Spannung unter Meer

09. Juli 2019 22:06; Akt: 09.07.2019 22:06 Print

Forscher warnen vor starkem Beben in Istanbul

Unter der türkischen Metropole Istanbul hat sich eine enorme Spannung aufgebaut. Entlädt sie sich, könnte das katastrophale Folgen haben.

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Die Angst vor einem verheerenden Erdbeben ist in der Millionen-Metropole Istanbul allgegenwärtig. Die Stadt mit rund 16 Millionen Einwohnern liegt an der sogenannten Nordanatolischen Störung, einer Grenze zwischen der eurasischen und der anatolischen Erdplatte. Firmen entwerfen Notfallpläne, Privatleute haben sogenannte Go-Bags mit allem Nötigen fertig gepackt neben Haustüren stehen, und Schulen bringen Kindern bei, wie sie sich zu verhalten haben, wenn die Erde wackelt.

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Wissenschaftler um den Kieler Geophysiker Dietrich Lange vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung haben nun vor den Toren der Stadt erhebliche tektonische Spannungen entdeckt. Sie würden reichen, um ein Beben der Stärke 7,1 bis 7,4 auszulösen, schreiben sie im Fachblatt «Nature Communications».

Spannungen unter dem Marmarameer

Der untersuchte Abschnitt der Nordanatolischen Störung liegt unter dem Marmarameer, also unter Wasser. Ob sich die Plattengrenzen dort bewegen oder verhaken, konnte bisher nur indirekt untersucht werden, zum Beispiel mit Beobachtungen von Land. Nun haben die Forscher zweieinhalb Jahre lang mit dem am Geomar entwickelten Messsystem GeoSEA Daten in 800 Metern Wassertiefe gesammelt. Durch sogenannte akustische Abstandsmessung sei erstmals eine direkte Messung der Plattenbewegung möglich geworden, heisst es in einer Geomar-Mitteilung.

«Zu starken Erdbeben kommt es, wenn sich die Störungszone verhakt. Dann bauen sich tektonische Spannungen auf, die sich irgendwann in einem Moment entladen», sagte Lange. Die neuen Messungen seien der erste direkte Nachweis über den Spannungsaufbau am Meeresboden südlich von Istanbul.

«Wenn sich die angestaute Spannung während eines Erdbebens löst, würde sich die Verwerfungszone auf einen Schlag um mehr als vier Meter bewegen», sagte GeoSEA-Projektleiterin Heidrun Kopp. Ein solches Ereignis könnte laut der Geomar-Mitteilung für Istanbul ähnlich weitreichende Folgen haben wie ein Beben 1999 für die Stadt Izmit, die ebenfalls an der Nordanatolischen Störung liegt. Damals waren mehr als 17'000 Menschen gestorben.

Vorhersage ist unmöglich

Wann das nächste grosse Beben komme, sei unklar. «Wir sind nicht in der Lage, den Zeitpunkt zu prognostizieren», sagte Kopp der Nachrichtenagentur DPA. Die Forscher wollten mit der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse «keine Panik auslösen». Sie rechnen zwar nicht mit einer verheerenden Tsunami-Welle, aber mit schweren Schäden in Istanbul.

In der Stadt selbst wird die latente Gefahr immer wieder ignoriert. Jedes Jahr stürzen schlecht gebaute Wohnhäuser ein – unter anderem mürbe gemacht durch die vielen kleineren Erdbeben, die Istanbul regelmässig erschüttern. Stadtplaner wie die bekannte Architektin Mücella Yapici warnen seit Jahren, dass grosse offene Flächen, die im Zentrum als Zufluchtsorte eingetragen wurden, längst zugebaut sind.

An einer deutschen Schule in Istanbul lernen Schüler, mit Trillerpfeifen auf sich aufmerksam zu machen, falls sie verschüttet werden. Wer Glück hat, wohnt in einem neuen und verantwortungsbewusst gebauten Mietshaus – oder einem alten, das nachträglich mit dicken Stahlbetonsäulen verstärkt wurde. In manchen Häusern ziehen sich diese Säulen wie ein Rückgrat mitten durch die Wohnzimmer.

(jcg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Husisa am 09.07.2019 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Viel Glück den Einwohnern von Istanbul... Hoffentlich bleibt das Beben aus

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  • türkin am 09.07.2019 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hoffentlich nicht!

    ich wünsche das niemandem, keinem stadt, keiner nation, keinem mensch! so eine schöne stadt! das wäre eine katastrophe! viel glück und geduld den bewohnern und touristen. ich bete, dass das nicht passiert.

  • Oli B. am 09.07.2019 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Böse Kommentare

    Istanbul ist voll mit historischen Bauwerken deren Ursprung weit zurückliegt und eine Kultur von sehr modern bis sehr traditionell. ob die U-Bahn von Europa nach Asien sowas überstehen würde und die vielen Brücken über den Bosporus... Istanbul ist interessant und sehenswert mit vielen modernen Menschen die dort Leben

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S. F. am 10.07.2019 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffnungsmann

    Hoffentlich nicht. Hoffes nicht für die Menschen und auch für die schöne Stadt.

  • Futur.Visum am 10.07.2019 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Die Vorhersehung

    Es wird am 15 Januar 2020 passieren! Ihr werdet staunen!

  • H. Cheng am 10.07.2019 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Erdbebenzone

    Viel Glück dem unterirdischen Tunnel am Nadelöhr Bosporus! Der dürfte Erdbebensicher sein, trotzdem würde ich immer das Schiff nehmen.

  • Serdi Bozkurt am 10.07.2019 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    verdächtig

    Jetzt gerade wo die Ferien Saison beginnt, so eine Meldung? Das kann überall zu jeder Zeit passieren. Lasst euch nicht Angstmachen. Geniesst die schöne Zeit in Istanbul/Türkei.

    • CIA Medien-Kontrollstelle am 10.07.2019 15:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Serdi Bozkurt

      Tja hätten sie mal nicht diese SS-400 Luftabwehr Raketen bei den Russen gekauft, dann würden wir auch Werbung für den Türkischen Tourismus, Land und Gastfreundschaft machen.

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  • Flitzpiepe am 10.07.2019 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur Istanbul ist gefährdet

    Da ist noch der Yellowstone - Ausbruch überfällig, der Vesuv und die Flegräischen Felder bei Neapel brodeln, im Eifelvulkan unter dem Laacher See steigt Magma auf, um nur einige zu nennen. So gesehen hat jeder Kontinent seine Gefahrenzonen. Basel liegt am Rheingraben und somit auf einem Pulverfass. Nicht zu vergessen, die San Andreas Verwerfung, kürzlich Beben mit 7.1. Neuseeland, Indonesien bebt z.Z. auch mit 5+. Hoffen wir einfach, dass sich möglichst viele Menschen rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Und dass wir alle etwas mehr Demut vor der Natur empfinden.

    • Agent-Orange am 10.07.2019 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Flitzpiepe

      Spätestens wenn der Yellowstone ausbricht, hat sich die ganze Klimadiskussion für die nächsten Jahrzehnte auch gleich erübrigt. Dann ist die Hälfte der USA zerstört und der Rest friert durch den "nuklearen Winter".

    • Hommer Simsun am 10.07.2019 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Agent - Orange

      Das Wort heisst Nukular, Nukular, Agent Orange.

    • Big Bang am 10.07.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hommer Simsun

      Ach komm, das checken die meisten hier eh nicht...

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