Klima-Notfall

05. November 2019 17:57; Akt: 05.11.2019 17:57 Print

Menschheit steuert auf «unsägliches Leid» zu

Experten haben untersucht, was bisher im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens unternommen wurde. Das Ergebnis ist ernüchternd.

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Wenn sich das menschliche Verhalten, das zu Treibhausgasausstoss und anderen den Klimawandel begünstigenden Faktoren führt, nicht grundlegend und anhaltend verändert, ... ... sei «unsägliches menschliches Leid» nicht mehr zu verhindern, heisst es in der Erklärung von mehr als 11'000 Forschern aus 153 Ländern. «Aus den vorliegenden Daten wird klar, dass wir einem Klima-Notfall gegenüberstehen», so einer der Autoren, Thomas Newsome von der University of Sydney. «Obwohl global seit 40 Jahren verhandelt wird, haben wir weitergemacht wie vorher und sind diese Krise nicht angegangen», sagte William Ripple, der den Zusammenschluss der Forschenden anführt. «Der Klimawandel ist da und er beschleunigt sich rascher, als viele Wissenschaftler erwartet hatten.» (Im Bild: die Beerdigung des Pizolgletschers, 2019) Die Forscher fordern in ihrem Beitrag im Fachjournal «BioScience» Veränderungen vor allem in sechs Bereichen: Umstieg auf erneuerbare Energien, ... ... Reduzierung des Ausstosses von Stoffen wie Methan und Russ, ... ... besseren Schutz von Ökosystemen wie Wäldern und Mooren, ... ... nachhaltige Veränderung der Weltwirtschaft, ... ... Eindämmung des Anwachsens der Weltbevölkerung und ... ... Konsum von mehr pflanzlichen und weniger tierischen Produkten. (Im Bild: Animal-Rights-Kundgebung in Zürich, 2019) Den letzten Punkt hat Anfang des Jahres bereits ein 37-köpfiges Forscherteam aus 16 Ländern, die sogenannte Eat-Lancet-Kommission, Sie sind der Frage nachgegangen, wie Ernährung aussehen muss, die gut für die Gesundheit und gleichzeitig auch ... ... gut fürs Klima ist. Das Ergebnis ist ein ganz spezieller Ernährungsplan. Dieser gibt vor, welche Mengen man von welcher Art Lebensmittel essen sollte – pro Tag, wohlgemerkt. Am meisten darf man demnach essen. Konkret sind 300 Gramm pro Tag gestattet. Etwas weniger sollte es von nicht überschritten werden. Knapp dahinter landen Produkte aus täglich konsumiert werden. Nochmals 32 Gramm weniger – nämlich gegessen werden. Deutlich weniger darf es bei den pro Tag und Person. Bei täglich sollten nicht überschritten werden. Für und ... ... täglich konsumiert werden. Dass pro Tag zu sich nehmen. Weniger sollte es von tierischen Produkten sein. Von pro Tag, ... ... von . Halb so viel – nämlich . Wer nun glaubt, diese geringe Mengenangabe liesse sich nicht noch weiter reduzieren, wird von den Forschern eines Besseren belehrt. Schlusslicht des Ernährungsplans für Gesundheit und Umwelt bilden nämlich gegessen werden. Das tönt nach Vorgaben, die völlig unmöglich umzusetzen sind. Denn wie soll man 13 Gramm Ei pro Tag essen, wenn doch ein Ei der Klasse M etwa viermal so schwer ist? Doch rechnet man die Angaben auf die Woche hoch, sieht es schon ganz anders aus. Schon länger empfehlen Ernährungswissenschaftler, den Verzehr von Fleisch herunterzuschrauben und dafür mehr Gemüse zu essen.

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Die Pläne der meisten Staaten im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens reichen einem neuen Bericht zufolge nicht aus, um die schneller werdende Erderwärmung zu bremsen. Fast drei Viertel der 184 Zusagen zum Einsparen von Treibhausgasen, die Länder eingereicht haben, sind demnach nicht ehrgeizig genug.

