Natürliche Ursache

08. Juli 2014 12:13; Akt: 08.07.2014 12:13 Print

Forscher lösen Rätsel um uralte Kindermumie

Die Mumie eines kauernden Kindes gilt als eine der ältesten der Welt. Nun haben Forscher bei ihm einen schweren Herzfehler diagnostiziert — 6500 Jahre nachdem es verstorben ist.

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Kein Mord oder Unfall, sondern ein angeborener Herzdefekt sorgte dafür, dass ein aus den Anden stammendes Kind vor Tausenden Jahren nur acht bis zehn Monate alt wurde. Das haben Forscher und Mediziner vom Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen herausgefunden. Ihre Diagnose lautet: Hypoplastisches Linksherzsyndrom (HLHS). Eine sehr seltene Fehlbildung, bei der die linke Herzkammer und die -klappen unterentwickelt sind, während die rechte Herzkammer vergrössert ist. Sie zu behandeln, ist so komplex, dass nur wenige Spezialzentren dazu in der Lage sind.

Das Ergebnis der Untersuchung ist laut den Wissenschaftlern eine Sensation: Damit sei bewiesen, dass es diese angeborene Herzerkrankung schon vor mehreren tausend Jahren gegeben habe, heisst es in einer Mitteilung des Zentrums. Denn die südamerikanische Mumie ist rund 6500 Jahre alt und damit fast doppelt so alt wie die des ägyptischen Pharaos Tutanchamun. Dies hat ein interdisziplinäres Forscherteam vor fünf Jahren im Rahmen des German Mummy Projects herausgefunden.

Vor dem Zerfall gerettet

Drei Jahre lang war das Kind in der Ausstellung «Mummies of the World» in verschiedenen Städten der USA gezeigt worden. Heute ist die Mumie wieder im Lippischen Landesmuseum im deutschen Detmold zu sehen. Sie war 1987 als private Schenkung in das Völkerkundliche Museum Witzenhausen bei Kassel gekommen. Aus einem Bündel alter Stofffetzen schauten nur die Füsschen hervor. Als Schimmel die Mumie befiel, brachte man sie nach Detmold, wo sie konserviert und vor dem Zerfall gerettet wurde.

Die Mumie ist jetzt mit einem hochauflösenden Computertomographen untersucht worden. Die Forscher werteten die Bilder aus und erstellten ein dreidimensionales Modell des fehlgebildeten Herzens per 3D-Drucker. Unbehandelt führe die Fehlbildung im frühen Säuglingsalter zum Tod, sagte der Kinderkardiologe Nikolaus Haas. Für die Therapie sind drei Operationen notwendig. Die Überlebensrate betrage über 70 Prozent.

(fee)