Forscher alarmiert

10. Oktober 2018 13:35; Akt: 10.10.2018 14:24 Print

US-Militär macht Insekten zu Virenschleudern

Offiziell wird der Einsatz von Insekten zur Verbreitung von Pflanzenviren überprüft. Doch das könnte zur Entwicklung von Biowaffen führen.

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Können Insekten als Transportmittel für Pflanzenviren dienen und diese auf landwirtschaftliche Nutzpflanzen übertragen? Dieser Frage gehen derzeit Wissenschaftler der Forschungsbehörde des US-Verteidigungsministeriums Darpa im Rahmen des Insect Allies Program (Insektenverbündete-Programm) nach.

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Die Idee dahinter: Die Viren könnten dereinst das Erbgut der betroffenen Pflanzen verändern. Auf diese Weise liessen sich bereits auf den Feldern wachsende Pflanzen wie Mais oder Tomaten schnell und unkompliziert genetisch verändern. Experten sprechen von Genom-Editierung (siehe Box).

Konkret untersuchen die beteiligten Wissenschaftler, ob sie die Viren mithilfe von Grashüpfern, Blattläusen und den zu den Pflanzenläusen gehörenden Weissen Fliegen auf Mais und Tomaten übertragen können.

Heftiger Gegenwind

So gut das klingt, es gibt auch Zweifel – nicht unbedingt an dem Vorhaben selbst, sondern daran, ob die gewonnenen Erkenntnisse auch wirklich sicher sind.

So könnte ein derartiges Insektensystem recht leicht manipuliert und als biologische Waffe eingesetzt werden, warnen Forscher des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön und der Universitäten Freiburg und Montpellier im Fachjournal «Science».

Vereinfacht als Waffe nutzbar

«So könnten Gene beispielsweise funktionsuntüchtig gemacht werden – was in der Regel leichter ist als ihre Optimierung. Das Verfahren muss also nicht einmal weiterentwickelt werden, es reicht aus, es zu vereinfachen, um es als Waffe einsetzen können», sagt Genetiker Guy Reeves, einer der Kritiker.

Hinzu kommt laut einer Mitteilung des Max-Planck-Instituts, dass es keine plausiblen Gründe gibt, Insekten als Transporteure von Genmaterial einzusetzen.

Auch rechtlich heikel

Auch aus völkerrechtlicher Sicht sei das Forschungsprogramm fraglich, heisst es in der Mitteilung weiter. Für eine Bewertung sei entscheidend, ob ein biologisches Forschungsprogramm nur friedlichen Zwecken diene. So verbietet das Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen den über 180 Vertragsstaaten unter allen Umständen die Entwicklung, Produktion oder den Erwerb von Agenzien und Toxinen von Arten und in Mengen, «die nicht durch Vorbeugungs-, Schutz- oder sonstige friedliche Zwecke gerechtfertigt sind».

Darüber hinaus untersagt es die Entwicklung oder Herstellung von «Waffen, Ausrüstungen oder Einsatzmittel, die für die Verwendung solcher Agenzien oder Toxine für feindselige Zwecke oder in einem bewaffneten Konflikt bestimmt sind». Die Autoren argumentieren, dass es sich bei den zum Übertragen der Viren verwendeten Insekten um verbotene Einsatzmittel im Sinne des Übereinkommens handle.

«Daher könnte das Insect-Allies-Programm der Darpa als Verstoss gegen diese Konvention angesehen werden, wenn die friedlichen Zwecke nicht plausibel sind», zitiert die Universität Freiburg Rechtswissenschaftlerin Silja Vöneky.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • W.Schweizer am 10.10.2018 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erst wenn

    die USA die ganze Welt vergiftet oder getötet haben sind sie zudrieden. Gen-Müll-Lebensmittel ist nur der Anfang

    einklappen einklappen
  • Nachdenklicher am 10.10.2018 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer einmal Lügt dem glaubt man nicht

    Die Amis hatten noch nie grosse Skrupel, wenn es darum ging ihren Weltherrschaftsansprüchen mit Vertragsbrüchen, Lügen und gefälschten 'Beweisen' nachzukommen. Misstrauen ist beim US-Militär mehr als angebracht.

  • Malm der denker am 10.10.2018 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Pentagon und Landwirtschaft?

    Also wenn mann es positiv für sich selber nutzen kann, kann mann es auch negativ für den Feind nutzen? Aber sowas passiert nur in Filmen.. ich bin doch nicht Naiv!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wurstfachverkäufer am 11.10.2018 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nothing New Under The Sun

    Die Idee ist ja schon so alt... Schlag mal nach: "Plum Island, Project Paperclip" Der amerikanische Militärindustrie-Komplex ist schon Lichtjahre weiter als was man hier liest...

  • Olly am 11.10.2018 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1:0

    "Schnell und einfach Gentechnisch verändern...." Wohin das führen wird weiss ich nicht genau, dass wir damit aber schlussendlich ein Eigengoal schiessen, das steht fest.

  • Dr. Strange am 11.10.2018 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ami beetle reloaded?

    Erinnert mich stark and die Geschichten mit den amerikanischen Kartoffelkäfern im WW2 und im Kalten Krieg. Wurde als Ost-Propaganda abgetan. Vielleicht war doch was dran ? Und jetzt "reloaded". Da Amerikaner scheinbar ihre politischen und moralischen Vorstellungen aus SciFi-Movies und Superhero-Filmen beziehen, traue ich denen das voll und ganz zu.

    • wem s recht ist am 11.10.2018 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      Hmmm

      Der Erfinder der Drohne für die Freisetzung von giftigen Mücken, ein S. Mill Calvert, hat 42 ähnliche militärische Erfindungen für die US-Armee und Spezialeinheiten, einschliesslich Schlaganfall-Kugeln, in einem Zeitraum von nur zwei Jahren von 2013 bis 2015 patentiert Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Drohne zur Verteilung von verseuchten Mücken

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  • Timseni am 11.10.2018 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr intelligent

    Das Problem das hier auftaucht ist, dass Insekten keine Grenzen kennen. Biologische Kriegsführung kann einmal begonnen nicht mehr eingedämmt werden. Wenn dem so ist, dann gute Nacht!

  • Patrick am 11.10.2018 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Karma

    Was muss man für einen Charakter haben, um so was zu entwickeln? Wie krank muss man sein, gibt es nicht schon genug Leid? Es ware schön wenn es dieses mal diejenigen trifft, die das Übel in die Welt tragen.