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Gemessen am Ziel, den Ausstoss bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, seien nur die 28 EU-Staaten gemeinsam und sieben weitere Länder auf Kurs, heisst es in der am Dienstag vorgestellten Auswertung von fünf Autoren, von denen vier auch schon für den Weltklimarat IPCC gearbeitet haben.

Warnung vor Klima-Notfall

Zeitgleich warnen mehr als 11'000 Wissenschaftler aus 153 Ländern in einer gemeinsamen Erklärung vor einem weltweiten Klima-Notfall. Wenn sich das menschliche Verhalten beim Treibhausgasausstoss und anderen den Klimawandel begünstigenden Faktoren nicht grundlegend und anhaltend verändere, sei «unsägliches menschliches Leid» nicht mehr zu verhindern, heisst es darin.

«Wissenschaftler haben eine moralische Pflicht, die Menschheit vor jeglicher katastrophalen Bedrohung zu warnen», sagte Ko-Autor Thomas Newsome von der University of Sydney. «Aus den vorliegenden Daten wird klar, dass wir einem Klima-Notfall gegenüberstehen.»

Katastrophale Folgen

Im Pariser Abkommen haben sich fast alle Staaten der Welt das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst 1,5 Grad zu begrenzen, um katastrophale Folgen wie Hitzewellen und Dürren, extreme Regenfälle und den Anstieg der Meeresspiegel zu begrenzen. Ginge es weiter wie bisher, läge der Anstieg Ende dieses Jahrhunderts wohl bei gut drei Grad.

Es ist schon lange klar, dass die nationalen Klimaschutz-Pläne in der Summe nicht ausreichen, um den Klimawandel einzudämmen. Alle fünf Jahre sollen sie deshalb nachgeschärft werden, so dass die Weltgemeinschaft insgesamt immer ehrgeiziger wird. 2020 ist es so weit, dann sollen neue Pläne auf den Tisch.

Industriestaaten in der Pflicht

Es ist festgelegt, welcher Staat welchen Anteil erbringen muss. Allgemein gilt, dass reiche Industriestaaten und solche, die historisch betrachtet viel zum Klimawandel beigetragen haben, mehr Verantwortung übernehmen sollen. Die nächste Klimakonferenz findet im Dezember in Madrid statt.

«Die Zusagen sind schlicht viel zu wenig und zu spät», kommentierte Co-Autor Robert Watson, bis 2002 im Vorstand des Weltklimarats, den von der US-Organisation Universal Ecological Fund veröffentlichten Bericht zu den Klimaschutzzielen. «Sogar wenn alle freiwilligen Klima-Zusagen voll umgesetzt werden, erreichen sie nur die Hälfte dessen, was notwendig ist, um die Beschleunigung des Klimawandels im nächsten Jahrzehnt zu begrenzen.»

China, Indien, USA und Russland im Fokus

Besonders im Fokus der Autoren stehen vier Nationen, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Treibhausgase ausstossen: China, Indien, die USA und Russland.

Das bevölkerungsreichste Land China hat einen Anteil von rund 27 Prozent – und die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) und anderen Klimagasen dort nähmen wegen des Wirtschaftswachstums weiter zu, heisst es im Bericht. Zugesagt hat Peking bisher nur, dass sie nicht im gleichen Masse zunehmen sollen wie das Bruttoinlandprodukt. Das gelte auch für Indien, das einen Anteil von sieben Prozent am globalen Treibhausgas-Ausstoss habe.

Die USA haben sich inzwischen auch offiziell aus den internationalen Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel verabschiedet: Die US-Regierung habe ihre Kündigung für das Klimaabkommen von Paris eingereicht, teilte Aussenminister Mike Pompeo am Montag mit. US-Präsident Donald Trump hatte den Ausstieg in die Wege geleitet.

EU auf Kurs – Schweiz vorbildlich

Die 28 Staaten der EU haben gemeinsam einen Anteil von neun Prozent – und sind dem Bericht zufolge mit ihren Plänen auf Kurs. Bis 2030 könnte der CO2-Ausstoss 58 Prozent unter dem Wert von 1990 liegen. Daneben werten die Autoren nur noch Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen, Moldawien, die Schweiz und die Ukraine als Länder, deren aktuelle Zusagen zum jetzigen Zeitpunkt ausreichen.

