce A. Yankner im Fachjournal «Nature». Dieses spiele eine zentrale Rolle dabei, ob bestimmte Hirnareale stark oder eher moderat aktiv seien. So ist es in der Lage, starke Hirnaktivitäten zu unterdrücken – jedoch nur, wenn seine Konzentration hoch genug ist. Ist sie das nicht, kann es zu exzessiven neuronalen Aktivitäten kommen. Dies ist beispielsweise bei neuronalen Erkrankungen wie Alzheimer oder einer Bipolaren Störungen der Fall.

Die Forscher halten es für möglich, dass nicht nur unwillkürliche neuronale Prozesse im Gehirn wie im Krankheitsfall, sondern auch das bewusste Denken die Lebenserwartung von Menschen negativ beeinflussen kann, wenn das Protein REST nicht ausreichend gegensteuert.

Tatsächlich wiesen die Gehirne von Menschen, die bei ihrem Tod über 100 Jahre alt waren, deutlich mehr REST auf als die von Menschen, die bereits mit 70 oder 80 Jahren verstorben waren.

Neuronale Aktivität – das Flackern im Video – ist mit einer kürzeren Lebenserwartung assoziiert. (Video: Yankner lab/Harvard Medical School)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jörg Frei am 21.10.2019 21:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    wer sich.. zerbricht lebt länger! nicht in der schweiz hier zählt leistung darum sind viele psychisch am ende

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  • Peter am 21.10.2019 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    immer

    leider viel zu oft und über Lappalien kann es nicht abstellen und gestorben bin ich auch noch nicht

  • juka am 21.10.2019 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt schlimm

    diese Aussage, da wird wohl ein grossteil der Population in der Schweiz steinalt. schlimm auch für die AHV.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eleonore am 22.10.2019 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Endlich eine Studie die auch SVP Anhänger positiv bestärkt.

  • Susi B. am 22.10.2019 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man lernt nie aus...

    Wusste gar nicht , dass Würmer ein Gehirn haben :) worüber die wohl den ganzen Tag nachgrübeln?

  • Schweizerin am 22.10.2019 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Besten Dank.

    Dann kann ich mir ja jetzt den Kopf darüber zerbrechen, dass ich mir zu oft den Kopf zerbreche.

  • blyat am 22.10.2019 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    jp

    Gut, dann zerbrech ich mir mit den Kopf;)

  • Daisydream am 22.10.2019 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So oder so

    Da werden unsere Politiker aber nicht alt, weil sie ständig darüber nachgrübeln, wie man den Leuten noch mehr das Geld abluchsen und ihnen das Leben erschweren kann. Und der Normalsterbliche auch nicht, da er immer wieder darüber nachdenkt, wie er wohl diesen Monat über die Runden kommt.

    • Rock'n'Roll am 22.10.2019 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Daisydream

      Bei den Normalsterblichen stimmt's, aber bei den Politikern muss gesagt werden: es ist ziemlich leicht und braucht kein Grübeln, wie man das Geld den Leuten aus der Tasche zieht. Sie werfen es einem nach, um eben über die Runden zu kommen...

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