«Obwohl global seit 40 Jahren verhandelt wird, haben wir weitergemacht wie vorher und sind diese Krise nicht angegangen», sagte William Ripple, der den Zusammenschluss der gut 11'000 Wissenschaftler mit seinem Kollegen Christopher Wolf von der Oregon State University anführt. «Der Klimawandel ist da und er beschleunigt sich rascher, als viele Wissenschaftler erwartet hatten.»

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tobias_SG am 05.11.2019 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auf Kurs

    Wenn die Schweiz so vorbildlich und auf Kurs ist, wieso wollen uns denn die Grünen mit weiteren Steuern und Verboten drangsalieren?

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  • daniela meyer am 05.11.2019 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    usa, china, russland, indien boykottieren!

    ich wähle nicht grün. bin ever svp. ich sehe, dass auf der welt veränderungen in sachen umwelt dringend nötig sin. wir aus europa sollten produkte aus usa, china, indien, russland und sonstige umweltsünder meiden/boykottieren! nur so können wir ein umdenken bewirken.

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  • Gianni am 05.11.2019 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldessen

    Irgendwann wird der Mensch begreifen dass man Geld nicht essen kann! Nur ist es dann schon zu spät...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Philoswiss am 06.11.2019 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Staatliche Massnahmen für nix

    Das Pariser Abkommen mag ein symbolischer Schritt in die richtige Richtung sein, was bringt's wenn am Schluss doch alles zu Grunde geht. Wissenschaftler schlagen Alarm, Politiker machen irgendwelche Maßnahmen die nicht wissenschaftlich fundiert sind um gewählt zu werden und lassen sich dann noch bestechen (siehe CDU und Kohlekraft). Am Schluss haben Politiker doppelt abkassiert (Steuerabgaben, Schmiergelder), Wissenschaftlern glaubt man nicht mehr, weil die sogenannten Maßnahmen nichts nützen und der Bürger darfs dann wider ausbaden (höhere Abgaben und doch Klimawandel). Ergo, wir sind am A..

  • Thomas am 06.11.2019 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Resignation

    Dass sich die Menschheit früher oder später zu Grunde richtet, ist fast zu erwarten. Entweder durch Atomkrieg oder halt durch eine Klimakatastrophe. Aber solange Gier nach Geld und Macht stärker ist, wird sich das nicht verhindern lassen. Da nützen auch Tausend Gretas und individuelles sparen von Resourcen nichts. Daher sollen die Menschen sich doch zu grunde richten, vielleicht bringt die Evolution dann doch mal wirklich intelligente Wesen hervor, die nicht wie eine Krebszelle ihren Wirt zerstören. Die Erde selber wird sich erholen, solange kein Mensch das zu verhindern versucht.

  • Die Hex am 06.11.2019 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    an die Gretel-Anhänger

    Euch ist bekannt, dass der Anteil an CO2 höher wird, weil sich die Erde erwärmt. Und nicht umgekehrt. Oder? Dazu ist CO2 kein Gift. Pflanzen können ohne dieses "Gift" nicht leben. Und wir dann logischerweise auch nicht.

  • Maxitom am 06.11.2019 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Sicht der Dinge

    Gefährlich ist auch dass wir eine Glaubensgemeinschaft sind und zu einfach übernehmen was uns andere erzählen. Beim nichtwissen sollte man zuerst Nüchternheit bewahren, dann es wagen ohne Erwartungen ganz selber zu sehen.

  • Theodor Gott am 06.11.2019 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tabu Geburtenrate

    Die Politik von links bis rechts verdrängt den grössten Klimakiller: Das Bevölkerungswachstum. Wir benötigen weltweit eine gesteuerte Geburtenrate, so dass die Bevölkerung auf einen nachhaltigen Stand abnimmt. Zudem sollte der Überalterung der Gesellschaft mit der Enttabuisierung der aktiven Sterbehilfe entgegengewirkt werden. Menschen sollen zu jedem Zeitpunkt selbt entscheiden können, ob sie noch weiter leben wollen oder nicht. Lebensverlängernde Massnahmen sollen hinterfragt werden.